VonJulian Baumannschließen
Deutschland ist durch hohe Steuern und Energiepreise für Unternehmen ein teures Pflaster. ZF-Vorstand Stephan von Schuckmann sorgt sich um die Zukunft der deutschen Standorte.
Friedrichshafen - Baden-Württemberg und die gesamte Bundesrepublik gelten als wichtiger Wirtschaftsstandort, doch die hohen Gewerbesteuern und die Energiekrise werden für die heimischen Unternehmen zunehmend zum Nachteil. Laut dem Beiratschef von Gerätehersteller Stihl ist Deutschland inzwischen sogar teurer als die Schweiz. Auch ZF-Vorstandsmitglied Stephan von Schuckmann, beim großen Autozulieferer für die elektrischen Antriebstechnologien verantwortlich, sieht einen deutlichen Nachteil für die deutschen Standorte des Stiftungskonzerns. Gerade erst hat die ZF verkündet, einen deutschen Standort Ende 2024 schließen zu müssen.
Die Transformation zur E-Mobilität ist für den zweitgrößten deutschen Autozulieferer eine große Herausforderung, die Auswirkungen auf Standorte und Arbeitsplätze hat. Für die meisten deutschen ZF-Standorte gibt es inzwischen zwar sogenannte Zielbilder, tausende Mitarbeiter am Hauptsitz in Friedrichshafen stehen aber weiterhin ohne Beschäftigungsgarantie da. Stephan von Schuckmann sieht die Gefahr auch vonseiten neuer Wettbewerber, wie denen aus China, die zunehmend in Europa Fuß fassen, erklärte er im Interview mit der WirtschaftsWoche. Dabei sieht er die deutschen Standorte im Nachteil.
Wettbewerb als Chance für die ZF Friedrichshafen, aber Herausforderung für deutsche Werke
Die Entwicklung, dass chinesische Autohersteller mehr nach Europa drängen, ist keine neue. Auf der IAA in München zeigte sich, wie weit Hersteller wie BYD, Nio und Co. den deutschen Traditionsunternehmen im Bereich der E-Mobilität und bei der Software voraus sind. Für die großen Autozulieferer wird der Wettbewerb immer umkämpfter. „Die chinesischen Hersteller, die gerade nach Europa und anderswo expandieren, ziehen natürlich auch chinesische Zulieferer mit sich“, erklärte ZF-Vorstandsmitglied von Schuckmann. „Man kann davon ausgehen, dass der uns aus China bekannte heutige Wettbewerb sich auch nach Europa ausbreiten wird.“
Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg




Stephan von Schuckmann verantwortet bei der ZF Friedrichshafen nicht nur den Zukunftsbereich der elektrischen Antriebstechnologien, sondern auch die Region Asien-Pazifik. Die Entwicklung in China müsse man sehr ernst nehmen, da neue Märkte für E-Autos schnell und dynamisch entstehen und jeder seinen Marktanteil abhaben wolle, mahnte er. Dieser steigende Wettbewerb sei grundsätzlich gut, da es den Konzern antreibe, besser zu werden. „Das sehe ich als Chance“, sagte von Schuckmann. „Als Herausforderung sehe ich die deutschen Standorte an sich.“
ZF-Vorstand befürchtet Nachteile für Standorte, wenn Deutschland nicht wettbewerbsfähig wird
Besagte Herausforderungen sieht der ZF-Manager eben in den hohen Steuern und Energiekosten im Land. „Gelingt es uns nicht, Deutschland wettbewerbsfähig aufzustellen, werden wir als Unternehmen mit vielen Standorten in Deutschland Nachteile haben“, machte Stephan von Schuckmann im Gespräch mit der WirtschaftsWoche deutlich. Bereits in der jüngeren Vergangenheit wurde der Stiftungskonzern vom Bodensee kritisiert, unter anderem von der IG Metall, weil wichtige Zukunftstechnologien im europäischen Ausland statt in Deutschland angesiedelt wurden. Vor allem Länder wie Bulgarien sind für Unternehmen aus Baden-Württemberg besonders lukrativ.
| Name | ZF Friedrichshafen AG |
|---|---|
| Gründungsjahr | 1915 |
| Hauptsitz | Friedrichshafen, Baden-Württemberg |
| Branche | Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme |
| Geschäftsbereiche | Automobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik |
| Mitarbeiterzahl | 164.869 (Stand: 2022) |
| Produktionsstandorte | 168 in 32 Staaten |
| Hauptentwicklungsstandorte | 19 in neun Ländern |
| Umsatz | 43,8 Milliarden Euro (2022) |
| Geschäftsführung | Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender) |
| Anteilseigner | 93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung |
Dass die deutschen Standorte der ZF Friedrichshafen aktuell bereits zu kämpfen haben, zeigen die Entwicklungen der vergangenen Wochen. Der Autozulieferer hatte zum einen angekündigt, im Südwesten tausende Stellen abbauen zu müssen und neben dem Werk in Gelsenkirchen steht ein weiterer deutscher Standort auf der Kippe. Komplett schwarz malen will ZF-Vorstand von Schuckmann aber nicht. „Deutschland hat sehr viele positive Aspekte“, erklärte er. „Wir können exzellente Autos bauen, haben die besten Experten und das technologische Know-how.“
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