Kliniken Ostalb

"Kalter Sanierer" und "Hasardeur": Winfried Mack rechnet mit Christoph Rieß ab

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Christoph Rieß, Vorstandsvorsitzender der Kliniken Ostalb, wird von Winfried Mack hart angegangen.
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Der Ton in der Diskussion ums Zukunftskonzept Kliniken Ostalb wird rauer. Winfried Mack attackiert offen Klinik-Chef Christoph Rieß – und auch den Kreistag. Eine kommentierende Analyse.

Aalen. Klinikchef Christoph Rieß ist am Dienstag (2. Juli) detaillierter auf die Finanz-Situation der einzelnen Standorte eingegangen. Winfried Mack, CDU-Landtagsabgeordneter und künftiges Mitglied im Kreistag des Ostalbkreises, ist das nicht genug.

In einer Pressemitteilung kritisiert er unmissverständlich das Vorgehen und das am 17. Juni öffentlich vorgestellte Zukunftskonzept Kliniken Ostalb von Rieß und Landrat Dr. Joachim Bläse, das die medizinische Versorgung der Menschen „massiv gefährden“, im Ostalbkreis „großen Schaden anrichten“ würde und in Summe „nicht akzeptabel“ sei. Mack: „Nichts würde besser, vieles aber schlechter!“

Winfried Mack (58), der in Ellwangen geboren ist und verständlicherweise Partei für die Virngrundklinik ergreift, attackiert in seiner Mitteilung, die eher einer Abrechnung gleicht, vor allem Christoph Rieß, unterstellt ihm (und dem Landrat) ein „Hasardeur“ zu sein, also ein Draufgänger mit wenig Verantwortungsbewusstsein. Aber auch vor den bisherigen Kreisräten macht er nicht Halt.

Nichts würde besser, vieles aber schlechter!

Winfried Mack

Die Hauptvorwürfe von Winfried Mack

  • „Die Logik der Vorgehensweise des neuen Klinikvorstands bestehe darin, Ellwangen zu zerschlagen und Aalen und Mutlangen voll zu pressen.“
  • Das Zukunftskonzept sei überhastet geschrieben, ohne vorher zu analysieren, woher die Verluste kommen. Auch Experten seien nicht einbezogen worden, wobei Mack den Austausch zwischen Kreis und Sozialministerium, mit Prof. Dr. Boris Augurzky sowie den Finanz- und Medizinexperten von Endera nicht erwähnt.
  • „Was im Ostalbkreis an Plänen vorliegt, ist schlimmer als das Spar-Konzept der Bundesregierung“, so Mack.
  • Rieß habe in den vergangenen Wochen keine Zahlen für seine Pläne geliefert. Die Befürchtung existiere, dass der Klinikchef mit den Zahlen – sofern sie denn irgendwann kämen – die eigenen Pläne schönrechne.
  • Die Vorgehensweise von Christoph Rieß sei die „eines kalten Sanierers“. Mack: „Politik muss gestalten, statt zu zerschlagen!“
  • „Christoph Rieß und die Landkreisverwaltung wollen die Klinik in Aalen ebenfalls massiv schwächen“, meint Mack. Die Krebsversorgung sei zum Beispiel nicht mehr ausreichend, genauso wenig lediglich ein Chirurgen-Team in Aalen.
  • Mit Ärzten, die in Ellwangen eine Fachklinik betreiben wollen, sei nicht ausreichend gesprochen worden. Gleiches gelte für Kooperationen der Kliniken Ostalb mit Kliniken außerhalb des Kreises. Mack: „Dort schüttelt man nur noch den Kopf über den Ostalbkreis!“
  • Mack: Kein Mensch könne sagen, woher die 60 Millionen Euro Defizit bei den Kliniken Ostalb kommen. Das Defizit müsse „von externen Kräften durchleuchtet werden“.
  • „Die Pläne sind schlecht für die Bevölkerung, sie sind auch kaufmännisch nicht schlau. Ein guter Unternehmer muss versuchen, zusätzlichen Umsatz einzuwerben. Durch die Pläne werden bestehende Einnahmequellen in großem Umfang vernichtet“, so Mack.

Winfried Mack, ein Experte für Wirtschaftspolitik, fordert in seinem Schreiben „nach drei Wochen Zerschlagungsdiskussion (...) umzukehren“: „Statt über Versorgungsabbau müssen wir endlich über Lösungen diskutieren.“ Und er hat ein paar Ideen und Wünsche formuliert, die zwar sicher eine große Mehrheit finden würden, deren Finanzierbarkeit aber unklar bleibt.

