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Mitarbeiter mehrerer deutscher Werke der ZF Friedrichshafen haben gemeinsam gegen die geplante Werksschließung auf Schalke protestiert. Sie befürchten einen Dominoeffekt.
Friedrichshafen/Gelsenkirchen - Der Technologiekonzern ZF Friedrichshafen ist aktuell auf Sparkurs und stellt deshalb ganze Sparten und Standorte auf den Prüfstand. Das Werk im Gelsenkirchener Stadtteil Schalke steht seit einiger Zeit auf der Kippe, da die erhofften Aufträge ausbleiben. Nachdem der Standort bereits im Jahr 2018 vor der drohenden Schließung bewahrt werden konnte, kündigte die ZF an, das Werk Ende 2024 endgültig schließen zu wollen. Damit stehen rund 200 Mitarbeiter des zweitgrößten deutschen Autozulieferers vor einer ungewissen Zukunft.
Am Dienstag (19. Dezember) demonstrierten rund 250 Mitarbeiter der ZF Friedrichshafen in Gelsenkirchen gemeinsam mit der Gewerkschaft IG Metall gegen den Stellenabbau und die Schließung des Werkes auf Schalke. Wie der WDR berichtet, waren neben dem Gesamtbetriebsratsboss Achim Dietrich auch Mitarbeiter mehrerer anderer ZF-Werke vor Ort, um gemeinsam mit ihren Kollegen zu protestieren. Sie befürchten, dass die angekündigte Schließung des Standorts erst der Anfang sein könnte.
ZF-Mitarbeiter aus Friedrichshafen, Hannover und Steinfurt demonstrieren mit ihren Schalker Kollegen
Dass der Gesamtbetriebsratschef Achim Dietrich am Dienstag persönlich in Gelsenkirchen war, zeigt, dass der Betriebsrat des Stiftungskonzerns vom Bodensee den Standort noch nicht aufgeben will. „Mir wurde gesagt, ich soll hier zum Trösten hinkommen“, sagte er. „Aber ich bin gekommen, um mit euch zu kämpfen.“ Dafür erntete Dietrich großen Beifall, da die Belegschaft vor Ort ebenfalls nicht bereit ist, den Stellenabbau und die Werkschließung einfach hinzunehmen. Deshalb waren auch ZF-Mitarbeiter vom Stammsitz in Friedrichshafen (Baden-Württemberg) und aus Hannover (Niedersachsen) sowie Steinfurt (NRW) angereist, um ihre Kollegen in Gelsenkirchen zu unterstützen.
| Name | ZF Friedrichshafen AG |
|---|---|
| Gründungsjahr | 1915 |
| Hauptsitz | Friedrichshafen, Baden-Württemberg |
| Branche | Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme |
| Geschäftsbereiche | Automobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik |
| Mitarbeiterzahl | 164.869 (Stand: 2022) |
| Produktionsstandorte | 168 in 32 Staaten |
| Hauptentwicklungsstandorte | 19 in neun Ländern |
| Umsatz | 43,8 Milliarden Euro (2022) |
| Geschäftsführung | Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender) |
| Anteilseigner | 93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung |
In der langen Geschichte des 1915 gegründeten heutigen Weltkonzerns ZF Friedrichshafen war die Schließung eines der 260 Werke in 41 Ländern nicht notwendig gewesen. Der Konzern hatte sich in den vergangenen Jahren durch milliardenschwere Übernahmen, beispielsweise der von Konkurrent Wabco 2020, stark verschuldet und muss deshalb sparen. Die Mitarbeiter anderer Standorte befürchten deshalb, dass die angekündigte Schließung des Werkes auf Schalke erst der Anfang sein könnte. „Wir sind heute hier, um unsere Solidarität zu zeigen, aber auch, um für unseren Standort mitzukämpfen“, erklärte ein ZF-Mitarbeiter. „Es kann uns ja alle treffen“, ergänzte ein weiterer.
Standort auf Schalke ist nicht das einzige ZF-Werk, das wackelt
Die Sorge der Mitarbeiter der ZF Friedrichshafen ist nicht unbegründet. Vorstandsmitglied Stephan von Schuckmann sorgt sich um die Zukunft der deutschen Standorte. ZF-Personalchef Franz Iwer bezeichnete die große Solidarität unter den Beschäftigten des Autozulieferers aus Baden-Württemberg als nachvollziehbar. „ZF hat nun mal den Charakter einer großen Familie“, sagte er dem WDR. Die Gespräche mit der Konzernführung zur Zukunft des Standorts auf Schalke sollen im Februar weitergeführt werden. Zum aktuellen Stand müssten sich bis Ende 2024 aber rund 200 Mitarbeiter einen neuen Arbeitsplatz suchen.
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Das ZF-Werk in Gelsenkirchen ist nicht das einzige, das seit einiger Zeit wackelt. In Eitorf (Nordrhein-Westfalen) und Brandenburg an der Havel (Brandenburg) gibt es ebenfalls immer wieder Gerüchte um einen Stellenabbau oder sogar Werkschließungen. In Brandenburg produziert die ZF vorrangig Getriebe für Autobauer wie Porsche; ein Geschäftsfeld, dessen Zukunftsfähigkeit durch die fortschreitende Transformation zur E-Mobilität ungewiss ist. Zudem will die ZF Friedrichshafen offenbar in Saarbrücken im schlimmsten Fall tausende von Stellen abbauen. Die Solidarität beim großen Autozulieferer wird also auch anderswo benötigt.
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