Kita-Plätze müssen her - und das schnell

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Der Sitzungssaal im Tannhausener Rathaus platzte am Montagabend aus allen Nähten. Zahlreiche junge Eltern waren gekommen, um der Kindergartendebatte beizuwohnen.
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Im Tannhausener Kindergarten fehlen Betreuungsplätze - und das nicht zu knapp. Jetzt wurde im Gemeinderat  um Lösungen gerungen.  

Tannhausen. Das Thema brennt den Menschen in Tannhausen schon lange auf den Nägeln. Dem örtlichen Kindergarten gehen bei stetig wachsender Nachfrage die Betreuungsplätze aus. Zwischenzeitlich brennt der Baum lichterloh. Für zehn Kinder über drei Jahren gibt es für das Kindergartenjahr 2023/24 aktuell keinen Platz mehr. Jetzt sollen Lösungen her. Wie die aussehen können, wurde am Montagabend im Gemeinderat angeregt diskutiert.

Zahlreiche Eltern waren gekommen, um der öffentlichen Debatte im Rathaus beizuwohnen. Der Sitzungssaal platzte am Montagabend sprichwörtlich aus allen Nähten, nicht jeder ergatterte einen Sitzplatz.

Wie Bürgermeister Siegfried Czerwinski eingangs der Beratung erklärte, seien die Ursachen für die aktuelle Misere am örtlichen Kindergarten vielfältig. So fehle es - wie in vielen Branchen - an qualifiziertem Personal, gleichzeitig habe die Politik einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz auch für Kinder unter drei Jahren gesetzlich verankert und die Standards für die Betreuung weiter nach oben geschraubt.

Neue Elterninitiative

Die geplante umfangreiche Sanierung und der Umbau des Tannhausener Kindergartens, mit seinen aktuell 69 Plätzen, könne das Problem deshalb auch nur lindern, aber nicht abschließend lösen. Gleichwohl müssten jetzt Lösungen her. Und das schon kurzfristig. Das fordere - zurecht - die Elterninitiative ein, die sich jetzt in Tannhausen gegründet hat.

Wie diese Lösungen aussehen könnten, erläuterte im Nachgang die Erzieherin Sarah Walter von der Reha Südwest. Sie ging eingangs auf die hohen Anmeldezahlen beim Kindergarten Tannhausen ein; mit einer Entspannung sei auch in den kommenden Jahren nicht zu rechnen, machte sie klar. Im Gegenteil.  Für das Kindergartenjahr 2024/25 sei mit wenigstens 55 Anmeldungen von Kinder über und unter drei Jahren zu rechnen. Dann würden voraussichtlich sogar 18 Kinder über drei Jahren unversorgt bleiben müssen - was die betroffenen Eltern im Ort empöre.

Geänderte Betriebsform als kurzfristige Lösung

Es gebe aber einen Ausweg, erklärte Walter. Da die Kirche, als Träger der Einrichtung, zum nächsten Jahr eine vierte (Krippen-)Gruppe genehmigt hat, bestünde die Chance, diese Gruppe vorzeitig mit einer geänderten Betriebsform starten zu lassen. Wenn man sich für eine altersgemischte Gruppe entscheide, in der Kinder im Alter von null bis sechs Jahren betreut werden dürfen, könnten schnell 15 zusätzliche Plätze für das anstehende Kindergartenjahr gewonnen werden, zeigte die Kita-Expertin auf.

Walter wie Czerwinski machten aber auch unmissverständlich klar, dass diese Interimslösung nur kurzfristig helfen wird. Tannhausen brauche aber auch ein tragfähiges Betreuungskonzept für die Zukunft. Das Dorf wachse, man weise neue Bauplätze und neue Gewerbeflächen aus. Dementsprechend müsse sich auch beim Kindergarten etwas tun. Zusätzliche Betreuungsplätze müssen geschaffen werden - notfalls auch ohne Unterstützung des kirchlichen Trägers, erklärte der Bürgermeister. "Im Zweifel müssen wir es erst einmal selbst machen." Das sei zwar nur "die zweitbeste Lösung", aber die wäre immer noch besser als gar keine Lösung, konstatierte der Verwaltungschef.

Dieser Vorstoß des Bürgermeisters behagte nicht allen Räten. Gerhard Körner und Bettina Kohnle sprachen sich unisono gegen die Schaffung von einer doppelten Betreuungsstruktur im Ort aus. Das sei ineffizient und funktioniere in den seltensten Fällen, mahnte Körner.

Waldkindergarten als Option

Munter diskutiert wurde auch darüber, an welchem Standort überhaupt zusätzliche Kindergartenplätze geschaffen werden könnten. Sarah Walter schlug - als eine mögliche Option - das alte Schwesternhaus vor, das sich in unmittelbarer Nachbarschaft des katholischen Kindergartens befindet. Aus den Reihen des Gemeinderats kamen weitere Anregungen. So plädierte Oliver Süssmann zum Beispiel für die Einrichtung eines Waldkindergartens, den man ohne großen baulichen Aufwand schnell in Betrieb nehmen könnte.  

 Am Ende einer ausgedehnten Debatte fasste das Gremium zwei  Beschlüsse: Man will kurzfristig Kapazitäten schaffen, indem die neue vierte Gruppe vorzeitig und mit einer vorläufig geänderten Betriebsform starten wird - ein entsprechender Antrag soll jetzt beim kirchlichen Träger gestellt werden.  Außerdem kam man überein, dass man in Tannhausen weitere Kindergartenplätze schaffen möchte. Dazu sollen jetzt "ergebnisoffene Lösungsvorschläge" erarbeitet werden.  

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