Kurz vor Weihnachten

„Rettung in letzter Minute“: Investor übernimmt Allgaier-Sparte - Mitarbeiter-Zukunft klar

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Die Allgaier-Gruppe befindet sich seit Juni im Insolvenzverfahren. Kurz vor Weihnachten kauft ein Investor ein Unternehmen der Gruppe.

Uhingen - In der Autozuliefererbranche gab es in den vergangenen Tagen nicht gerade viele positive Nachrichten. Der weltgrößte Autozulieferer Bosch hat angekündigt, in Baden-Württemberg rund 1.500 Stellen abbauen zu müssen und auch bei der ZF Friedrichshafen brodelt es an mehreren Standorten. Gute Nachrichten gibt es kurz vor Weihnachten aber für den Autozulieferer Allgaier mit Sitz in Uhingen (Kreis Göppingen). Wie Insolvenzverwalter Michael Wahl von der PLUTA Rechtsanwalts GmbH in Ulm in einer Mitteilung erklärt, konnte ein Investor für die Allgaier Process Technologie GmbH gefunden werden.

Der Autozulieferer Allgaier befindet sich seit Juni 2023 im Insolvenzverfahren. Neben der Konzern-Holding wurden auch für die deutschen Tochtergesellschaften Insolvenzverfahren angemeldet, was unter anderem die Allgaier Automotive GmbH und eben die Allgaier Process Technology GmbH umfasst. Laut der Mitteilung wird letztere durch die STAFAG International GmbH mit Sitz in Mülheim an der Ruhr (Nordrhein-Westfalen) übernommen, womit auch die Zukunft der rund 160 Mitarbeiter geklärt ist.

Kurz vor Weihnachten konnte die Prozesssparte der insolventen Allgaier-Gruppe durch einen Investor gerettet werden.

Insolvenzverwaltern gelingt Rettung von Allgaier-Prozesssparte „in letzter Minute“

Dass die Insolvenzverwalter einen Investor für die Prozesssparte von Allgaier gefunden haben, ist angesichts der Nachrichten der vergangenen Wochen ein Grund zum Aufatmen. Da die Finanzierung ohne einen Investor allmählich vor dem Auslaufen stand, wurde vorsorglich bereits mit einer Schließung der Sparte geliebäugelt. Mit dem Abschluss des Kaufvertrags sei „dem PLUTA-Team die Rettung des Betriebs in letzter Minute gelungen, da die Transaktion aus finanziellen Gründen noch vor Weihnachten abgeschlossen werden musste“, heißt es von den Insolvenzverwaltern.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Somit bleibt die Prozesssparte des insolventen schwäbischen Traditionsunternehmens erhalten und auch die 160 Arbeitsplätze sind gesichert. „Buchstäblich in letzter Minute haben wir eine Lösung für die Allgaier Process Technology erzielt“, sagt Michael Wahl. „Die Mitarbeiter haben die Fortführung von Beginn an unterstützt und ich freue mich, dass wir alle Arbeitsplätze erhalten können.“ Erst vor wenigen Tagen konnte durch einen Investor auch ein anderes insolventes Unternehmen aus Baden-Württemberg gerettet werden – inklusive der Mitarbeiter.

Auch für weitere Unternehmen der Allgaier-Gruppe laufen Gespräche mit Interessenten

Der neue Investor wird die Allgaier Process Technology GmbH laut der Mitteilung unter dem bisherigen Namen weiterführen. „Wir freuen uns, die Allgaier Process Technology GmbH in unsere Firmengruppe als neues Mitglied willkommen zu heißen“, sagt Reinhard Scholz, Geschäftsführer des zu STAFAG gehörenden Mittelständlers SIEBTECHNIK. „Wir können damit unser gemeinsames Portfolio erweitern und unseren Expansionskurs fortführen.“ Die Übernahme der Prozess-Sparte ist bereits der zweite Verkauf eines Unternehmens der Allgaier-Gruppe, da Mogensen in Wedel (Schleswig-Holstein) bereits im November von der Joest-Gruppe übernommen wurde.

Name Allgaier Werke
Gründung 1906
Hauptsitz Uhingen, Baden-Württemberg
Branche Maschinenbau, Automobilindustrie
Produkte Landmaschinen, Traktoren, Automobilteile, Maschinen und Anlagen für die Industrie
Leitung Achim Agostini, Vorsitzender der Geschäftsführung
Mitarbeiter 1.600 (Deutschland), 2.000 (weltweit)

Laut der Mitteilung laufen für die Allgaier Automotive GmbH, der größten Gesellschaft der Allgaier-Gruppe, ebenfalls bereits Gespräche mit mehreren Interessenten und auch für die Allgaier Sachsen GmbH laufen Verhandlungen. Bereits im September hatten die Ulmer Insolvenzverwalter erklärt, an einer Planung für 2024 zu arbeiten und für Allgaier bis Anfang des kommenden Jahres einen finanzstarken Investor finden zu wollen. Auch Autozulieferer Ditter Plastic aus dem Schwarzwald konnte aus der Insolvenz gerettet werden, die Hälfte der Belegschaft musste dennoch gehen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Arnulf Hettrich

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