VonJulian Baumannschließen
Der Modehändler Peter Hahn hat nach Insolvenz und Stellenabbau einen Investor gefunden. Doch was bedeutet das konkret für Unternehmen und Mitarbeiter?
Winterbach - Im Oktober 2023 hatte der Modehändler Peter Hahn mit Hauptsitz in Winterbach (Rems-Murr-Kreis) und mehreren Filialen in Deutschland und der Schweiz einen Antrag auf ein Schutzschirm-Insolvenzverfahren gestellt. Anfang Juni hieß es dann, dass die insolvente Modekette aus Baden-Württemberg gerettet wurde, von den insgesamt rund 1.000 Mitarbeitern mussten aber 400 gehen. Rettung bedeutete in diesem Kontext allerdings, dass Peter Hahn den Betrieb weiterführen und eine langfristige Sanierung starten konnte. Nun erklärt das Unternehmen in einer Mitteilung, einen Investor gefunden zu haben.
Das im Juni beschlossene Sanierungskonzept für Peter Hahn sah vor, dass das Unternehmen mit den verbleibenden rund 600 Mitarbeitern am Standort Winterbach bleibt, jedoch aus der bisherigen Gruppenstruktur herausgelöst und ein eigenständiges Unternehmen wird. Der Mitteilung zufolge wird durch den Investoreneinstieg der britischen Wourth Group ein weiterer Schritt für eine langfristige Sanierung und einer Beendigung des Insolvenzverfahrens gemacht. Die Frage ist allerdings, was der Einstieg konkret für das Unternehmen und die Mitarbeiter bedeutet.
Peter Hahn findet Investor für Sanierungsplan – was bedeutet das für die Mitarbeiter?
Obwohl der baden-württembergische Modehändler und der britische Investor ein gemeinsames „Distanzhandels-Unternehmen“ bilden sollen, bleibt Peter Hahn der Mitteilung zufolge mit seinen nunmehr nur noch rund 500 Mitarbeitern am Standort Winterbach eigenständig. „Mit der Wourth Group konnte für Peter Hahn der ideale Investor gefunden werden, der bereit ist, in signifikantem Umfang in das Geschäft von Peter Hahn zu investieren“, erklärt Geschäftsführerin Daniela Angerer. Die unterzeichnete Investorenvereinbarung und eine gewährte Zwischenfinanzierung stellen die Grundlage für den Investoreneinstieg dar, der offenbar erst noch finalisiert werden muss.
| Name | Peter Hahn GmbH |
|---|---|
| Gründung | 1964 |
| Sitz | Winterbach, Baden-Württemberg |
| Geschäftsführung | Daniela Angerer, Alexandra Kohnke, Jörg Marx |
| Branche | Modehandel/Modeversand |
| Produkte | Mode- und Lifestyle-Marken für Frauen ab 45 |
| Mitarbeiter | rund 500 |
Nachdem die Belegschaft von Peter Hahn durch das Schutzschirmverfahren bereits um die Hälfte reduziert werden musste, gibt es für die verbleibenden Mitarbeiter nun gute Nachrichten. „Es freut uns außerordentlich, dass es Peter Hahn trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds im Fashion-Bereich gelungen ist, eine langfristige Fortführungslösung zu finden und sämtliche Arbeitsplätze erhalten zu können“, führt Geschäftsführer Jörg Marx aus. Und auch für die vielen Lieferanten sei der Einstieg eine gute Lösung, da sie langfristig Sicherheit verschaffe, so Geschäftsführerin Alexandra Kohnke.
Peter Hahn konzentriert sich auf Stammsitz und Outlet – alle anderen Filialen sind geschlossen
Im Rahmen des bisherigen Sanierungsverfahrens hatte Peter Hahn alle Filialen bis auf den Hauptsitz in Winterbach geschlossen, darunter auch das Modehaus in Stuttgart. „Liebe Kundinnen und liebe Kunden, wir verabschieden uns und sagen Danke für viele gemeinsame Jahre in Stuttgart“, heißt es noch immer auf Google. Fortan wird sich das Unternehmen demnach auf seine Stammfiliale und das Outlet konzentrieren, das sich ebenfalls in der Gemeinde Winterbach im Rems-Murr-Kreis befindet. Zudem setzt Peter Hahn bereits seit langem auf den Online-Handel in der DACH-Region sowie in den Niederlanden.
Mit dem Investoreneinstieg hat Peter Hahn eine Grundlage für eine erfolgreiche Sanierung des Betriebs gefunden und hofft nach eigenen Angaben, das Insolvenzverfahren am Amtsgericht Stuttgart Ende September beenden zu können. Im April hatte ein Investor auch einen insolventen Autozulieferer aus Baden-Württemberg übernommen, wodurch rund 220 Mitarbeiter aufatmen konnten.
Rubriklistenbild: © Bernd Weißbrod/dpa

