VonJulian Baumannschließen
Das schwäbische Traditionsunternehmen Schleich gibt seinen Hauptsitz in Baden-Württemberg auf. Das hat Folgen für 250 Mitarbeiter.
Schwäbisch Gmünd - Viele global agierenden Konzerne werden mit ihren jeweiligen Stammsitzen assoziiert: Mercedes-Benz beispielsweise mit Stuttgart, der weltgrößte Chemiekonzern BASF mit Ludwigshafen am Rhein. In seltenen Fällen verlagern Unternehmen aber auch ihren Hauptsitz; der Süßwarenhersteller Haribo zog 2019 etwa von Bonn in die Gemeinde Grafschaft in Rheinland-Pfalz. Am Dienstag (28. Mai) verkündete das schwäbische Traditionsunternehmen Schleich, das vor allem für die beliebten und detaillierten Tierfiguren bekannt ist, seinen Hauptsitz ab dem 1. Januar 2025 von Schwäbisch Gmünd nach München zu verlegen.
Nach beinahe 90 Jahren kehrt das international tätige Unternehmen dem Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg den Rücken, da der bisherige Stammsitz auf der Schwäbischen Alb aufgegeben werden soll. Die Verlagerung des Stammsitzes hat demnach nicht nur Folgen für die Wirtschaftskraft der Stadt Schwäbisch Gmünd, sondern auch für die 250 Mitarbeiter, die bislang am Hauptsitz tätig sind. Außerdem zieht es Unternehmen aus Baden-Württemberg derzeit verstärkt ins osteuropäische Ausland.
Schleich will betroffenen Mitarbeitern Wechsel nach München oder Prag anbieten
In einer Pressemitteilung begründet das (noch) Gmünder Unternehmen die Verlagerung des Hauptsitzes nach München mit einer Neuaufstellung für nachhaltiges Wachstum. „Die Weiterentwicklung des Unternehmens und der Marke mit den Schwerpunkten Innovation, Internationalisierung, Erschließung neuer Verkaufskanäle und Nachhaltigkeit sollen Schleich für die Zukunft stärken“, heißt es konkret. Das bereits bestehende Büro in der bayerischen Landeshauptstadt soll zum 1. Januar 2025 demnach der Hauptsitz von Schleich werden. Zudem wird in Prag (Tschechien) ein neues Shared Service-Center gegründet.
| Name | Schleich GmbH |
|---|---|
| Gründung | 1935 |
| Hauptsitz | Schwäbisch Gmünd, Baden-Württemberg |
| Branche | Spielwaren |
| Mitarbeiter | 450 weltweit |
| Umsatz | 234 Millionen Euro (2023) |
Den 250 Mitarbeitern am bisherigen Hauptsitz in Schwäbisch Gmünd soll angeboten werden, entweder an den neuen Sitz in München oder an den Standort Prag zu wechseln. Dafür wurden bereits Gespräche mit dem Betriebsrat gesucht. „Schleich wird mit Sorgfalt und Verantwortung daran arbeiten, diese Veränderungen für die Mitarbeitenden in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat umzusetzen“, heißt es vom Unternehmen. Für die betroffenen Angestellten in Baden-Württemberg dürfte die Nachricht aber dennoch eine bittere Pille sein.
Logistik-Mitarbeiter von Schleich sollen von externen Partnern übernommen werden
Wie Schleich zudem ankündigt, sollen bestimmte Funktionen – beispielsweise die Logistik – künftig von externen Partnern abgewickelt werden. Auch in diesem Fall ist das Unternehmen nach eigenen Angaben bemüht, den bisherigen Mitarbeitern in der Logistik Übernahme-Angebote bei den externen Partnern zu garantieren. Das Unternehmen habe zudem kürzlich seine Lieferketten überarbeitet und ein neues Netzwerk strategischer Produktionspartner in Europa, Asien und Nordamerika etabliert, „um die höchsten Qualitätsstandards und eine größere Agilität zu gewährleisten.“
Das Unternehmen Schleich wurde im Jahr 1935 von Friedrich Schleich ursprünglich als Lieferant für Kunststoffteile in Stuttgart gegründet und produzierte in den ersten Jahren vorrangig Comic-Figuren für eine junge Zielgruppe. Die beliebten Tierfiguren, die besonders realitätsnah gestaltet werden, produziert Schleich seit den 1980er Jahren. Im vergangenen Geschäftsjahr 2023 hatte das Traditionsunternehmen einen deutlichen Umsatzrückgang zu verkraften, dem offenbar auch die Neuaufstellung zu verdanken ist.
BW24 berichtete außerdem jüngst darüber, dass ein Technologieunternehmen in Baden-Württemberg 160 Arbeitsplätze streichen will.
Rubriklistenbild: © IMAGO/Werner Dieterich


