Kommunalwahl: Franz Fetzer, das Stehaufmännchen von Wasseralfingen 

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Franz Fetzer ist auf dem kommunalpolitischen Parkett zu Hause. Seit 24 Jahren sitzt er für die Freien Wähler im Ortschaftsrat Wasseralfingen, seit 10 Jahren zudem auch im Aalener Gemeinderat.
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  Zum vierten Mal bewirbt sich der Freie-Wähler-Ortsrat erneut als Ortsvorsitzender in Wasseralfingen. Warum er sich nicht den Mut nehmen lässt.

Aalen-Wasseralfingen. Drei Mal hat er sich für die Freien Wähler schon für das Amt des Wasseralfinger Ortsvorstehers beworben, und zwei Mal für das Amt des Aalener Oberbürgermeisters kandidiert. Während indes der Erfolg immer ausblieb, hält seine Begeisterung für das kommunalpolitische Engagement bis heute an. Franz Fetzer (FW) ist in der kommunalpolitischen Landschaft in Aalen und Wasseralfingen kein Unbekannter: Seit dem Jahr 2000 ist der heute 66-Jährige durchgehend Mitglied des Ortschaftsrats Wasseralfingen, seit 20 Jahren einer der beiden stellvertretenden Ortsvorsteher. Seit zehn Jahren sitzt Fetzer für die Freien Wähler zudem als Stadtrat auch im Aalener Gemeinderat.

Im Interview mit Redakteurin Ulrike Wilpert spricht der pensionierte Realschullehrer darüber, was ihn an der politischen Arbeit auf kommunaler Ebene so fasziniert und warum er sich durch seine erfolglosen Kandidaturen nicht die Motivation nehmen lässt. Für die Wahl um das Amt des Ortsvorstehers in Wasseralfingen treten auch die seitherige Ortsvorsteherin Andrea Hatam (SPD) und ihr seitheriger erster Stellvertreter Josef A. Fuchs (CDU) an. 

Bei den Ortschaftsratswahlen 2019 haben Sie in Wasseralfingen mit 2133 Stimmen deutlich hinter der „Stimmenkönigin“ Andrea Hatam (SPD, 4721) und Josef A. Fuchs (CDU, 2830) gelegen. Warum rechnen Sie sich jetzt erneut eine Chance aus, zum Ortsvorsteher gewählt zu werden?

Franz Fetzer: Ich hoffe einfach, dass viele Wählerinnen und Wähler erkannt haben, dass ich wirklich frei und offen bin und nicht parteigebunden. Es geht mir nicht um die Position, sondern immer um die Sache, um die Menschen. Und ich denke, wenn Verantwortung und Aufgaben eines Ortsvorstehers auf mehrere Schultern verteilt werden, kommt man besser zu Potte.

Wie meinen Sie das?

Als Ortsvorsteher würde ich meine Stellvertreter viel mehr einbinden ins Geschehen, als das bislang geschieht. Ich würde mehr Transparenz leben. Gespräche mit der Aalener Stadtverwaltung würden nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden. Sondern jeder Ortschaftsrat, jede Rätin, könnte dazukommen.

Warum wünschen Sie sich als Ortschaftsrat mehr Transparenz?

Oft erfahre ich wichtige Sachverhalte, die Wasseralfingen betreffen, zuerst aus der Zeitung. Da wäre es ja schön, wenn das den Ortschaftsräten auch schon mitgeteilt worden wäre. Ich meine, je gemeinschaftlicher man von vorneherein eine Sache angeht, umso einfacher lässt sich hinterher im Ortschafts- und dann auch im Gemeinderat ein Konsens finden.

Sie wollten schon drei Mal Ortsvorsteher in Wasseralfingen werden, zwei mal OB in Aalen. Jedes Mal ohne Erfolg. Ist man da dann nicht irgendwann „verbrannt“?

Sagen wir mal: enttäuscht. Ich musste als Jugendlicher sehr schnell sehr ausdauernd und hartnäckig werden in dem, was mir wichtig war. Denn ich war durch den Tod meiner Eltern früh auf mich allein gestellt. Wenn ich eine Sache als wichtig und gut empfunden habe, habe ich in der Regel schnell meine Enttäuschung überwunden und bin weiter hartnäckig an meinem Ziel drangeblieben. Einige Male hat das funktioniert.

Zum Beispiel?

Das Baulückenkataster der Stadt Aalen geht zurück auf eine Idee von mir. Darin werden im Online-Geodatenportal der Stadt Aalen unbebaute oder nur geringfügig genutzte Grundstücke innerhalb von Siedlungen aufgezeigt mit dem Ziel, Bauherren die Suche nach geeigneten innerörtlichen Baugrundstücken zu erleichtern. Jahrelang habe ich die Idee immer wieder vorgebracht. Aber erst unter der früheren Baubürgermeisterin Jutta Heim-Wenzler hat die Aalener Stadtverwaltung meine Idee aufgegriffen und umgesetzt. Dass dann die Aalener Stadtverwaltung dafür Lob und Ehrungen erhalten hat, kann ich gut verschmerzen. Hauptsache, es wurde umgesetzt.

Als Mitglied der Freien-Wähler Fraktion kommen Sie bei Gremiensitzungen erst immer nach den Grünen, nach CDU und SPD zu Wort; also dann, wenn alles Wichtige schon gesagt wurde. Zermürbt Sie das nicht?

Das ist bisweilen in der Tat schade. Aber es bringt mich nicht draus, weil es mir ja immer um die Sache geht. Darum sage ich immer wieder, dass ich das, was einer meiner Vorredner gesagt hat, klasse finde. Und dazu kommt dann noch eine Ergänzung von mir. Mir ist ja nicht wichtig, dass ich als Person das gesagt habe, sondern dass die Sache umgesetzt wird.

Woran denken Sie da zum Beispiel?

An den vom früheren Wasseralfinger SPD-Ortsrat Jakob Bubenheimer vorgebrachten Vorschlag, öffentliche Abfalleimer mit einer Halterung für leere Pfandflaschen aufzustellen. Selbst nachdem Bubenheimer aus dem Ortschaftsrat ausgeschieden war, habe ich seine Idee immer wieder erwähnt, weil ich sie gut finde. Und jetzt haben wir immerhin in Wasseralfingen ein paar dieser Abfalleimer mit Flaschenhalterung. Ich finde es einfach wichtig, dass man gemeinsam und möglichst schnell wichtige Dinge für den Stadtteil und für die Stadt erreicht.

Sollten Sie diesmal zum Wasseralfinger Ortsvorsteher gewählt werden: Was würden Sie zuerst angehen?

Ich würde regelmäßige öffentliche Bürgerrunden veranstalten, um den Menschen hier in Wasseralfingen Gelegenheit zu geben, den Ortschaftsräten ihre Anliegen vorzutragen, auch einmal zu bruddeln oder zu loben. Mir ist wichtig, dass Ortsverwaltung und Ortschaftsräte unmittelbar mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kommen, um direkt zu erfahren, was ihnen am Herz liegt.

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