Im Paulaner-Wirtshaus am Marktplatz in Schwäbisch Gmünd ist nächste Woche Schluss

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Arijan Ljajka und sein Team zapfen am Dienstag, 27. Februar, das letzte Mal Bier im Paulaner-Wirtshaus am Marktplatz in Schwäbisch Gmünd.
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Am Gmünder Marktplatz 11 wird am Dienstag, 27. Februar, das letzte Mal Bier gezapft. Warum Wirt Arijan Ljajka aufgibt und wie es dort weitergeht.

Schwäbisch Gmünd. Nächste Woche ist für Arijan Ljajka endgültig Schluss im Wirtshaus Paulaner am Gmünder Marktplatz. Er und sein Team werden dort am Dienstag, 27. Februar, das letzte Mal Bier zapfen und ihren Gästen Schweinshaxe und Weißwürste servieren. Am Mittwoch und Donnerstag werde er noch alles aufräumen, sagt Arijan Ljajka. Am 1. März eröffnet dann das Insolvenzverfahren, das aktuell noch vorläufig ist.

Weil er zahlungsunfähig war, hatte der 28-jährige Gastronom im Januar die Insolvenz beantragt. Ob es im Paulaner-Wirtshaus mit ihm als Betreiber oder einem neuen Pächter weitergehen kann, war zunächst offen. Doch für den vorläufigen Insolvenzverwalter Sebastian Krapohl von der Stuttgarter Kanzlei GÖRG stand fest: Es braucht ein neues Konzept, damit die Einnahmen die Ausgaben unterm Strich wieder decken können.

Die Gründe für das Aus des Paulaner-Wirtshauses am Marktplatz in Schwäbisch Gmünd

Das war nicht mehr der Fall, weil Arijan Ljajka noch immer mit den Folgen der Corona-Pandemie, mit gestiegenen Energie- und Lebensmittelkosten und fehlenden Umsätzen im Winter zu kämpfen hatte, wie der Gastronom selbst erzählt. Denn das Lokal habe im ersten Stock nicht die beste Lage. Auch die Küche ist im ersten Stock, daher brauche es sehr viel Personal, um im Sommer die Gäste in der Außengastronomie auf dem Marktplatz zu bewirten. Dass der Staat nun wieder 19 Prozent auf Speisen in Lokalen verlangt statt zuvor sieben, aber auch die zusätzliche Konkurrenz auf dem Marktplatz machten die Zukunftsaussichten nicht besser, sagt Arijan Ljajka. Er meint damit, dass Dinkelacker im früheren Kaufhaus Woha am Marktplatz 6 im Sommer 2025 ein Wirtshaus eröffnen will.

Suche nach einem Wirt für das Paulaner-Wirtshaus am Marktplatz in Schwäbisch Gmünd erfolglos

Diese Konkurrenz erschwere auch die Suche nach einem neuen Betreiber für das Paulaner-Wirtshaus, sagt Sebastian Krapohl. Er hat diese mittlerweile aufgegeben. Er werde nun die Insolvenz abwickeln und das Pachtverhältnis mit dem Hauseigentümer auflösen, sagt die zuständige Mitarbeiterin Karolina Pomernacka von der Kanzlei GÖRG. Innerhalb des Insolvenzverfahrens gelte eine Kündigungsfrist von maximal drei Monaten. Ziel sei allerdings ein Aufhebungsvertrag.

Alle Reservierungen fürs Paulaner-Wirtshaus am Marktplatz in Schwäbisch Gmünd absagen

Und wie geht es für Arijan Ljajka und sein Team weiter? Einige der insgesamt 25 Mitarbeiter, von denen acht Festangestellte sind, hätten bereits neue Jobs gefunden, erzählt der 28-Jährige. Ihnen neue Arbeitsstätten zu vermitteln und den Betrieb gut abzuschließen, habe für ihn derzeit Priorität. Dazu zähle auch, alle persönlich anzurufen, die für die kommenden Monate Reservierungen im Paulaner haben.

Erst wenn er diesen "ganzen Trubel" hinter sich habe, werde er sich überlegen, wo er seine Zukunft sieht, sagt Arijan Ljajka. Er hat Industriemechaniker gelernt und als solcher bei Bosch AS gearbeitet, bevor er bei seinem Vater Safet Ljajka mit in die Gmünder Stadtgarten-Gastronomie eingestiegen ist. Es sei schon möglich, dass er wieder in seinen alten Beruf zurückkehre. Er wolle aber auch eine Zukunft in der Gastronomie nicht ausschließen: „Wir werden sehen ...“.

 Café am Markt, Extrablatt und Paulaner

Das Haus am Marktplatz 11 in Schwäbisch Gmünd hat eine lange Geschichte und Gastro-Tradition:

1758 lässt Handelsmann Franz Achilles Stahl das Haus bauen. Kaufmann Ignaz Mohr erwirbt das Gebäude 1814, das daher fortan den Spitznamen „Mohren Naze“ trägt. 1878 geht es in den Besitz von Familie Feuerle über.

1952 zieht mit dem Café am Markt erstmals Gastronomie im ersten Stock am Marktplatz 11 ein. Danach wird das Lokal zum Café Holle und in den 1970er-Jahren zum Insider-Kultur-Café.

1992 eröffnet das Café Extrablatt, das über viele Jahre ein Anziehungspunkt für junge Leute in der Innenstadt wird.

2007 kauft Helmut Maile das Gebäude, um es zu sanieren.

2009 eröffnet Oliver Eger das Paulaner Wirtshaus am Marktplatz 11, der heute das Alpen Wirtshaus nebenan betreibt.

Anfang 2020 wird Safet Ljajka Pächter des Lokals, der zu diesem Zeitpunkt auch die Stadtgarten-Gastronomie und das Gmünder Freibad-Bistro führt. Ende 2020 meldet der Gastronom für alle drei Betriebe Insolvenz an.

2021 übernimmt sein Sohn Arijan Ljajka das Paulaner-Wirtshaus. Safet Ljajka arbeitet daraufhin bei ihm in der Küche.

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