Wegen Hochwasser

Traditionshersteller aus Baden-Württemberg verlagert Produktion - Mitarbeiter kämpfen um Arbeitsplätze

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Nach dem verheerenden Hochwasser im Juni gibt ein traditionsreicher Hersteller seine Produktion in der Region Stuttgart endgültig auf. Betroffen sind rund 150 Mitarbeiter.

Stuttgart/Rudersberg - Extreme und anhaltende Regenfälle haben im Juni auch in der Region Stuttgart und in vielen weiteren Teilen Baden-Württembergs für einen Ausnahmezustand gesorgt. In der Nähe von Schwäbisch Gmünd war aufgrund eines Hangrutsches sogar ein ICE entgleist. Der Rems-Murr-Kreis bei Stuttgart war – neben der Bodenseeregion – eine besonders betroffene Region im Südwesten, was sich auch massiv auf den dort ansässigen Traditionshersteller Weru auswirkte, da die Produktionshallen am Stammsitz in der Gemeinde Rudersberg durch die Wassermassen vollständig zerstört wurden.

Die Flutkatastrophe Anfang Juni hat auch die Gemeinde Rudersberg im Rems-Murr-Kreis mit voller Wucht getroffen.

Das Unternehmen Weru wurde bereits im Jahr 1843 gegründet und gilt als einer der führenden Hersteller von Fenstern und Türen in Deutschland. An den beiden Standorten Rudersberg (Baden-Württemberg) und Triptis (Thüringen) beschäftigt der Hersteller insgesamt rund 1.000 Mitarbeiter. Wie Weru bereits Mitte Juli in einer Mitteilung erklärte, soll der Verwaltungssitz zwar in Rudersberg bleiben, die Produktion wird aber beendet und soll nach Triptis verlagert werden. Dadurch sollen von den 300 Arbeitsplätzen allerdings rund die Hälfte wegfallen.

Weru beendet Produktion in Rudersberg: Mitarbeiter kämpfen vor Ort um ihre Arbeitsplätze

In der Mitteilung von Mitte Juli erklärte Weru-Geschäftsführer Frank Fleissner, dass die Werkshallen am Ortsrand der rund 11.500 Einwohner zählenden Gemeinde Rudersberg die Wassermassen vor einem Vorstoß in die Ortsmitte abgehalten hätten, dabei aber vollständig zerstört worden seien. Ein millionenschwerer Wiederaufbau ist nach eigenen Angaben nicht möglich. „Es ist ein schwerer Weg, aber ein Wiederaufbau wäre wirtschaftlich nicht tragbar“, führte Fleissner aus. Für die Büroangestellten hofft Weru bald wieder Räumlichkeiten in Rudersberg zur Verfügung stellen zu können, die Produktionskapazität soll aber nicht wieder aufgebaut werden.

Name Weru GmbH
Gründung 1843
Hauptsitz Rudersberg, Baden-Württemberg
Branche Fenster und Türen
Mutterkonzern Dovista (seit 2021)
Mitarbeiter mehr als 1.000 an zwei Standorten

Wie mehrere Medien – darunter der Waiblinger Zeitungsverlag und die Stuttgarter Nachrichten – vor wenigen Tagen berichteten, stemmt sich die Belegschaft von Weru am Stammsitz gegen den Wegfall von 150 Arbeitsplätzen und hat unter anderem mit vor Ort aufgestellten Holzkreuzen gegen den Stellenabbau demonstriert. Die betroffenen Angestellten in der Produktion sind demnach aktuell freigestellt und das Gehalt wird noch über eine Verdienstausfallversicherung – aufgrund des Hochwassers – gedeckt; wie es weitergeht, ist aber aktuell noch vollkommen offen.

Fenster- und Türen-Hersteller Weru schließt seine Produktion in Rudersberg. Die Mitarbeiter kämpfen um ihre Arbeitsplätze (Archivbild).

Weru-Lage nach Hochwasserkatastrophe erinnert an Situation von ZF-Standort im Ahrtal 2021

Die Weru GmbH ist nicht nur ein deutsches Traditionsunternehmen mit einer langen Geschichte, sondern auch für Rudersberg und den Rems-Murr-Kreis wirtschaftlich von großer Bedeutung. Besonders bitter ist, dass das Unternehmen die Produktion am Stammsitz erst vor wenigen Jahren modernisiert und ausgebaut hatte, durch die Wassermassen alles aber derart zerstört wurde, dass sich ein Wiederaufbau aus wirtschaftlicher Sicht nicht lohnt. Für viele Produktionsangestellte in Rudersberg ist ein Umzug in das mehrere hundert Kilometer entfernte Werk in Thüringen aber wohl kaum vorstellbar.

Bei der Flutkatastrophe im Ahrtal (Rheinland-Pfalz) im Jahr 2021 war auch ein Werk des schwäbischen Technologiekonzerns ZF Friedrichshafen stark zerstört worden und sollte aufgegeben werden. Nach einer langen Verzögerung konnte der Betriebsrat des Stiftungskonzerns einen Stellenabbau bei ZF in Ahrweiler verhindern und einen Wiederaufbau im nahen Niederzissen erreichen. Der Umzug ist allerdings erst für 2026 geplant.

Rubriklistenbild: © Harry Melchert/dpa

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