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Das Traditionsunternehmen Schleich hält auch nach langen Verhandlungen an seinem Wegzug aus Baden-Württemberg fest. Ein kleiner Kompromiss konnte dennoch erreicht werden.
Schwäbisch Gmünd - Erst vor wenigen Wochen teilte das Traditionsunternehmen Schleich mit, zum 1. Januar 2025 seinen Stammsitz in Baden-Württemberg aufzugeben. Konkret soll der Sitz des Spielwarenherstellers nach über 90 Jahren von Schwäbisch Gmünd nach München verlegt werden, was nicht nur der Wirtschaftskraft der Stadt im Osten Baden-Württembergs schadet, sondern insgesamt auch 250 Mitarbeiter betrifft. Nach wochenlangen Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung konnte die Stammsitz-Verlagerung zwar nicht verhindert, aber immerhin ein kleiner Kompromiss gefunden werden.
Schleich hatte in einer Pressemitteilung Mitte Mai erklärt, den von dem geplanten Umzug betroffenen Mitarbeitern eine Übernahmemöglichkeit nach München oder nach Prag – wo ein neues Shared Service-Center gegründet werden soll – anbieten zu wollen. In den Verhandlungen wurde allerdings darauf gedrängt, möglichst viele Arbeitsplätze am bisherigen Stammsitz in Schwäbisch Gmünd zu erhalten. Im großen Umfang konnte das zwar nicht erreicht werden, laut einer Mitteilung vom Montag (2. September) soll aber immerhin die Logistik im Ostalbkreis bleiben.
Schleich verlässt Baden-Württemberg – Logistik soll über externen Partner in Schwäbisch Gmünd bleiben
Dass das im Jahr 1935 ursprünglich in Stuttgart gegründete Traditionsunternehmen seinen Stammsitz nach so vielen Jahren in eine andere Stadt verlagern will, begründete Schleich im Mai mit einer Weiterentwicklung des Unternehmens und der Erschließung neuer Verkaufskanäle. In der Mitteilung zu der Einigung mit dem Betriebsrat bestätigt der Spielwarenhersteller seine Absichten erneut. „Schleich wird seine Kernkompetenzen im Marketing, Vertrieb und Beschaffung stärken und verbraucherzentrierte sowie wertschöpfungsnahe Funktionen am Standort München bündeln“, heißt es dort konkret.
| Name | Schleich GmbH |
|---|---|
| Gründung | 1935 |
| Hauptsitz | Schwäbisch Gmünd, Baden-Württemberg |
| Branche | Spielwaren |
| Mitarbeiter | 450 weltweit |
| Umsatz | 234 Millionen Euro (2023) |
Die Einigung sieht allerdings auch vor, dass zumindest die Logistik von Schleich – ausgelagert bei dem externen Partner Abt Service GmbH – in Schwäbisch Gmünd bleiben soll. Die Mitarbeiter sollen deshalb die Möglichkeit bekommen, zu eben diesem Logistikpartner zu wechseln. „Schleich ist erfreut, weiterhin mit der Region Schwäbisch Gmünd verbunden zu bleiben“, heißt es in der Mitteilung. Für den Rest der Belegschaft gilt weiterhin das Angebot, an den neuen Firmensitz in München oder nach Prag zu wechseln.
IGBCE kritisiert Pläne von Schleich, Geschäftsführung zeigt sich mit Einigung zufrieden
Nach der Verkündung des Umzugs des baden-württembergischen Traditionsunternehmens – das vor allem für die detailgetreuen Tierfiguren bekannt ist – ging nicht nur der Betriebsrat, sondern auch die Arbeitnehmer-Gewerkschaft IGBCE auf die Barrikaden. „Die Logistik soll fremd vergeben werden – irgendwohin und an irgendjemanden; das Herzstück der Firma soll nach München und Prag verlagert werden“, kritisierte die Gewerkschaft auf ihrer Homepage und erklärte, dass zu dem Zeitpunkt kein einziges nachvollziehbares Argument für diesen Plan genannt worden sei.
Mit der nun verkündeten Einigung bleibt die Logistik zwar in Gmünd, ausgelagert wird sie allerdings trotzdem. Während die Arbeitnehmervertreter weiterhin Kritik an dem Vorhaben üben, zeigt sich die Geschäftsführung mit der Übereinkunft zufrieden. „Die getroffenen Vereinbarungen sind ein wichtiger Schritt, um Schleich zukunftssicher aufzustellen und nachhaltig erfolgreich zu bleiben“, wird Schleich-CEO Stefan De Loecker in der Mitteilung vom Montag zitiert. Ein weiterer Traditionshersteller aus Baden-Württemberg hat im August erklärt, seine Produktion nach Thüringen verlagern zu müssen. Das hat aber einen anderen Grund.
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