Tannhausen tritt Klinik-Bündnis bei

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Der Gemeinderat Tannhausen hat sich am späten Montagabend für einen Beitritt zum Ellwanger Klinikbündnis ausgesprochen.
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Tannhausens Gemeinderäte haben am späten Montagabend geschlossen für einen Beitritt zum Ellwanger Klinikbündnis votiert -  die einzige Gegenstimme kam von Bürgermeister Czerwinski.

Tannhausen. Es ist wieder eine echte Marathonsitzung gewesen, die der Tannhausener Gemeinderat am Montag absolviert hat. 13 Tagesordnungspunkte galt es abzuarbeiten. Und so mahnte Bürgermeister Siegfried Czerwinski schon gleich zum Auftakt, dass er spätestens um 24 Uhr die Sitzungsreißleine ziehen wird, sollte man zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit den Beratungen durch sein. "Wir sind hier ja schließlich nicht im Bundeskanzleramt." Am Ende war das Gremium schnell genug; um 23.15 Uhr fiel die letzte Entscheidung - es war eine mit Signalwirkung. Die Gemeinde Tannhausen wird dem "Bündnis für eine starke Ellwanger Klinik" beitreten. Alle Gemeinderäte votierten geschlossen dafür, nur einer war bei der Abstimmung dagegen: Bürgermeister Siegfried Czerwinski.

Das Thema hatte es auf die ausdrückliche Bitte des Gemeinderats und ersten stellvertretenden Bürgermeisters, Gerhard Körner, am Montag noch auf die Tagesordnung geschafft - als allerletzter Punkt.

Körner begründete in der Sitzung, warum er einen Beitritt der Gemeinde Tannhausen zum Ellwanger Klinikbündnis für geboten hält. Aus vielen Gesprächen mit Bürgern wisse er, dass die Menschen in Tannhausen die Zukunft der Virngrundklinik derzeit sehr bewegt, machte Körner klar. Selbst wenn die Weichen für eine neue Klinikstruktur im Kreistag gestellt werden, stünden die Tannhausener Räte in der Pflicht, die Belange ihrer Bürger zu vertreten. Und sei es auch nur durch den Beitritt zu dem neuformierten Klinikbündnis. "Wir müssen uns jetzt zeigen" postulierte Körner. Es liege klar auf der Hand, dass eine Schließung des Ellwanger Krankenhauses oder eine Herabstufung auf ein Haus mit ambulant-stationärer Basisversorgung (Level 1i) eine deutlich schlechtere medizinische Versorgung bedeuten wird - für Tannhausen wie für den gesamten nordöstlichen Landkreis. Der Wegfall des Ellwanger Krankenhauses könne nicht durch eine neue Zentralklinik bei Essingen ersetzt werden - "das ist für uns viel zu weit weg", mahnte Körner, weshalb sich andere betroffene Gemeinden, wie Stödtlen, Rosenberg oder Adelmannsfelden, dem Bündnis bereits angeschlossen hätten. 

Breite Zustimmung im Rat

In der Sitzung bekam Körner von allen Seiten Zuspruch. Jürgen Köpfer erklärte, dass dieses Thema aus seiner Sicht derzeit eines der wichtigsten überhaupt ist. Man dürfe jetzt "nicht ruhig" sein, unterstrich Köpfer. Wie der Geschäftsführer des Alten- und Pflegeheim "Im Sonnengarten" erklärte, sei die Sonnengarten-Stiftung dem Bündnis ebenfalls beigetreten, weil absehbar ist, wie sich die (fach)ärztliche Versorgung im nordöstlichen Kreisgebiet entwickeln wird, wenn das Ellwanger Krankenhaus wegfällt: "Die Situation ist jetzt schon schwierig,  aber dann würde es verheerend werden." 

Richard Bosch pflichtete bei. "Wir müssen auch als Gemeinderat das Thema pushen. Schließlich zählt im Notfall jede Sekunde." An dieser Stelle hakte sich dann auch Oliver Süssmann mit einem emotionalen Wortbeitrag ein. Er habe in zwei, drei Notfallsituationen mal die Zeit gestoppt, wie lange aktuell ein Krankenwagen nach Tannhausen braucht. "Der Schnelleste war in 22 Minuten da, der langsamste in 27." Schon das sei "eigentlich eine Frechheit", wenn man gerade um sein Leben kämpfen muss, wie es unlängst wohl einem Bekannten Süßmanns ergangen ist, der nach einem Allergieschock plötzlich keine Luft mehr bekommen hatte.  "Die Klinik in Ellwangen muss bleiben", betonte Süßmann mit Nachdruck und bemühte abschließend noch einen großen geschichtlichen Vergleich. Er könne sich noch gut daran erinnern, wie Menschen vor über 30 Jahren durch die Straßen gezogen sind und dabei "Wir sind das Volk" skandiert haben.

Czerwinski bittet um Verständnis

Während im Gremium große Einigkeit herrschte, bezog Bürgermeister Siegfried Czerwinski eine andere Position. Er sei zwar im Kern zu 100 Prozent bei seinen Räten, machte der Rathauschef klar. "Aber ich halte den Gemeinderat in dieser Frage für das falsche Gremium." Man löse mit dem Beitritt zum Bündnis letztlich keine Probleme, merkte Czerwinski an. Deshalb sei es auch nicht der Weg, den er für richtig erachtet. Er wolle lieber gemeinsam mit den Entscheidungsträgern an tragfähigen Lösungen arbeiten. Für diese Haltung warb er am Montagabend um Verständnis - "Wir sind ja alle Demokraten". Am Ende wurde bei einer Gegenstimme - der von Czerwinski - der Beitritt der Gemeinde Tannhausen zum Ellwanger Klinikbündnis beschlossen.

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