Der Pachtvertrag fürs neue Wirtshaus am Gmünder Marktplatz liegt bereit

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Seit 15 Jahren steht das Gebäude Marktplatz 6 leer. Jetzt ist Bewegung in die Verhandlungen gekommen. Wenn alles nach Plan läuft, können Sridevan Sriskandarajah von der GS Gastronomie und Dinkelacker dort im Sommer 2025 ihr Wirtshaus eröffnen.
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Warum sich die Verhandlungen zwischen dem Eigner des einstigen Woha und Dinkelacker gezogen haben und wann Eröffnung sein könnte.

Schwäbisch Gmünd. Der Vertrag für ein Wirtshaus im früheren Woha-Gebäude ist jetzt unterschriftsreif: Der Eigentümer des Hauses am Gmünder Marktplatz 6 und die Stuttgarter Brauerei Dinkelacker sind sich nach monatelangen Verhandlungen einig über die Pacht der Fläche im Erdgeschoss. Das bestätigt Dinkelacker-Vertriebschef Til Odenwald. Jetzt liege der Vertrag zur Prüfung beim künftigen Wirt: bei Sridevan Sriskandarajah von der GS Gastronomie, die in Schwäbisch Gmünd unter anderem die Villa Hirzel, das Bassano und das El Mexicano betreibt.

Auf lange Zeit angelegt

„Wir prüfen den Vertrag jetzt“, bestätigt der Gastronom, der davon ausgeht, dass der Termin für die Unterschriften Anfang nächstes Jahr sein wird, wenn alles so weit passt. Til Odenwald lässt dem Wirt die Zeit gerne. Schließlich sei der Vertrag auf lange Zeit angelegt: auf zehn bis 15 Jahre mit Verlängerungsoption. Und „alle Beteiligten nehmen viel Geld in die Hand“, sagt der Dinkelacker-Vertriebsdirektor. Der Hauseigentümer bereite die rund 600-Quadratmeter-Räume nun so vor, dass die Brauerei und Sridevan Sriskandarajah dort den Innenausbau für das Wirtshaus machen können.

Kein Schnickschnack

Die Einrichtung des schwäbischen Wirtshauses werde zeitlos und bodenständig sein, sagt der Dinkelacker-Vertriebschef: „nichts mit Schnickschnack, Schleifchen links und Schleifchen rechts“. Es werde einige Stufen im Gastraum geben, wie Kunden sie vom früheren Kaufhaus Woha kennen. Die unterschiedlichen Ebenen sorgten dafür, dass der Raum trotz seiner Größe keinen Hallencharakter bekomme. In dem Wirtshaus sollen 200 Sitzplätze entstehen: an einer Bar, einem großen Stammtisch und vielen weiteren Tischen. Außen sind weitere 100 Plätze geplant. Einige Tische sollen am Haus stehen, andere in der Mitte des Marktplatzes, wo bereits das Paulaner, das Alpen Wirtshaus und das Bistro m7 Außengastronomie haben.

Ein weiteres Lokal stärke den Standort, meint Til Odenwald zur Frage nach der Konkurrenz. Der Sommerspielplatz vor dem Rathaus solle von den Plätzen des Wirtshauses unberührt bleiben, verspricht der Vertriebschef. Doch klar sei: „Ein Wirtshaus ohne Außengastronomie kann nicht funktionieren.“

Der Wirt beweist Mut

Es gebe heutzutage nicht viele Gastronomen, die ein Gasthaus in dieser Größe führen können, sagt Til Odenwald, der Sridevan Sriskandarajah „größten Respekt“ zollt für den „Mut“, mit dem neuen Wirtshaus ein „großes Risiko“ einzugehen. Denn „Gastronomie ist kein einfaches Brot mehr“, sagt der Vertriebschef. Wirte haben mit der Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung für Speisen in Lokalen ab Januar zu kämpfen, mit der Personalnot in der Branche und der schwierigen Konsumlaune. Am Ende finanziere der Gastronom über die Pacht die Investitionen, mit denen der Hauseigentümer und die Brauerei in Vorleistung gehen.

Weil es wirtschaftlich passen müsse, haben sich die Verhandlungen zwischen dem Hauseigentümer und der Brauerei in die Länge gezogen, sagt Til Odenwald über die Gespräche, die seit einem dreiviertel Jahr andauern.

Alte Gebäude sind oft eine Wundertüte

„Einzelhandelsflächen gehen nicht mehr leicht weg“, meint er zu Leerständen in Innenstädten wie das frühere Woha-Gebäude. Doch wenn Sridevan Sriskandarajah mitzieht, wird dort in absehbarer Zeit wieder Leben einziehen. Der Hauseigentümer werde das Gebäude nun entkernen lassen, sagt Til Odenwald, der hofft, dass es dabei keine Verzögerungen gibt. Denn alte Gebäude seien oft „eine Wundertüte“. Doch wenn alles nach Plan läuft, könne das Wirtshaus in eineinhalb Jahren eröffnen: im Sommer 2025.

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Alte Tradition und langer Leerstand am Marktplatz

15 Jahre steht das Gebäude Marktplatz 6 bereits leer: seit das Kaufhaus Woha 2008 geschlossen hat.

Ein Wirtshaus dort würde einer alten Tradition folgen: An dem Standort war mindestens seit 1635 das Gasthaus „Das goldene Rad“. Die Wirte dort wechselten über die Jahrhunderte. Nach einem Brand 1894 wurde das Giebelhaus am Marktplatz abgebrochen und durch einen klassizistischen Neubau ersetzt. 1919 wurde aus dem Hotel Rad das Hotel Gmünder Hof – ein Dinkelacker-Lokal, sagt Dinkelacker-Vetriebsdirektor Til Odenwald.

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