Kliniken: Viele Menschen aus dem Ellwanger Raum in Sorge

+
Die Empore im Sitzungssaal des Kreistages war voll von Menschen überwiegend aus dem Ellwanger Raum, die ihre Sorge um die Zukunft der Kliniken zum Ausdruck brachten.
  • schließen

Erstmals beschäftigt sich der neue Kreistag mit dem Konzept für die Zukunft der Kliniken im Ostalbkreis. Und von Volker Grab kommt ein neuer Vorschlag.

Aalen. Sehr gut habe es funktioniert, die neuen Kreistagsmitglieder fit zu machen – mehr als die Hälfte des neuen Kreistages gehörte diesem bislang nicht an. Mit „fit machen“ meint Landrat Dr. Joachim Bläse, dass diese Kreisrätinnen und Kreisräte mit den Informationen versorgt sind, die sie brauchen, um wichtige Entscheidungen zu treffen. „Die Kreistagsmitglieder spüren die Abwärtsspirale der Kliniken Ostalb und die verheerenden Auswirkungen auf die Kreisfinanzen und indirekt auf die Kommunalfinanzen“, so erklärte er in der Sitzung des Kreistages am Dienstag und weiter: „Allen ist klar, wir müssen handeln und haben keine Zeit mehr.“

Die wirtschaftlichen Vorteile der Neustrukturierung bis zum Jahr 2035 seien klar. Aber auch die bis dahin geplanten Maßnahmen seien wichtig, um wirtschaftliche Effekte zu erzielen: Klinikchef Christoph Rieß referierte nochmals das Maßnahmenbündel mit Wegfall des OP-Bereichs in Ellwangen, die Fusion der Kinderkliniken, der Herzkatheter- und der Stroke-Units. Zudem gebe es weitere Effekte aus Einkauf und Digitalisierung, etwa.

Teilaspekte differenzierter betrachtet

Bläse räumt aber auch ein, dass mittlerweile „Teilaspekte“ „differenzierter betrachtet“ worden seien. Dabei ging es in Ellwangen um privates Engagement im OP-Bereich, um den Kinderklinikstandort im Übergang, die Frage, wo die Urologie im Übergang richtig verortet ist und wie die Onkologie über die Standorte verteilt wird.

Sitzung zum Thema Kliniken im Kreistag am 23. Juli 2024.

Exakt solche „Teilaspekte“ waren es, die die vielen Redner, darunter zwei Schwestern der Virngrundklinik, in der Bürgerfragestunde ansprachen. Mehrere Busse waren aus Ellwangen angereist mit Menschen, die ein Zeil hatten: die Sitzung des Kreistages. Zentrales Thema dabei immer wieder: dass die Virngrundklinik in Ellwangen künftig kein klinischer Grundversorger mehr sei. Dass in Bezug auf die Einsparmöglichkeiten falsch gerechnet worden sei. Wieso man eine gute OP-Struktur aufgebe – um anderenorts, in Aalen und Mutlangen, neu zu investieren. Wie man es mit der Ausbildung von Fachkräften zu halten denke, wenn Ellwangen durch die Kürzungen unattraktiver werde. Was angedacht sei, wenn die Klinik in Ellwangen „aufgegeben“ sei. Und, das kam immer wieder, wie eine Notfallversorgung in Ellwangen aussehen könnte.

Landrat Bläse und Klinikchef Christoph Rieß versuchten im Anschluss, die Fragen zu beantworten. In Bezug auf die Notfallversorgung etwa, erklärte Rieß, man halte an der dezentralen Versorgung fest – und setze in der Zukunft stark auch auf Rettungswachen, von wo aus Notärzte den Bedarf in der Fläche sicherten.

Sitzung zum Thema Kliniken im Kreistag am 23. Juli 2024.

Wie die Fraktionen diskutieren

Im Anschluss diskutierten die Fraktionen des neuen Kreistages erstmals über die Zukunft der Kliniken – mit durchaus unterschiedlichen Gesichtspunkten auch innerhalb der Fraktionen. So sprach CDU-Fraktionssprecher Dr. Gunter Bühler einen flammenden Appell, das „Kirchturmdenken“ zu überwinden. Die Kliniken Ostalb seien in eine so dramatische Situation gekommen, „weil man zur Bewegung nicht bereit war“. Das Problem sei, dass es im Ostalbkreis immer dann Probleme gebe, wenn es „in einer Raumschaft um Verzicht geht“. Fraktionskollege Winfried Mack hingegen sagte, „wir brauchen weiter eine Chirurgie in Ellwangen“. Mack hatte im Vorfeld Rieß scharf attackiert und ihn einen "kalten Sanierer" genannt. Und Rainer Knecht, ebenso Bühlers Fraktionskollege, verlangte, die vorgelegten Zahlen „nochmals einer Prüfung“ zu unterziehen.

Ganz ähnlich äußerte sich Volker Rab (Bündnis 90/Die Grünen), der sich für eine „hochwertige, flächendeckende Krankenhausversorgung“ im Ostalbkreis aussprach – und gegen ein „aus Drei mach Zwei“. Er verband dies mit einem Vorschlag: Statt in Aalen und Mutlangen neue OP-Kapazitäten aufzubauen für die Zeit, bis in Essingen der Regionalversorger gebaut ist, sollten die bestehenden OP-Säle in Ellwangen genutzt werden. So könne die Urologie in Ellwangen gehalten werden. Grabs Fraktionskollegin Veronika Gromann hingegen sagte, sie werden dem Vorschlag der Verwaltung zustimmen.

Sitzung zum Thema Kliniken im Kreistag am 23. Juli 2024.

Dr. Carola Merk-Rudolph erklärte: „Wir müssen handeln“ – und es sei keine Zeit mehr. Auch gelte es, wieder Vertrauen zu schaffen. Denn an den Kliniken im Ostalbkreis werde „erstklassige Arbeit“ geleistet. Dies gerate bei der Diskussion immer mehr aus dem Blick.

Dr. Frank Gläser (AfD) äußerte Bedenken, dass, wenn die Urologie wie geplant nach Mutlangen und danach nach Essingen verlagert würde, man Personal verlieren werde. Hier müsse nochmals nachgedacht werden.

Folgenden Zeitplan bis zur Entscheidung gibt es jetzt

- 6. August: Der Verwaltungsrat Kliniken hat einen Infotermin.

- 7. August: Es gibt Vorort-Termine des Verwaltungsrates an den drei Klinikstandorten.

- 7. September: Klausurtagung des Verwaltungsrates mit allen Kreistagsmitgliedern als Gästen.

- 17. September: Beschlussempfehlung des Verwaltungsrates.

- 24. September: Beschluss des Kreistages.

- 27. und 28. September: Klausurtagung des Verwaltungsrates.

Kommentare