VonJulian Baumannschließen
Die Schieflage der Autoindustrie hat bereits einige Zulieferer in die Knie gezwungen. Aus dem Ortenaukreis gibt es jetzt zumindest teilweise erfreuliche Nachrichten.
Stuttgart/Haslach - Allein im ersten Halbjahr 2023 haben über 900 Unternehmen aus Baden-Württemberg Insolvenz angemeldet. Gründe dafür sind zum einen die aktuelle Energiekrise, die mit hohen Kosten verbunden ist, zum anderen aber auch Spätfolgen aus der Corona-Pandemie. Autozulieferer Allgaier hatte Ende Juni Insolvenz angemeldet, laut einer jüngeren Mitteilung der Insolvenzverwalter ist das Traditionsunternehmen aus Baden-Württemberg aber inzwischen wieder auf einem guten Kurs. Ebenfalls erfreuliche Nachrichten gibt es vom Autozulieferer Ditter Plastic aus dem Schwarzwald, wenn auch nicht für die gesamte Belegschaft.
Ditter Plastic mit Stammsitz in Haslach im Kinzigtal hatte bereits im Januar Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt und gehofft, schnell einen Investor zu finden. Nachdem diesbezügliche Gespräche gescheitert waren, ordnete das Amtsgericht Offenburg am 18. Juli das Regelinsolvenzverfahren an und der bisherige Sachverwalter, Rechtsanwalt Martin Mucha von der Stuttgarter Kanzlei Grub Brugger, wurde zum Insolvenzverwalter ernannt. Nachdem es zwischenzeitlich düster ausgesehen hatte, verkündete das Unternehmen nun, einen Investor gefunden zu haben.
Autozulieferer aus Baden-Württemberg: Investoreneinstieg rettet über 200 Arbeitsplätze
Das Veredlungsunternehmen AluConcept mit Sitz in Dinslaken (Nordrhein-Westfalen) hat den insolventen Autozulieferer aus Baden-Württemberg zum Montag (16. Oktober) übernommen, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Durch den Einstieg des Unternehmens als Investor, das ebenfalls als Zulieferer namhafter Autohersteller tätig ist, konnten mehr als 200 Arbeitsplätze an den Standorten Haslach und Hausach (beide Ortenaukreis) gerettet werden. Im Umkehrschluss bedeutet das allerdings auch, dass von den insgesamt 380 Mitarbeitern von Ditter Plastic in der Region bis zu 180 ihren Hut nehmen müssen.
| Name | DITTER PLASTIC GmbH + Co KG (seit Oktober 2023 AC-DITTER) |
|---|---|
| Gründung | 1947 in Zell am Harmersbach, Baden-Württemberg |
| Hauptsitz | Haslach, Baden-Württemberg |
| Standorte | Haslach, Hausach |
| Eigentümer | AluConcept AG (seit dem 16. Oktober 2023) |
| Branche | Automobilzulieferer |
| Produkte | mechanische Kunststoffteile |
| Mitarbeiter | 380 (Stand: Oktober 2023) |
Angesichts dessen, dass das im Jahr 1947 in Zell am Harmersbach gegründete Unternehmen vor dem Einstieg des Investors vor dem endgültigen Aus stand, ist die Nachricht, dass zumindest ein Großteil der Belegschaft ihren Arbeitsplatz behalten kann, dennoch positiv. „Der Zeitdruck war sehr groß, da wir bereits mit der Ausproduktion begonnen haben“, erklärt Insolvenzverwalter Martin Mucha. „Mehr als 200 Arbeitsplätze bleiben jetzt erfreulicherweise erhalten. Um die Mitarbeiter, die wir abbauen müssen, kümmern wir uns in einer Transfergesellschaft. Ihnen danke ich ganz besonders für ihren Einsatz.“
Ditter Plastic: Autozulieferer aus dem Kinzigtal soll Kundenstamm erweitern
Für die Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze durch die Übernahme wegfallen, werde eine Transfergesellschaft gegründet, die für sechs Monate eine Weiterbeschäftigung sowie eine Weiterqualifizierung gewährleiste und sie so auf einen neuen Arbeitsplatz vorbereite, heißt es in der Mitteilung. Ditter Plastic selbst, das seit der Übernahme als AC-DITTER fungiert, soll durch den Investor zudem seinen Kundenstamm erweitern und auch Kunden aus Bereichen außerhalb der Autoindustrie akquirieren, so Insolvenzverwalter Mucha. AluConcept ist als Spezialist für galavanische Oberflächenveredlung für mehrere Branchen tätig.
Dass das Unternehmen aus Dinslaken an den Standorten von Ditter Plastic im Kinzigtal festhält und dort sogar noch investieren will, ist ein Glücksgriff für den angeschlagenen Autozulieferer. Bereits im Jahr 2019 hatte die Firma aufgrund sich ändernder Bedingungen im Marktumfeld den Betrieb seiner Tochtergesellschaft in Meißen (Sachsen) einstellen müssen. Für andere Unternehmen aus Baden-Württemberg verlief die Insolvenz dagegen weniger erfreulich. Das Versandhaus Klingel aus Pforzheim musste nach erfolgloser Investorensuche den Geschäftsbetrieb vollständig einstellen.
Rubriklistenbild: © Jan Woitas/dpa