Die Wünsche von Winfried Mack

  • Die Chirurgien in Aalen, Ellwangen und Mutlangen müssen erhalten bleiben. Alle Teams sollten intensiv zusammenarbeiten.
  • Eine Zusammenarbeit mit dem Bundeswehrkrankenhaus Ulm und weiteren Häusern der Maximalversorgung muss aufgebaut werden, auch durch den Einsatz von Telemedizin. Des Weiteren müssen Private eingeladen werden, in Ellwangen eine Fachklinik zu errichten.
  • Die Virngrundklinik in Ellwangen müsse weiter genutzt werden, um als Immobilie nicht an Wert zu verlieren, sofern die OP-Säle in Ellwangen „kalt geschaltet werden“.
  • Mit Dr. Peter Jung muss ein Zukunftskonzept für die Urologie in Ellwangen erarbeitet werden, statt ihn im Kreistag unnötig zu maßregeln. Dr. Jung ist einer der angesehensten Urologie-Chefärzte in Deutschland.Es muss in Mutlangen UND Aalen eine Krebsdiagnose und -therapie aufgebaut und ausgeweitet werden, die mit den besten Krebskliniken im Land zusammenarbeitet.
  • Wir brauchen mehr Digitalisierung und den Einsatz von KI zur Verbesserung der Abläufe in den Kliniken und in der Verwaltung. Hierzu muss externer Sachverstand eingesetzt werden. Es müssen zuerst die internen Abläufe konsequent auf den Prüfstand – vom Einkauf bis zur Verweildauersteuerung.

Einschätzung der Redaktion: Die Gedanken von Mack können Grundlage für Diskussionen sein. Die Rufe nach Digitalisierung und KI wirken austauschbar, sind nicht neu. Der Wunsch nach einem Erhalt aller Chirurgien und der Urologie in Ellwangen ist nachzuvollziehen, wie dies finanziert und umgesetzt werden soll, darüber schweigt Mack. Unerwähnt bleibt vom künftigen Kreistagsmitglied, wie ein künftiger Defizitausgleich vom Kreis gestemmt werden kann.

Zum Ende gibt Winfried Mack den bisherigen Kreisräten rechtzeitig vor der am Dienstag (9.7.) stattfindenden Sondierungskonferenz mit: „Und jeder verantwortlich denkende Kreisrat weiß, dass Solidarität nicht an der eigenen Haustüre aufhören darf. Sonst wäre ein Landkreis als Gemeinschaft am Ende.“ Dabei suggeriert der 58-Jährige, dass der Kreistag und auch Landrat Bläse kein Interesse daran hätten, dass in allen drei Mittelbereichen des Ostalbkreises die medizinische Versorgung zu sichern.

Landrat Joachim Bläse reagiert auf Macks Mitteilung

Dies wirkt etwas seltsam, da von den ehrenamtlichen Gremium-Mitgliedern in der gesamten Legislatur eines sicher nicht gefehlt hat: der Wille und das Gefühl für die Gemeinschaft. Auch Landrat Bläse hatte in den vergangenen Wochen mehrfach betont, dass dies nicht so sei, die „harten Einschnitte“ aber erfolgen müssten, damit Landkreis und Kommunen finanziell auch in Zukunft handlungsfähig bleiben

Die Reaktion von Landrat Bläse auf Macks Pressemitteilung

Joachim Bläse kommentierte die Mitteilung von Winfried Mack, die „zahlreiche und haltlose Bewertungen und Unterstellungen, die nicht zutreffen und für die es keine sachliche Grundlage gibt“, beinhalte: „Sein Schreiben ist eine Ohrfeige für den bisherigen Kreistag und auch befremdlich. Was Winfried Mack dazu bewegt hat, weiß ich nicht. Ich freue mich aber, dass er sich bald als Kreistagsmitglied engagiert einbringt. Dort ist dann auch die geeignete Plattform, um die komplexe Klinik-Thematik zu diskutieren.“

Gemeinsame Presseerklärung von Klinken und Landkreis

Klinikchef Christoph Rieß wollte sich angesichts einer gemeinsamen Presseerklärung von den Kliniken Ostalb und dem Landratsamt, die am Nachmittag um 16:09 Uhr verschickt wurde, nicht weiter äußern. Dort steht: „Es ist schade, dass Herr Mack seine Bewertung lediglich als neu gewählter Kreisrat vornimmt und sich nicht auch als Landtagsabgeordneter und Mitglied der Regierungsfraktion im Landtag einbringt.“

Und: „Auch sind wir verwundert, dass Herr Mack seine Einzelmeinung und seine Vorschläge per Pressemitteilung unmittelbar vor der Sondierungskonferenz veröffentlicht.“ In dieser Arbeitssitzung werden sich die Mitglieder des Kreistags gemeinsam mit Vertretern der Kreisärzteschaften, der Rettungsdienste und Fachexperten im Detail mit den diskussionsbedürftigen Punkten aus dem vorliegenden Konzept befassen und können Alternativvorschläge einbringen.

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