VonGerhard Königerschließen
Der Krankenhausförderverein Dinkelsbühl schlägt Alarm, weil die Degradierung zum Gesundheitszentrum droht. Die Ellwanger Virngrundklinik wird damit noch wichtiger als bisher.
Ellwangen/Dinkelsbühl. Die Krankenhausfördervereine Dinkelsbühl und Rothenburg o.d. Tauber rufen zur gemeinsamen Protestaktion gegen die geplante Klinikreformen auf. Ihr Motto „Kliniken in Not! – Patient tot!?!“ ist drastisch, bringt aber die Sorgen der Menschen im Nachbarlandkreis Ansbach auf den Punkt, bei einem Notfall viel weitere Wege in eine offene Klinik fahren zu müssen.
Ellwanger Virngrundklinik wird noch wichtiger
Was das mit dem Ostalbkreis zu tun hat? Vor allem für die Menschen im Norden und Osten, in Ellenberg, Wört, Stödtlen, Tannhausen ist die Klinik in Dinkelsbühl schneller zu erreichen als beispielsweise das Ostalbklinikum in Aalen. Wenn nun durch die geplante Krankenhausreform gravierende Einschnitte auch in Mittelfranken drohen, wird nach Ansicht vieler im Ellwanger Raum für den Osten des Landkreises und angrenzende Gemeinden die Virngrundklinik noch wichtiger.
Auch in Ellwangen kämpft ein breites Bündnis für den Erhalt der Klinik als Haus mit sieben Tage die Woche rund um die Uhr besetzter Notfallambulanz. Berthold Vaas, Vorsitzender des „Bündnis für eine starke St. Anna-Virngrundklinik“ sagt: "Für den östlichen Virngrund hätte eine Schließung der Klinik in Dinkelsbühl fatale Folgen, weil ein Gesundheitszentrum in einer Level 1i-Versorgungsstufe eine Notfallversorgung ausschließt. Rettungswagen dürften ein solches Versorgungszentrum nicht mehr anfahren."
Er meint, die jetzt schon bekannten „weißen Flecken einer klinischen Unterversorgung“ würden sich für die Bevölkerung des Ostalbkreises an den östlichen Rändern nochmals eklatant verschlechtern und es wäre fatal, wenn der Ostalbkreis mittelfristig auch den Klinikbetrieb in Ellwangen reduzieren beziehungsweise abbauen würde. "Für eine 24-stündige Basis-Notfallversorgung wie bisher, ist der Erhalt einer medizinischen Grund- und Regelversorgung mit den Fachabteilungen Chirurgie, Innere und Anästhesie / Intensivmedizin zwingend Voraussetzung."
Vaas hält es schon aus ökonomischer Betrachtung heraus für völlig unverständlich, wenn man die gute Infrastruktur in Ellwangen, moderne Stationen und OP-Säle, durch nicht durchdachte Verlagerungen einzelner Fachabteilungen riskieren würde. Vaas: "Der Erhalt einer 24/7-Basisnotfallversorgung ist notwendiger denn je. Hierfür ist es erforderlich, die gut funktionierende medizinische Infrastruktur an in den genannten Fachbereichen auch weiterhin vorzuhalten."
Nach Angaben des Krankenhausfördervereins in Dinkelsbühl sollen in der ANregiomed - Klinik Dinkelsbühl die nächtliche Operationsbereitschaft und die chirurgisch-internistische Notfall-Ambulanz mit oberärztlichem oder chefärztlichem Hintergrund eingestellt werden. Stattdessen stehe eine Umwandlung zum „intersektoralen“ Gesundheitszentrum im Raum. "Das heißt eine Degradierung auf das neue Versorgungslevel 1i. Kein Notarzt könnte dann mehr Patienten in diese Klinik bringen, weil diese nicht mehr vom Rettungsdienst angefahren werden dürfte", schreibt Dr. Petra Ziegler vom Förderverein Dinkelsbühler Krankenhaus.
"Fehlen die Kliniken, fehlen am Ende also auch die Ärzte"
Längere Fahrten für Patienten und Rettungsdienste ins nächstgelegene Krankenhaus Ansbach, oder noch viel weiter nach Würzburg oder Nürnberg wären die Folge. Außerdem verweist Ziegler auf die Bedeutung der Dinkelsbühler Klinik für Ausbildung und künftige Versorgung mit Allgemein- und Fachärzten. "Viele der derzeit in der Region niedergelassenen Ärzte haben einen Teil ihrer Ausbildung in den Kliniken hier absolviert. Zudem wird über die Krankenhäuser auch ein Teil der notärztlichen Dienste abgedeckt. Fehlen die Kliniken, fehlen am Ende also auch die Ärzte."
Info: Die Krankenhausfördervereine in Dinkelsbühl und in Rothenburg ob der Tauber rufen am Freitag, 23. Februar, zur gemeinsamen Protestfahrt auf, mit zeitgleichen Auto-Kolonnen in Richtung Ansbach.
