Brütting, Steidle und Schwarzendorfer: Das sind die Chefs im Aalener Rathaus

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Beigeordnetenwahl 2023 von links: Bernd Schwarzendorfer, Frederick Brütting, Wolfgang Steidle Foto: Peter Hageneder
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Was die Bürgermeister machen, woher sie kommen und wofür sie stehen.

Aalen. Kommendes Jahr setzt sich die Verwaltungsspitze im Aalener Rathaus anders zusammen. Sozialbürgermeister Karl-Heinz Ehrmann hat sich nicht mehr zur Wahl gestellt. Am 6. November hat der Gemeinderat Bernd Schwarzendorfer als seinen Nachfolger gewählt. Er tritt das Amt am 1. Februar 2024 an. Das ist dann die neue und alte Verwaltungsspitze im Rathaus:

Aalens Oberbürgermeister Frederick Brütting

Oberbürgermeister Frederick Brütting

Die Aufgabe: Der Chef im Rathaus ist der Oberbürgermeister. Das ist und bleibt Frederick Brütting. 2021 wählten ihn die Aalenerinnen und Aalener mit 71,2 Prozent ihrer Stimmen ins Amt. Der Oberbürgermeister - oder die Oberbürgermeisterin - wird alle acht Jahre gewählt. Regulär ist die nächste Wahl also 2029. Zu seinem Dezernat gehören unter anderem das Hauptamt, das sich um Personalangelegenheiten kümmert, das Kulturamt, das Presseamt und die Stadtkämmerei, die die Finanzen im Blick hat.

Der Lebenslauf: Brütting wurde am 30. Dezember 1983 in Heidenheim geboren. Er feiert also dieses Jahr seinen 40. Geburtstag. Abitur machte er am Theodor-Heuss-Gymnasium (THG) in Aalen. Brütting studierte Rechtswissenschaften mit Schwerpunkt öffentliches Wirtschaftsrecht, Infrastruktur und Umwelt an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Sein Referendariat absolvierte er am Landgericht Ellwangen. Nach der zweiten juristischen Staatsprüfung war er Regierungsrat und stellvertretender Leiter der Zentralstelle im baden-württembergischen Ministerium für Integration. 2012 wurde er zum Heubacher Bürgermeister gewählt und 2020 wiedergewählt. Brütting ist verheiratet und hat zwei Kinder. Die Familie wohnt in Aalen.

Er ist SPD-Mitglied und war früher ehrenamtlich politisch sehr aktiv. Von 2009 bis 2011 war er zum Beispiel Stadtrat in Aalen, von 2009 bis 2012 Vorsitzender der Jusos Baden-Württemberg oder von 2016 bis 2018 Stellvertretender Vorsitzender der SPD Baden-Württemberg.

Die Einschätzung: Der Oberbürgermeister ist in Aalen beliebt. In der angespannten Haushaltssituation setzt er die Schwerpunkte auf Pflichtaufgaben wie Bildung und Betreuung und konzentriert sich auf schwierige politische Diskussionen wie den Albaufstieg oder den Flächennutzungsplan. Viel Kritik erntet er derzeit aus dem Gmünder Raum, weil er sich in der Klinik-Debatte für die Kombilösung am Ostalbklinikum einsetzt. Brütting reagiert auf Kritik stets gelassen und sachlich. Eine Eigenschaft, die auch Debatten im Gemeinderat beruhigt. Brütting hat immer wieder auch kreative Ideen parat. Die vergangenen beiden - den Austausch der Straßenbeleuchtung mit einer Steuererhöhung zu finanzieren und aus der Wilhelmstraße eine Einbahnstraße zu machen - stießen allerdings nicht auf besonders viel Gegenliebe in den Gremien.

Der Erste Bürgermeister Wolfgang Steidle wird oft auch Baubürgermeister genannt.

Erster Bürgermeister Wolfgang Steidle

Die Aufgabe: Der erste hauptamtliche Stellvertreter des Oberbürgermeisters ist der Erste Bürgermeister. Wolfgang Steidle hat dieses Amt seit acht Jahren inne. Bei der Wahl am 6. November wurde er mit 45 Stimmen von 46 Stimmen für weitere acht Jahre wiedergewählt. Die 46. Stimme war eine Enthaltung.

