VonJulian Baumannschließen
Hochmoorgebiete sind weltweit stark gefährdet. Eines der letzten intakten Europas liegt in Baden-Württemberg.
Kaltenbronn - Moorgebiete wurden jahrhundertelang gefürchtet und gemieden, da dort angeblich Geister und Irrlichter unvorsichtige Wanderer in ihr Verderben lockten. Tatsächlich bieten Hochmoore, auch Regenmoore genannt, mit ihrem niedrigen pH-Wert und der permanenten Wassersättigung eine hoch spezialisierte Flora und Fauna mit einer Vielzahl an gefährdeten Arten. Durch den Torfabbau und die Mineralsalzeinträge aus der Umgebung sind die Lebensräume aber weltweit stark gefährdet.
Die letzten großen Regenmoorgebiete befinden sich in Westsibirien und Kanada, eines der letzten intakten Hochmoorgebiete Europas befindet sich dagegen im Natur- und Waldschutzgebiet Kaltenbronn in Baden-Württemberg. Im Schwarzwald finden sich so einige Superlative, wie der höchste Baum Deutschlands oder die weltgrößte Kuckucksuhr. Auch das Wildseemoor Kaltenbronn kann mit Superlativen aufwarten, da es bereits vor rund 10.000 Jahren entstanden sein soll.
Wildseemoor Kaltenbronn war das erste Naturschutzgebiet in Baden-Württemberg
Das Wildseemoor Kaltenbronn ist das größte Hochmoorgebiet im Schwarzwald und steht seit mehr als 60 Jahren unter Naturschutz. Damit war das Biotop zwischen Bad Wildbad, Gernsbach und Forbach das erste Naturschutzgebiet in Baden-Württemberg. Mit seinen Sträuchern und Moosen ist das Wildseemoor vergleichsweise karg, aber besonders, da es als eines der wenigen Biotope noch immer intakt ist. Als intakte Moore werden diejenigen bezeichnet, die nicht künstlich trockengelegt wurden, sondern noch zu 95 Prozent aus Wasser bestehen. Dadurch sind die Gebiete wichtige Kohlenstoffspeicher und tragen zum Umweltschutz bei.
Wie die Gemeinde Gernsbach auf ihrer Website schreibt, ist der Wildsee im Zentrum des Hochmoors mit einer Seefläche von 1,4 Hektar zudem das größte Hochmoorkolk Deutschlands. Das Hochmoor Kaltenbronn ist im Rahmen von Wanderungen durch den Nationalpark Schwarzwald besuchbar, da das Hochmoorgebiet von Bohlenwegen durchzogen ist, die ein Schwarzwaldverein angelegt hat. Alternativ führt der Wanderweg Pforzheim–Waldshut um das gesamte Naturschutzgebiet herum. Durch den Klimawandel mit immer höheren Temperaturen, andauernden Trockenperioden und einem Mangel an Niederschlägen ist aber auch eines der letzten intakten Hochmoore in Deutschland gefährdet.
Hochseemoor im Schwarzwald könnte sich durch den vielen Regen wieder etwas erholt haben
Wie das SWR berichtete, hatten die Hitzerekorde und Dürren dem Hochmoor Kaltenbronn sehr zugesetzt, da Moore normalerweise viel Flüssigkeit und niedrigere Temperaturen bevorzugen. Im Sommer 2023 schwitzte Baden-Württemberg erneut bei Temperaturen bis zu 40 Grad; dafür meldeten Wetterdienste aber, dass es in Deutschland in diesem Jahr so viel Regen gegeben habe, wie seit 16 Jahren nicht mehr. Demnach könnte sich das Wildseemoor im Schwarzwald wieder etwas erholt haben.
Zu wünschen wäre es, da das Hochmoor Kaltenbronn zwischen den Schwarzwald-Gemeinden Bad Wildbad, Gernsbach und Forbach eines der letzten intakten Hochmoorgebiete auf dem europäischen Kontinent ist und damit massiv zur Artenvielfalt im Schwarzwald beiträgt. Einige Kilometer vom Hochmoor Kaltenbronn entfernt, auf der Gemarkung der Gemeinde Baiersbronn, liegt noch ein Gewässer mit dem Namen Wildsee. Baiersbronn ist bundesweit aber eher für etwas anderes bekannt: Der Ort in Baden-Württemberg hat nämlich die höchste Sternerestaurant-Dichte in ganz Deutschland.
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