Schwache Produktionszahlen

Audi will sich an Standort in Baden-Württemberg von mehreren hundert Zeitarbeitern trennen

  • schließen

Autobauer Audi will sich laut Medienberichten von allen Zeitarbeitern am Standort Neckarsulm trennen. Grund dafür sind offenbar die schwachen Produktionszahlen.

Neckarsulm - In der deutschen Autoindustrie reißen die Hiobsbotschaften kurz vor Weihnachten nicht ab. Gerade erst hatte der Autozulieferer ZF Friedrichshafen angekündigt, das Werk in Gelsenkirchen Ende 2024 schließen zu müssen. Auch der Ingolstädter Autobauer Audi will sich nach Informationen des SWR im kommenden Jahr von mehreren hundert Mitarbeitern an seinem Standort im baden-württembergischen Neckarsulm bei Heilbronn trennen.

Konkret plant das Unternehmen, das wie Sportwagenbauer Porsche zum VW-Konzern gehört, die Entlassung aller derzeit in Neckarsulm angestellten Zeitarbeiter. Auch Mercedes-Benz hatte aufgrund mehrerer Probleme in Bremen Schichten gekürzt und Leiharbeiter entlassen. Bei Audi wird die Maßnahme mit der schwächelnden Nachfrage nach E-Autos und den sinkenden Produktionszahlen begründet.

Audi will sich von Zeitarbeitern trennen, Beschäftigungsgarantie für Stammbelegschaft bleibt

Dem SWR zufolge soll die Entlassung bei Audi in Neckarsulm mehrere hundert Zeitarbeiter betreffen, der Autobauer selbst soll dagegen keine genauen Zahlen kommuniziert haben. Das Instrument Zeitarbeit werde genutzt, um Bedarfsspitzen abzudecken, erklärte eine Sprecherin. Für die Stammbelegschaft des nach dem Hauptsitz in Ingolstadt zweitgrößten Audi-Standorts gilt allerdings nach wie vor eine Beschäftigungsgarantie bis 2029. Eine solche Beschäftigungsgarantie gibt es auch für die Mercedes-Mitarbeiter in Deutschland, Betriebsratschef Ergün Lümali will diese aber bis 2035 verlängern.

Autobauer Audi will sich laut Medienberichten von mehreren hundert Zeitarbeitern in Neckarsulm trennen.

Die derzeit rund 15.500 Mitarbeiter von Audi in Neckarsulm wurden im Laufe des Vormittags über die Pläne informiert, Kurzarbeit soll es für sie trotz schwacher Produktionszahlen aber nicht geben. Audi hatte am Standort einige Probleme mit dem Anlauf der angekündigten A5 und A7, die eigentlich bereits früher in die Produktion gehen sollten. Da diese Modelle nicht vor dem zweiten Halbjahr 2024 in die Produktion gehen werden, müsse man die Zeit überbrücken. Einzelne Mitarbeiter sollen deshalb befristet in Ingolstadt oder in anderen Bereichen in Neckarsulm zum Einsatz kommen.

Audis E-Auto-Offensive schwächelt seit einiger Zeit

Die E-Auto-Offensive von Audi schwächelt seit einiger Zeit gewaltig. Um dem neuen Markenchef Gernot Döllner, der im September 2023 den vorherigen Audi-CEO Markus Duesmann ersetzte, einen guten Start zu ermöglichen, musste sogar die stärkste Marke des VW-Konzerns warten. Auf der IAA Mobility in München soll Konzernchef Oliver Blume Audi vorgezogen haben, wodurch die Präsentation des elektrischen Porsche Macan hinten anstand.

Geholfen hat der Boost aber offenbar wenig, da sich die neuen bitter benötigten erhofften Verkaufsschlager A5 und A7, die beide in Neckarsulm gebaut werden sollen, deutlich verzögern. Mutterkonzern VW hatte angekündigt, bis 2033 nur noch E-Autos verkaufen zu wollen, hat aktuell jedoch ebenfalls mit einer schwachen Nachfrage zu kämpfen. Deshalb mussten bereits Mitarbeiter im einstigen E-Auto-Vorzeigewerk in Zwickau gehen.

Hinweis der Redaktion: In einer frühen Version dieses Artikels war in der Überschrift von „Mitarbeitern“ die Rede. Das ist falsch, es handelt sich um Zeitarbeiter, von denen sich Audi im kommenden Jahr trennen will. Wir haben dies entsprechend korrigiert.

Rubriklistenbild: © Hendrik Schmidt/dpa

Kommentare