VonJulian Baumannschließen
Wenngleich Autobauer Porsche einer der beliebtesten Arbeitgeber ist, müssen sich Hunderte Mitarbeiter in den kommenden Monaten nach neuen Jobs umschauen.
Stuttgart - Der Stuttgarter Autobauer Porsche hat erneut den Krisen getrotzt und wird das durchaus herausfordernde Jahr aller Voraussicht nach sehr erfolgreich abschließen. Wie bereits in den vergangenen Jahren stockte Porsche das Weihnachtsgeld erneut auf bis zu 100 Prozent auf und ließ so die Belegschaft am Erfolg teilhaben. Für Hunderte weitere Mitarbeiter der Sportwagenschmiede in Stuttgart gibt es kurz vor Weihnachten allerdings weniger erfreuliche Nachrichten. Grund dafür sind nicht etwa Sparmaßnahmen, wie sie Autozulieferer Bosch jüngst angekündigt hat, sondern befristete Verträge, die nicht mehr verlängert werden können.
Nicht nur durch das großzügige Weihnachtsgeld gilt Porsche seit vielen Jahren als einer der beliebtesten Arbeitgeber überhaupt, die Gehälter beim Sportwagenbauer können sich ebenfalls mehr als sehen lassen. Wie viele andere Firmen haben allerdings auch die Schwaben Mitarbeiter in der Produktion zunächst befristet eingestellt und im besten Fall anschließend übernommen. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, ändert sich das jedoch, da viele Verträge nicht verlängert werden könnten. Autobauer Audi, der wie Porsche zum VW-Konzern gehört, hat jüngst angekündigt, sich von den Zeitarbeitern in Neckarsulm trennen zu müssen.
Im kommenden Jahr laufen laut dem Betriebsratschef rund 600 befristete Verträge bei Porsche aus
Durch die auslaufenden Verträge müssen sich in den kommenden Monaten wohl viele Mitarbeiter von Porsche am Hauptsitz in Stuttgart-Zuffenhausen nach einer neuen Stelle umschauen. „Im kommenden Jahr laufen schrittweise circa 600 befristete Arbeitsverträge aus, die nicht nochmals verlängert werden können“, sagte Betriebsratschef Harald Buck der dpa. Derzeit werde in Gesprächen mit der Unternehmensleitung versucht, einen Teil der Mitarbeiter, deren Verträge auslaufen, dauerhaft zu übernehmen. „Es zeichnet sich aber ab, dass nicht alle für immer übernommen werden können“, so Buck. „Die ersten Beschäftigungsverhältnisse enden zum Januar.“
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Ein befristeter Vertrag ist laut einem Unternehmenssprecher eine Chance auf eine Festanstellung und damit auf eine potenzielle Karriere bei Porsche. Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen der Autoindustrie, die durch die vielfältigen Herausforderungen in den vergangenen Jahren Arbeitsplätze abbauen mussten, habe Porsche die Zahl der Belegschaft in den vergangenen zehn Jahren beinahe verdoppelt. Der Sportwagenbauer beschäftigt keine Leiharbeiter, wie beispielsweise Nachbar Mercedes-Benz, der im Jahr 2022 700 davon im Werk Sindelfingen übernommen hatte. Porsche schließt dagegen befristete Verträge mit Mitarbeitern, die von denselben Leistungen profitieren wie die unbefristeten Angestellten.
Bei Porsche laufen 2024 befristete Verträge in „größerem Umfang“ aus
In den vergangenen Jahren hat Porsche nach eigenen Angaben überproportional viele Mitarbeiter in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis genommen. Das lag auch an der natürlichen Fluktuation beim schwäbischen Autobauer. „Demographische Entwicklungen haben in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass zahlreiche Kollegen etwa über die Altersteilzeit aus dem Unternehmen ausgeschieden sind“, so der Sprecher. „Inzwischen haben wir wieder einen eingeschwungenen Zustand erreicht, sodass befristete Verträge in 2024 in größerem Umfang auslaufen.“
| Name | Dr. Ing. h.c. F. Porsche Aktiengesellschaft (Porsche AG) |
|---|---|
| Gründung | 1931 |
| Sitz | Stuttgart, Baden-Württemberg |
| Leitung | Oliver Blume (CEO), Wolfgang Porsche (Aufsichtsratsvorsitzender) |
| Branche | Automobilindustrie |
| Produkte | Sportwagen, SUV-Modelle |
| Mutterkonzern | Volkswagen (seit 2009) |
| Mitarbeiter | 36.095 (2022) |
| Umsatz | 37,6 Milliarden Euro (2022) |
Laut Porsche-Betriebsratschef Buck gelte die Standortsicherung für den Großraum Stuttgart bis 2030 und in das Stammwerk in Zuffenhausen werde aktuell ordentlich investiert. „So wird aktuell das Karosseriewerk erweitert und es entstehen auch zusätzliche Logistikflächen.“ Der elektrische Porsche Macan wird zwar in Leipzig produziert, der seit langem angekündigte E-Boxster soll künftig aber in Zuffenhausen montiert werden.
Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

