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Batteriehersteller Varta hat erneut ein Restrukturierungsverfahren angekündigt. Dieser Schritt ist offenbar notwendig, um eine Insolvenz des schwäbischen Traditionsunternehmens abzuwenden.
Ellwangen - Im baden-württembergischen Ellwangen werden in wenigen Wochen tausende Metal-Fans erwartet, die von dort ins nahegelegene Dinkelsbühl pilgern. Doch bereits jetzt brodelt es in der Stadt auf der Ostalb gewaltig, da der größte Arbeitgeber der Gemeinde einfach nicht zur Ruhe kommt. Der Batteriehersteller Varta hatte bereits im vergangenen Jahr im Rahmen eines Restrukturierungsprogramms 800 Vollzeitstellen abgebaut und weitere 150 Arbeitsplätze ins Ausland verlegt. Mit der von den Banken abgesicherten Neuaufstellung sollte das Traditionsunternehmen wieder in die Spur kommen, doch das Sanierungsprogramm war offenbar nicht genug.
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Im April hatte Varta angekündigt, dass die bisherigen Maßnahmen aufgrund der aktuellen Entwicklungen – der Konzern wurde unter anderem Opfer eines Cyberangriffs – nicht mehr ausreichend seien. Am Sonntag (21. Juli) erklärte das Familienunternehmen in einer Pressemitteilung schließlich, am Amtsgericht Stuttgart kurzfristig die Durchführung eines erneuten Restrukturierungsvorhabens angemeldet zu haben. Die Maßnahme soll nach Angaben des Konzerns eine mögliche Insolvenz abwenden. Einem traditionsreichen Autozulieferer aus Baden-Württemberg könnte dagegen die fünfte Insolvenz in wenigen Jahren drohen.
Nach Entlassung von hunderten Mitarbeitern – neues Verfahren soll Arbeitsplätze bei Varta sichern
Als Hersteller von unter anderem Lithium-Ionen-Akkumulatoren ist der ursprünglich 1887 gegründete Varta-Konzern eigentlich voll am Puls der Zeit. Durch die vielen Probleme und Krisen der Wirtschaft in den vergangenen Jahren ist das Traditionsunternehmen aus Baden-Württemberg aber stark angeschlagen und hofft nun auf Hilfe von außerhalb. Der Mitteilung zufolge wurde das neue Restrukturierungsprogramm nach dem sogenannten Unternehmenstabilisierungs- und -restruktierungsgesetz (StaRUG) angemeldet, das im Jahr 2021 in Kraft getreten ist und gezielt eine Zahlungsunfähigkeit von restrukturierungsfähigen Unternehmen abwenden soll. Dadurch will Varta nach eigenen Angaben endlich einen finanziellen Neustart schaffen und wieder wettbewerbsfähig werden.
| Name | Varta AG |
|---|---|
| Gründungsjahr | 1887 |
| Hauptsitz | Ellwangen, Baden-Württemberg |
| Branche | Elektrotechnik |
| Produkte | Batterien, Akkus und Energiespeichersysteme |
| Umsatz | 806,9 Millionen Euro (2022) |
| Mitarbeiter | 4.498 (Ende 2022) |
Wie der Konzern schreibt, soll die Neuaufstellung mithilfe des StaRUG-Verfahrens Arbeitsplätze sichern und sei „besser als mögliche Alternativszenarien“. Nachdem Varta bereits beim vorherigen Programm hunderte Mitarbeiter entlassen musste, wird die Sicherung der verbliebenen Arbeitsplätze in der Mitteilung besonders hervorgehoben. Stattdessen sollen aber offenbar die Anteilseigner der Varta AG Federn lassen, die auf einen Großteil ihres Geldes und der Ansprüche verzichten sollen. „Varta wird die Schulden mithilfe des StaRUG-Verfahrens auf eine angemessene Größenordnung bringen müssen, um wieder Schritte nach vorne machen zu können“, sagt CRO Michael Giesswein.
Investoren sollen Restrukturierung von Varta unterstützen – Einstieg von Porsche möglich
Neben den massiven Einschneidungen bei den Gläubigern – die laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) dagegen bereits Sturm laufen – sollen auch Finanzgläubiger und Investoren einen Beitrag leisten. Dazu sei Varta bereits in konstruktiven Verhandlungen mit potenziellen Investoren, darunter dem Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche. Porsche hatte erst Anfang Juli durchblicken lassen, eine Mehrheitsbeteiligung an der Varta-Tochter V4Drive anzustreben. Wie aktuell mehrere Medien übereinstimmend berichten – zuerst die Frankfurter Allgemeine Zeitung (faz) – könnte Porsche nun auch direkt bei Varta einsteigen. Ein Sprecher der Stuttgarter bestätigte der faz, dass man in Gesprächen mit Varta stehe.
Noch ist beim angeschlagenen Traditionsunternehmen von der Ostalb aber noch nichts in trockenen Tüchern; sicher ist nur, dass Varta nach eigenen Einschätzungen einen finanziellen Bedarf im hohen zweistelligen Millionenbereich zu decken hat. „Wir sind zuversichtlich, dass unser Restrukturierungskonzept eine solide Basis für die zukünftige Stabilität und Perspektive der Varta schafft“, erklärt Konzernchef Michael Ostermann. „Unser engagiertes Team und unsere Partner arbeiten unermüdlich daran, die bestmögliche Lösung zu finden.“ Darüber, wie genau diese Lösungen aussehen werden, will Varta fortlaufend informieren.
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