VonJürgen Steckschließen
Angesichts der „dramatischen Situation“ planen Klinikchef Rieß und Landrat Dr. Bläse rasche Umstrukturierungen – besonders betroffen: Standort Ellwangen.
Aalen. Die Kliniklandschaft im Ostalbkreis steht vor einschneidenden Veränderungen. Konkrete Maßnahmen drängen aus Sicht von Landrat Dr. Joachim Bläse und Klinikchef Christoph Rieß so sehr, dass bereits jetzt Entscheidungen getroffen werden müssen und schnell mit Umstrukturierungen begonnen werden soll. „Viele Leistungen werden an allen drei Standorten vorgehalten“, sagt Rieß. Dies könnten sich die Kliniken Ostalb nicht mehr leisten – Bläse erinnerte daran, dass die Klinken Ostalb mit einem erwarteten Defizit von 60 Millionen Euro in diesem Jahr das Schlusslicht seien und kündigte Maßnahmen an, „die wehtun“. Von einer „dramatischen Situation“ sprach Rieß. „Der Landkreis kann diese Verluste nicht weiter stemmen“, sagte er, weswegen eine „umfassende Neuaufstellung unausweichlich“ sei. Auf die Politik könne man im Ostalbkreis nicht warten. „Wir können und werden jetzt aktiv Weichen stellen“, so Rieß weiter. Eine dieser Weichenstellungen werde sein, dass in Ellwangen der OP-Bereich und auch die Geburtshilfe wegfallen sollen.
Ein weiterer Schritt betrifft Mutlangen. So soll es künftig nur noch eine Kinderklinik im Landkreis geben – und zwar zunächst in Aalen, bis diese an den neuen Regionalversorger in Essingen kommt. Das Jahr 2027 ist der angestrebte Termin für die Fusion der Kinderkliniken. Fusionen soll es auch bei den Themen Stroke-Units und Herzkatheter geben. Rieß verspricht sich von den Restrukturierungen positive Effekte bei Einkauf, Digitalisierung, aber auch mehr Versorgungssicherheit, weil Vorgaben der Politik besser umgesetzt werden können.
Die Übergangslösungen
Aalen wird im Übergang der zentrale Notfallversorger im Ostalbkreis mit allen Leistungsgruppen, die später in Essingen zusammengeführt werden.
Mutlangen wird „der zweite starke Standort, um wesentliche Leistungsgruppen im Verbund abzudecken und Aalen zu entlasten“: mit einer Allgemeinen Inneren Medizin, einer Unfallchirurgie sowie einer Intensivstation. Damit soll es in Mutlangen auch in Zukunft eine 24/7 Notaufnahme der Basisnotfallversorgung geben. Dort können Notfälle, allerdings nur „leichtere“, versorgt werden.
Ellwangen werde zum „sektorenübergreifenden Gesundheitsversorger bereits im Übergang“. Solche Versorgungseinrichtungen bieten neben stationären Leistungen insbesondere ambulante und medizinisch-pflegerische Behandlungen an. So sollen in Ellwangen neben einer Allgemeinen Inneren Medizin schwerpunktmäßig die Kinder-und Jugendpsychiatrie, geriatrische Angebote sowie eine Kurzzeitpflege angesiedelt werden. In Ellwangen werde es statt einer Notaufnahme eine 24/7-Notfallpraxis geben für leichte Notfälle sowie als Anlaufstelle, von der aus Patientinnen und Patienten zur Weiterversorgung in die spezialisierten Zentren weitergeleitet werden.
In Mutlangen soll zudem das onkologische Zentrum der Kliniken Ostalb sein, in Aalen werden die Geburtshilfe, das Kopfzentrum, die Herzmedizin, das Wirbelsäulenzentrum und die Adipositas-Abteilung gebündelt. Rieß und Bläse rechnen „nach konsequenter und kompletter Umsetzung der Maßnahmen“ mit möglichen jährlichen Verbesserungen von circa 18 Millionen Euro im Ergebnis.
Investitionen in Aalen
Zur Umsetzung der Übergangsmaßnahmen sind Investitionen in die Sanierung des OPs in Aalen, die Erweiterungen der Kinderklinik sowie der Zentralen Notaufnahme in Aalen sowie in die urologische Ambulanz in Mutlangen erforderlich.
„Uns ist vollkommen bewusst, dass die Übergangsmaßnahmen insbesondere in Ellwangen zu schmerzhaften Einschnitten führen werden“, sagt Sylvia Pansow, Vorstandsmitglied der Kliniken. Aber diese seien „unumgänglich, um die Versorgung zu sichern und die dringend benötigten wirtschaftlichen Verbesserungen zu erreichen“. In diesem Zuge seien Personalveränderungen „unausweichlich“.
„Ellwangen weiterhin wichtig“
Der erste Schritt wird jetzt der Beschluss des Kreistags sein. Und zwar des neuen, wie Bläse sagt. „Es war uns sehr wichtig, unmittelbar nach der Klausurtagung offen über den aktuellen Stand zu informieren“, sagt Landrat Bläse. Damit wolle man „in keiner Weise der Kreistagsentscheidung vorgreifen“. Aber es solle der Prozess „so transparent wie möglich“ gestaltet werden. „Ich kann jeden verstehen, der sich für sein Krankenhaus vor Ort einsetzt“, sagt Bläse, beteuert aber auch, „mit den jetzt entwickelten Konzepten gehen wir an die Grenzen des unter den schwierigen Rahmenbedingungen Machbaren“. Er betonte, dass kein Standort geschlossen werde. Auch Ellwangen werde „weiterhin eine wichtige Rolle spielen“ und für die Menschen vor Ort an 24 Stunden täglich erreichbar sein. Aber es sei „unvermeidbar, dass das Leistungsangebot angepasst und reduziert“ werde. Dafür entstehe „ein modernes Konzept mit verzahnten stationären und ambulanten Leistungen, das auch Ellwangen eine langfristige Zukunftsperspektive gibt“, sagt Bläse.

