Weg zum Neustart

Porsche-Einstieg könnte Traditionsunternehmen Varta in die Zukunft führen – aber nicht ohne Verluste

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Durch den Einstieg von Investoren soll der angeschlagene Batteriekonzern Varta saniert und zukunftsfähig aufgestellt werden. Dabei gibt es allerdings einen gewissen Haken.

Stuttgart/Ellwangen - Beim Batteriekonzern Varta mit Sitz in Ellwangen (Ostalbkreis) brodelt es seit einiger Zeit gewaltig. Nachdem ein erstes großes Sanierungskonzept im vergangenen Jahr nicht ausreichend war, kündigte Varta kürzlich eine Neuaufstellung an, um eine drohende Insolvenz abzuwenden. Unterstützt werden soll dieser erneute Sanierungsversuch des schwäbischen Traditionsunternehmens von Investoren, was am Samstag, 17. August, konkretisiert wurde. Demnach soll eine Kapitalerhöhung durch eine Gesellschaft des Mehrheitseigners Michael Tojner sowie des Stuttgarter Autobauers Porsche den Finanzierungsbedarf der Varta AG langfristig sichern.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Konkret ist laut einer Mitteilung von Varta ein Schuldenschnitt und die Verlängerung von Krediten geplant, die den angeschlagenen Batteriekonzern wieder in die richtige Richtung lenken sollen. Porsche und die von Tojner kontrollierte Gesellschaft MT InvestCo sollen insgesamt 60 Millionen Euro bezuschussen. Die Finanzspritze und das Sanierungsverfahren kommen allerdings nicht ohne Verluste aus, die zum einen die Gläubiger und in kleinerem Ausmaß auch die Belegschaft von Varta betreffen werden. Das schwäbische Traditionsunternehmen hatte bereits im Vorjahr 800 Vollzeitstellen abgebaut.

Sanierungskonzept für Varta umfasst „moderaten“ Stellenabbau und Enteignung von Kleinaktionären

Laut der Mitteilung ist der erste Schritt des Sanierungskonzeptes für die Varta AG der Schuldenschnitt. Dadurch sollen die Schulden des Konzerns von aktuell 485 Millionen Euro auf künftig 200 Millionen Euro gesenkt werden. Porsche, über eine Beteiligungsgesellschaft, und MT InvestCo werden insgesamt 60 Millionen Euro frisches Kapital zuschießen und dafür neue Varta-Aktien erhalten. Der Stuttgarter Sportwagenbauer hatte vor der Einigung am Samstag bereits die mehrheitliche Übernahme der Varta-Tochter V4Drive Battery GmbH bekanntgegeben und die Bereitschaft zu einer Beteiligung an der finanziellen Neuaufstellung des Mutterkonzerns bekundet. Voraussetzung dafür sei aber eine erfolgreiche Sanierung von Varta, teilte Porsche mit.

Name Varta AG
Gründungsjahr 1887
Hauptsitz Ellwangen, Baden-Württemberg
Branche Elektrotechnik
Produkte Batterien, Akkus und Energiespeichersysteme
Umsatz 806,9 Millionen Euro (2022)
Mitarbeiter 4.498 (Ende 2022)

Dem Rettungsschirm für den angeschlagenen Batteriehersteller aus Baden-Württemberg hatten am Samstag sowohl die bisherigen Mehrheitseigner und Porsche als auch die Banken zugestimmt. Leer gehen allerdings die Kleinaktionäre aus, da Varta das Grundkapital im Rahmen des Sanierungskonzeptes vollständig auf null herabsetzen will. Wie unter anderem die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, soll es im Personalbereich keine großen Einschnitte geben. „Wir wollen wachsen, sowohl mit Batteriespeichern für Photovoltaik-Anlagen als auch mit den Knopfzellen für die Apple-Kopfhörer“, erklärte Varta-CEO Michael Ostermann. „Dort suchen wir derzeit sogar Personal“. Vorgesehen sei jedoch ein „moderater“ Stellenabbau in der Verwaltung.

Finanzierungskonzept soll angeschlagenen Batteriekonzern bis Ende 2027 absichern

Durch das beschlossene Sanierungs- und Finanzierungskonzept soll Varta bis Ende 2027 finanziell abgesichert sein. „Die heutige wirtschaftliche Einigung stellt einen entscheidenden Wendepunkt für die Zukunft der Varta AG dar“, erklärt Michael Tojner, der auch Aufsichtsratsvorsitzender von Varta ist, in der Mitteilung. Trotz der aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen biete das Unternehmen großes Potenzial, um Europas Unabhängigkeit in der Batterieproduktion zu gestalten. „Gemeinsam mit Porsche wollen wir einen Beitrag dazu leisten.“ Mit der Einigung sei ein erster Schritt gelungen, um der Varta AG einen Weg für einen Neustart zu ebnen.

Batteriekonzern Varta soll mit einem Sanierungs- und Finanzierungskonzept wieder zurück in die Spur finden.

Porsche selbst erklärte, dass der im Frühjahr beschlossene und vom Sportwagenbauer auf den Weg gebrachte Bau einer Fertigungsanlage für Booster-Zellen am Varta-Standort in Nördlingen (Bayern) planmäßig fortgeführt werde. „Varta und Porsche arbeiten beim Thema Hochleistungs-Batteriezellen eng zusammen“, sagte Finanzvorstand Lutz Meschke. „Mit der geplanten Mehrheitsübernahme von V4Drive wollen wir das Unternehmen voranbringen und damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt von Schlüsseltechnologien am Standort Deutschland leisten.“ Die eigene Batteriefabrik von Porsche könnte allerdings im Ausland entstehen, was ein „Rückschlag“ für Baden-Württemberg bedeuten würde.

Rubriklistenbild: © Stefan Puchner/dpa

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