VonMartin Simonschließen
Laut Bürgermeister Wolfgang Hofer kann die Gemeinde die nötigen Grundstücke sofort bereitstellen. Was aus Hofers Sicht für Essingen spricht und was er der Konkurrenz in Aalen und Mögglingen sagt.
Essingen. Wo wird die Regionalversorger-Klinik stehen? Aalen, Mögglingen und Essingen sind im Rennen. In Essingen, so heißt es, seien Ende 2023 Grundstücke für einen Neubau auf der grünen Wiese gekauft worden. Was ist dran?
„Zu Gerüchten lasse ich mich grundsätzlich nicht ein. Es gab in der Klinikdebatte leider schon viel zu viel davon“, antwortet Essingens Bürgermeister Wolfgang Hofer dieser Zeitung - und sagt dann doch etwas. Nämlich, dass Essingen alle Grundstücke sofort und passgenau für den Landkreis bieten könne.
Zur Erinnerung: Essingen hat jüngst öffentlich im Gemeinderat mit klarer Mehrheit einen Bebauungsplanaufstellungsbeschluss gefasst und eine förmliche Baulandumlegung für den „Standort Klinikum“ angeordnet. Mehrere Standorte waren zuvor geprüft worden. Letztlich fiel die Wahl auf ein 21,5 Hektar großes Areal im Stockert, wobei für einen Klinik-Neubau etwa 11,5 Hektar vorgesehen wären.
Essingen ist gewappnet und könnte sofort durchstarten
Dass Essingen seitdem nicht untätig war, räumt Bürgermeister Hofer gerne ein: „Wir dürfen davon ausgehen, dass Essingen nun die vom Kreis im Bieterwettbewerb geforderte Flächenbereitstellung durch eigene kommunale Flächen, durch die erklärte Beteiligung von privaten Besitzern und durch Tauschflächen bei weitem erfüllen kann“, sagt er. „Die genaue Grundstücksneubildung und Zuteilung von Flächen für das Klinikum wird ja erst später, je nach Fortschritt des Bebauungsplanverfahrens und der Baulandumlegung, passgenau entwickelt werden“, fügt er hinzu.
Damit ist klar; Essingen kann und will Standort für den Regionalversorger werden.
Hofer listet viele Vorteile am Standort Essingen auf
„Es geht einzig um den besten Standort für den gesamten Ostalbkreis“, betont Hofer. Dazu war im Wettbewerbsverfahren ein etwa 100-Punkte-Anforderungs- und Kriterienkatalog zu erfüllen, „und das ist uns in Anbetracht der kurzen Zeit, hervorragend gelungen“, sagt Hofer.
Lage: Essingen liege optimal und zentral im Ostalbkreis und ideal an der ausgebauten B 29, sagt er. Es seien nur minimale verkehrstechnische Eingriffe und auch keine Rodungen von Wäldern erforderlich, auch die Zufahrt zur Bundesstraße sei bereits fertig.
Erreichbarkeit: „Ein großer Teil der Aalener Bewohner wäre sogar schneller am Standort Klinikum Essingen als bei der bisherigen Kombiklinik“, sagt Hofer.
Kostenvorteile:Die Kosten seien „bei einem Neubau ohne Sachzwänge“ um ein Vielfaches günstiger, „als bei einer komplex verbauten Altanlage“, ist Hofer überzeugt. Abläufe und Wege könnten bei einem Neubau optimiert werden, was bei einem Umbau nicht einfach zu lösen sei. „Alleine der Umbaukostenzuschlag von 25 Prozent für Architekten und Ingenieure beim Altbau kostet zig Millionen Euro. Architekt Isin rechnet in Aalen mit Kosten von rund 4000 Euro je Kubikmeter, das ist viel zu wenig“, meint Hofer. Zudem: „Die Bauzeit bei Neubau ist viel kürzer als bei Altbausanierung.“
Logistik beim Umzug: Ein Neubau erlaube es, den Klinikbetrieb in den drei Häusern aufrecht zu erhalten, bis zum Tag des Umzugs. „In Winnenden hat der Umzug von drei Kliniken in ein Haus nach einer logistischen Meisterleistung nur zwei Tage gedauert. Das erspart Patienten, Ärzten und Personal viel Stress gegenüber einem Umbau“, sagt Hofer.
Vorteile für Essingen: Der Klinikstandort könne die Reaktivierung des Bahnhalts Essingen bringen, was auch der Umwelt helfe. „Was es bringt, wenn wir plötzlich rund 2000 Geburten jährlich haben, das muss man sehen“, lacht Hofer.
Die Stimmung in Essingen sei gut
„Der Gemeinderat steht wie eine Eins zum Beschluss. Die Stimmung im Ort ist nach einer kurzen Eingewöhnungsphase inzwischen sehr positiv. Mich hat es gefreut, wie großartig der Zuspruch bei der Anhörung zur Baulandumlegung und wie stark die Bereitschaft zur Flächenbereitstellung für einen Regionalversorger in Essingen war“, sagt Wolfgang Hofer.
Und er betont auch, dass Essingen kein finanzielles Risiko eingehe: „Das ist wohl logisch, dass der Landkreis, beziehungsweise der Eigenbetrieb Kliniken, die nötigen Flächen erwerben wird, wenn der Kreisrat sich für den Standort Essingen entscheidet. Bislang sind noch keine speziellen Verträge oder konkreten Kosten für ein Klinikum angefallen, da die Standortentscheidung noch aussteht“, endet er.
Das sagt Wolfgang Hofer zur Standort-Konkurrenz
„Essingen könnte mit allen Standortvarianten gut leben. Das sollte aber auch für Mögglingen und Aalen gelten“, betont Hofer.
Dass sich Aalens OB Frederick Brütting für den Erhalt seines Altstandorts einsetze, sei „nachvollziehbar und redlich“, meint Hofer.
Essingen sei erst Ende September 2023 vom Kreis aufgefordert worden, einen optimalen Standort für den Ostalbkreis und dessen Bürger anzubieten, „also nicht nur für Essingen alleine“, erinnert Hofer.
„Als unser Gemeinderat Ende Oktober entschied, da hatte Aalen schon zwei Auflagen einer aufwendigen Broschüre verteilt, da gab es einen zeitlichen Vorsprung gegenüber uns und Mögglingen. Essingens Gemeinderat hat dennoch als einziges zuständiges Gremium seine Entscheidungen öffentlich, offen und nachvollziehbar dargelegt“, stellt Hofer klar.
In Aalen sei die Initiative aus dem Ältestenrat gekommen. „Der Ältestenrat in Essingen dürfte solch weitreichende Entscheidungen kommunalrechtlich gar nicht ohne das Gesamtgremium entscheiden“, sagt Hofer und ergänzt, anders als Mögglingen habe Essingen auch darauf verzichtet, die Sache nichtöffentlich zu beschließen.
So wird in Mögglingen diskutiert
„Ich werde mich aber davor hüten, alle Nachteile der anderen Standorte aufzuzählen oder diese schlecht zu reden“, sagt er.
So kämpft Aalen gegen den möglichen Standort in Essingen
Essingen lege nun die Entscheidung über den richtigen Standort in die Hand des Kreistags und warte ab. ⋌mas

