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Eingebettet in ein Programm aus Musik, Tanz und Gesang kritisiert Oberbürgermeister Richard Arnold deutlich Aalens Verhalten in der Klinikdebatte.
Schwäbisch Gmünd. Das erste „Rendezvous“ des Jahres 2024 in Gmünd war ein Rendezvous mit Breitseite: Oberbürgermeister Richard Arnold kritisierte seinen Aalener Kollegen Frederick Brütting und dessen Verhalten in der Klinikdebatte deutlich. Dass in Aalen neben dem Standort Ostalbklinikum nun noch ein zweiter "kaum tauglicher Standort aus dem Hut gezaubert" werde, zeige die "wahren Beweggründe der Aalener Bemühungen", sagte Arnold. Hier solle "auf Biegen und Brechen eine vermeintliche Zentralität ausschließlich wegen Strategie-Spielchen kommunalpolitischer Eitelkeiten durchgeboxt" werden, sagte Arnold vor gut 1000 Zuhörern im Stadtgarten. Durchgeboxt "auf dem Rücken der Kranken", "auf dem Rücken von Kindern", wie jetzt auch Kinderärzte kritisierten, "auf dem Rücken von seelisch belasteten Angehörigen". Arnold forderte die Aalener Kommunalpolitiker und Kreistagskollegen auf, sich "nicht vor diesen Karren spannen zu lassen". Mit der Gesundheit spiele man "keine kommunalpolitischen Strategie-Spielchen.
Der Neujahrsempfang in Schwäbisch Gmünd 2024




Überbordende Bürokratie abbauen und wieder auf Leistung setzen
Gmünds Oberbürgermeister ging zudem auf die politische Lage in der Welt und das soziale Miteinander in Deutschland ein, um dann festzustellen: "Wir Politiker müssen mehr auf die Ängste und Probleme unserer Bürgerinnen und Bürger hören." Die Sorgen und Nöte der hier lebenden Menschen müssten an erster Stelle stehen, "bevor wir uns in vielerlei Projekten in der Welt verzetteln". Arnold forderte den Abbau einer "überbordenden Bürokratie", "mehr Mut, mit gesundem Menschenverstand zu entscheiden" und eine Rückbesinnung auf "Fleiß und Ideenreichtum". Und "wir müssen wieder stärker auf Leistung setzen", sagte der OB. Auch um dies zu befördern, plant die Stadt eine eigene Offensive "Deutsch lernen und Deutsch sprechen". Denn die Deutschkenntnisse, zitierte der OB die jüngste Pisa-Studie, von rund 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler seien ungenügend. Ganztagsbetreuung, die ab 2026 Pflicht ist, will Gmünd "nicht verwalten", sondern durch ein sinnvolles, kreatives, musisches und kulturelles Angebot für Kinder und Jugendliche stärken. Dazu zählt der OB auch die Theaterschule, die Musikschule und Jugendkunstschule ergänzen soll und 2024 an den Start gehen werde.
Dies dürfte Christian Wolf gefallen haben. Er leitet seit Anfang 2022 die Stadtkapelle. "Der Spaß an der Musik kommt erst dann, wenn man's kann", brach er im Gespräch mit Ramona Kunz-Glass, die charmant und souverän durch den Abend führte, eine Lanze für die Musikschule. Diesen Wünschen entsprechend, fließen die Spenden, die die Besucher am Ende des Abends in die Zylinder am Ausgang warfen, in das Musikschulförderprogramm.
Ramona Kunz-Glass, Vorsitzende des Stadtverbandes Musik und Gesang und damit Mitgastgeberin neben der Stadt, verwies auf etwa 200 Musiker und Sänger, die, aus gut 3500 Mitgliedern des Stadtverbandes ausgewählt, den Abend gestalteten. „Das Ehrenamt und unsere Vereine sind ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft und fördern den Zusammenhalt zwischen den Menschen“, sagte Kunz-Glass. Sie nahm damit Bezug auf „bewegte Zeiten“, in denen es Mut und Zuversicht „zum Positiven“ brauche. Sie blickte zurück auf das Jahr 2023, das sie mit Oberbürgermeister Richard Arnold zum „Jahr der Chöre“ ausgerufen hatte. Zwei neue Chöre seien dazugekommen. Weshalb der Weg für Kunz-Glass der richtige war – und ist.
Eine Rose, Blumen und ein kleiner, grüner Kaktus
Die Straßdorfer „Stimmbänd“ bot, erstmals in blauen statt grünen Westen, unter Leitung von Harald Elser Amanda McBrooms "The Rose", um dann pfiffig zu fragen, "wo die Blumen sind". Mit dem "kleinen, grünen Kaktus" demonstrierten die Sänger der Stimmbänd die Breite ihres sängerischen Könnens.
Etwa 50 Ballettkinder des "Elena's Dance Studio", hervorgegangen aus der Karren Foster Academy, präsentierten unter Leitung von Elena Pavlova den Blumenwalzer aus Peter Tschaikowskys Ballett „Der Nussknacker“.
Vom "Greatest Showman" zum Gmünder Showman
Ein weiterer Höhepunkt: Die Sängerinnen und Sänger des Liederkranzes Weiler und des Ensembles "Stimmkultur" präsentierten unter Leitung von Kathrin Bechstein mit den Tänzerinnen der Sabine Widmann Studios unter Leitung von LizDuddy die Titel „A Million Dreams“ aus dem Musical "The Greatest Showman". Dieser Titel war geradezu ein Stichwort für Ramona Kunz-Glass, als sie Oberbürgermeister Richard Arnold auf die Bühne bat. Arnold setzte - neben den kommunal- und weltpolitischen Themen - mit Kunz-Glass einen weiteren, einen gemeinsamen Akzent. Die Rendezvous 2024, die Begegnungen. Arnold zählte eine Fülle von Veranstaltungen auf, bei denen die Gmünder und ihre Gäste sich begegnen können. Eine Tulpentaufe im April, bei der eine Tulpe nach Gmünd benannt wird. Ein Skulpturenpfad mit Werken von Eckhard Dietz. Der Pferdetag im April. Das Muttertagskonzert. Das Stadtfest und die Altersgenossenzüge. Und das Festival Europäische Kirchenmusik. Um nur einige zu nennen. Zwei besondere aber hob der OB hervor: 400 Jahre Ölberg am Salvator im Oktober und 600 Jahre Wallfahrtsort Hohenrechberg. Mit dabei sein werden im Sommer 2024 auch die Chöre und Kapellen der Stadtverbands. Vielleicht mit weniger Promenadenkonzerten im Stadtgarten, dafür mit üppigerem Programm. Und mit einem weiteren Galaabend der Chöre. Damit wollen die Stadt und der Stadtverband Musik und Gesang aufleben lassen, was die Jahre 2014 und 2019 auszeichnete: "Gemeinschaft, Miteinander und Zusammenhalt in der Stadt".
