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Die 30-Jährige ist seit September im Team der Wirtschaftsförderung. Welchen Erfolg sie bereits vermelden kann und welche Aufgaben auf sie warten.
Schwäbisch Gmünd
Schwäbisch Gmünd hat eine neue Leerstandsmanagerin: Die 30-jährige Ezgi Pala hat seit 1. September im Team von Wirtschaftsförderer Alexander Groll die Aufgabe, Hauseigentümer und Händler oder Gastronomen als mögliche Mieter zusammenzubringen. Dabei werde sie unter anderem mit ihrer Vorgängerin Inga Adam zusammenarbeiten, die zum Projekt BIWAQ (Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier) wechselt.
Momentan ist Ezgi Pala dabei, sich durch die Dateien mit den Leerständen in Gmünd zu arbeiten, um Interessierten gleich die passenden Räume vorschlagen zu können. Sie kann ihnen dabei eine Starthilfe anbieten: Wenn die Hauseigentümer die Räume 15 Prozent günstiger vermieten als zuvor, mietet die Stadt diese bis Ende Juni 2024 an und übernimmt bis dahin 70 Prozent der Mietkosten. Möglich ist dies, weil Schwäbisch Gmünd beim Bundesprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ (ZIZ) zum Zuge kommt. Knapp 2,5 Millionen Euro erhält die Stadt vom Bund fürs Leerstandsmanagement, Projekte für grüne Aufenthaltsqualität, innovative Mobilität und die Digitalisierung. 826 000 Euro muss die Stadt selbst dafür finanzieren.
Von Düsseldorf nach Gmünd
Ezgi Pala war seit September 2022 innerhalb dieses Projekts für die Digitalisierung zuständig. Sie hat Händler und Gastronomen unterstützt, soziale Medien effektiv für sich zu nutzen. Für diesen Job ist sie von Stuttgart nach Bettringen gezogen. „Hier fühle ich mich heimisch“, sagt die 30-Jährige, die aus Düsseldorf stammt. Nach Baden-Württemberg ist sie 2019 gekommen, um in Stuttgart eine Ausbildung als Grafikdesignerin zu absolvieren. Zuvor hat sie nach dem Fachabitur in Düsseldorf im Einzelhandel gearbeitet. Dabei habe sie Einblick in den Handel bekommen und sei offen im Umgang mit Menschen geworden. Das komme ihr in ihrem Job als Leerstandsmanagerin zugute, in dem sie als Vermittlerin auftritt.
Ihr erster Erfolg: Die Fußpflegerin Petra Francois musste aus ihren Räumen über dem Café Bühr's am Marktplatz 25 raus, weil dort die Stadtverwaltung einziehen wird. Ezgi Pala konnte Petra Francois die Räume im ersten Stock über dem Mallorca-Stüble im Türlensteg 13 vermitteln. Die Mieterin profitiere von den Fördermitteln, weil die Stadt bis Juni 2024 als Mieterin auftritt und 70 Prozent bezahlt, sagt Alexander Groll. Einen Anschlussmietvertrag gebe es bereits – wie bei fast allen Mietern, denen die Stadt mit den ZIZ-Fördermitteln hilft. Denn das Ziel müsse sein, dass die Händler oder Gastronomen langfristig selbst für die komplette Miete aufkommen können.
Welche weiteren Leerstände mietet die Stadt mit den ZIZ-Fördermitteln an?
Marktplatz 13: Nachdem Brigitte und Kurt Bühr im Frühjahr 2023 angekündigt hatten, dass sie ihr Café Bühr's aufgeben wollen, hat Alexander Groll Arian Röhrle vorgeschlagen, das Lokal zu übernehmen. Denn dieser hatte sich zuvor für die Bewirtung der Bar M7 am Marktplatz beworben. Er hat daraufhin das Bühr's sowie die leerstehenden Räume nebenan Richtung Johannisplatz gemietet, in denen früher ein Schmuckladen war. Nun will er sein Lokal um diese erweitern.
Radgässle 3: der Tätowierer Painfull, der wie Petra Francois aus dem ersten Stock am Marktplatz 13 ausziehen musste, hat im Radgässle einen neuen Standort gefunden. Auch hier trete die Stadt aktuell als Mieterin auf, damit Fördermittel fließen, sagt Alexander Groll.
Marktplatz 25: In der früheren Mohrenapotheke, die seit Juni 2022 leer stand, eröffnet Sridevan Sriskandarajah Ende Oktober die Kostbar.
Vordere Schmiedgasse 16: In dem Leerstand, in dem zuvor ein Tätowierstudio war, ist Idris Al-Abyad mit seinem Laden "KraftGestein" eingezogen.
Bocksgasse 43: Rudolf Scheffold hat mit Unterstützung der Wirtschaftsförderung in dem Leerstand in der Bocksgasse sein RMS Designbüro wieder eröffnet.
Bocksgasse 16: Mit den Fördermitteln hat die Stadtverwaltung einen Showroom eingerichtet, in dem sich unter anderem Start-ups ohne Miete und Risiko ausprobieren können.
Handmade by Jana ist auf der Suche
Seit 10. Juli und bis 27. September verkauft Jana-Marie Link dort ihre selbstgenähte Baby- und Kinderkleidung. Dabei ist der 24-Jährigen klar geworden, dass sie gerne einen eigenen kleinen Laden in Gmünd führen will. Nun sucht Ezgi Pala mit ihr geeignete Räume. Gespräche mit Hauseigentümern habe es bereits gegeben, aber es sei noch nichts spruchreif. Doch Alexander Groll ist zuversichtlich, dass die beiden das Passende finden werden. Er setze auf die Ideen der „jungen Frauen, die anders denken als wir alten Männer“, um Gmünd voranzubringen. Dass Ezgi Pala dabei die Erfahrung aus der Großstadt Düsseldorf mitbringe, sehe er als großen Vorteil für ihre Arbeit als Leerstandsmanagerin. Als solche hat sie noch jede Menge Aufgaben vor sich. Nicht nur bei den größten Leerständen der Innenstadt: dem früheren Woha-Gelände, für das die Eigentümer noch immer mit der Brauerei Dinkelacker verhandeln, die dort ein Gasthaus eröffnen will. Und dem einstigen Modegeschäft Adler im Parlermarkt. Fürs Erdgeschoss gebe es zwei verschiedene Interessenten, sagt Alexander Groll. Aus welcher Branche wolle er vor Abschluss der Gespräche nicht verraten.
Auf dem Marktplatz, in der Bocksgasse und an anderen Stellen gibt es weitere Leerstände. Oft sei die Höhe der veranschlagten Miete das Problem, weiß der Wirtschaftsförderer. Manche Eigentümer müssten akzeptieren, dass die Mietpreise im Vergleich zu früheren Jahren stark gefallen seien.
Thema im Gemeinderat: 3,3 Millionen Euro sind innerhalb des Programms ZIZ für Gmünd vorgesehen. Wie viel Geld die Stadtverwaltung davon ausgegeben hat, will sie den Stadträten am 18. Oktober vorstellen.
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