Steidle ist der Chef der Bauverwaltung. Umgangssprachlich wird er daher oft Baubürgermeister genannt. Zu Steidles Dezernat gehören das Amt für Bauverwaltung und Vermessung, das Stadtplanungsamt, das Bauordnungsamt, das Hochbauamt, das Amt für Tiefbau und Mobilität, das Amt für Grünflächen und Klimaschutz sowie der Bauhof und die Stadtgärtnerei.

Der Lebenslauf: Steidle ist 48 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Mit der Familie wohnt er in Röttingen. Abitur machte er am Ostalbgymnasium in Bopfingen. Nach erfolgreichem Studium der Architektur und Stadtplanung an den Universitäten Stuttgart und Zürich war Steidle von 2003 bis Anfang des Jahres 2014 zunächst im Bauordnungsamt und Messungsamt, ab 2008 beim Planungsamt der Stadt Aalen beschäftigt, wo er zuletzt die stellvertretende Amtsleitung inne-hatte. Vor seiner Wahl zum Ersten Bürgermeister der Stadt Aalen 2015 leitete er für zwei Jahre das Amt für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung der Stadt Ellwangen. Berufsbegleitend hat der neue und seitherige Erste Bürgermeister zusätzlich ein Studium zum Diplom-Wirtschaftsingenieur absolviert. Seit 2019 gehört er als Mitglied der CDU-Fraktion dem Kreistag an.

Die Einschätzung: Seit Steidle im Amt ist, sind die Investitionen in Bauprojekte stark gestiegen. Darauf ist er stolz. Große Projekte wie der Kulturbahnhof, der Steg oder der Bildungscampus Braunenberg fallen in seine Ägide. Dass es auf vielen Baustellen nicht rund läuft, dass die Arbeiten länger dauern als gedacht und teurer werden als gedacht, scheint der Gemeinderat nicht ihm angelastet zu haben. Steidle setzt sich für Umwelt- und Klimaschutz ein. Als Christdemokrat nennt er das „Bewahrung der Schöpfung“. Ihm liegt Innenentwicklung am Herzen, die Flächen spart, sowie der Ausbau der Infrastruktur für Fußgänger und Radfahrer und die Begrünung der Stadt.

Bernd Schwarzendorfer wird im Februar Bürgermeister in Aalen.

Bürgermeister Bernd Schwarzendorfer

Die Aufgabe: Noch ist Bernd Schwarzendorfer nicht Aalener Bürgermeister. Er wird es werden, wenn er am 1. Februar sein Amt antritt. Der Gemeinderat hat ihn am 6. November gewählt. Mit 24 zu 21 Stimmen setzte er sich der parteilose Kandidat in der Stichwahl gegen Ralf Meiser (Grüne) durch. Zu Schwarzendorfers Dezernat gehören ab Februar unter anderem die Ämter für IT und Digitalisierung, Schule, Bildung und Sport sowie Jugend, Soziales und Familie. Umgangssprachlich wird der Bürgermeister in Aalen auch Sozialbürgermeister genannt. In der Rangfolge kommt er in der Verwaltungsspitze an dritter Stelle.

Der Lebenslauf: Bernd Schwarzendorfer absolvierte die Ausbildung zum Diplom-Verwaltungswirt (FH) und das Studium an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Ludwigsburg erfolgreich. Er war persönlicher Mitarbeiter des Bürgermeisters der Stadt Pfullendorf und Leiter des Presse- und Informationsamtes und des OB-Büros bei der Stadt Aalen.

Aktuell ist er Dezernent beim Landratsamt Biberach, wohin er 2007 gewechselt ist. Er zeichnet verantwortlich für die Bereiche Verwaltung, Kommunales und Gesundheit. Schwarzendorfer will nach Aalen ziehen. Er ist 52 Jahre alt und seit über 20 Jahren mit der gebürtigen Aalenerin Heidi Schwartz liiert.

Die Einschätzung: Schwarzendorfer ist Verwaltungsprofi. Würde er seinen Job nicht beherrschen, hätte er es nicht so weit gebracht. Dass er bei Kolleginnen und Kollegen beliebt ist, zeigte deren große Unterstützung bei der Wahl. Schwarzendorfer ist sympathisch. Er hat kein Problem damit, auf Menschen zuzugehen, und umgekehrt fällt es leicht, auf ihn zuzugehen. Wofür er steht, wofür er sich einsetzt, werden die kommenden Jahre in Aalen zeigen.

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