VonConstantin Blaßschließen
Eine umgedrehte Deutschland-Fahne und ein paar Nationalflaggen bei der Demo gegen Rechts in Aalen sorgten für Gesprächsstoff. Organisator Christian Zeeb nimmt Stellung.
Aalen. Mehr als 5000 Teilnehmer waren am Samstag in Aalen bei der Kundgebung gegen Rechts. Ein, zwei Deutschland-Fahnen wurden auf dem Bahnhofsvorplatz (die Demo zum Nachlesen im Liveticker) auch geschwenkt. Allerdings nur kurzzeitig. Christian Zeeb vom Bündnis "Aufstehen gegen Rassismus Aalen" schritt ein und bat darum, sie wieder einzurollen. Im Interview erklärt der DGB-Regionssekretär, wieso Nationalflaggen verboten waren.
Wie fällt Ihr Fazit nach der Demo aus?
Christian Zeeb: Dass so viele Menschen in Aalen gegen Rechtsextremismus auf die Straße gegangen sind, ist überwältigend. Der so oft als „schweigende Mehrheit“ bezeichnete Teil unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger, hat am Samstag sehr laut und sehr deutlich gezeigt, dass er nicht mehr schweigt und ganz klar für Demokratie und Vielfalt kämpft.
Lesen Sie hier den Kommentar zur Demo in Aalen: Jetzt den Rückenwind nutzen
Was war Ihr schönster Moment?
Christian Zeeb: Ich hatte einen Gänsehaut-Moment, als die Spitze des Demozugs sich allmählich in Richtung Marktplatz bewegt hat und mir jemand vom Ordnungsamt mitteilte, dass sich so langsam die letzten Demonstranten vom Bahnhof aus auf den Weg machten. Da wurde mir erst bewusst, dass der Demozug die komplette Altstadt umfasste. Das war ein unbeschreibliches Glücksgefühl.
Demo und Kundgebung gegen Rechtsextremismus in Aalen




Zuvor hatten Sie auf dem Bahnhofsvorplatz darauf hingewiesen, dass Nationalfahnen – auch die deutsche – bei der Demo unerwünscht seien. Wieso?
Christian Zeeb: Die schwarz-rot-goldene Fahne unserer Bundesrepublik steht für Freiheit und Demokratie. Allerdings wird diese auch immer wieder von Rechtsextremen, extremen Nationalisten, Rassisten und Verschwörungstheoretikern missbraucht. Im Vorfeld unserer Demonstration haben uns Nachrichten erreicht, wonach Rechtsextreme andernorts versucht hatten, Demos zu unterwandern. Daher waren Schilder und Fahnen der AfD mit rechtsextremen und rassistischen Inhalten auf unserer Demonstration nicht erlaubt.
Am Bahnhof schwenkte vermutlich ein Reichsbürger kurzzeitig die umgekehrte Deutschland-Fahne. Aber wieso waren keine Nationalflaggen erwünscht?
Christian Zeeb: Es war tatsächlich eine Abwägungssache, Nationalflaggen zuzulassen. Im Nachgang hat es sich gezeigt, dass unsere Sorge fast völlig unbegründet war und wir eine großartige, vielfältige und vor allem friedliche Veranstaltung hatten. Es gab nur einen Störenfried, der allerdings sehr schnell zum Verlassen unserer Veranstaltung bewegt wurde.
Welche Schwierigkeiten gab es?
Christian Zeeb: Ein AfD-Sympathisant hat versucht, unsere Kundgebung mit seinem Auto zu stören. Das Auto war vollgehängt mit AfD-Fahnen.
Welche Kundgebung planen Sie als Nächstes?
Christian Zeeb: Das Organisationsteam vom „Bündnis gegen Rechts Heidenheim“ plant am Samstag (10.2.) in Heidenheim eine Demonstration mit anschließender Kundgebung. Die Demo wird um „5 vor 12“ am Bahnhof in Richtung Rathaus gestartet, wo gegen 13:30 Uhr die Kundgebung stattfinden soll.
Was glauben Sie, wie im Nachgang zu den Demos Nachhaltigkeit geschaffen wird?
Christian Zeeb: Wir müssen uns bewusst sein, dass der Kampf gegen Rechtsextremismus, Nazis und Faschisten kein Sprint, sondern ein Marathon ist. Die Bilder und Berichte aus der gesamten Republik motivieren so viele Menschen – und auf sie kommt es jetzt an. Mich haben in den vergangenen Tagen viele Nachrichten von Menschen erreicht, die sich nun engagieren wollen, die die Nase endgültig gestrichen voll haben, jeden Tag noch schlimmeres von Rechtsaußen zu hören. Das stimmt mich positiv.

