VonKatharina Scholzschließen
Auf der Ostalb gibt es viel weniger Gemeinderätinnen als Gemeinderäte. Nadine Patzelt und Rita Mager sprechen darüber, woran das liegt und wie sich das ändern kann.
Aalen. Nadine Patzelt ist vielfach auf Frauen zugegangen. Sie ist Mitglied im Aalener Gemeinderat und wollte andere Frauen bewegen, sich ebenfalls dort zu engagieren und bei der Kommunalwahl am 9. Juni für die CDU zu kandidieren.
„Ich bin selbst eine Frau, deswegen ist für mich einfacher, auf Frauen zuzugehen“, sagt sie. Doch sie zu überzeugen, sei nicht so einfach gewesen. Bereits beim politischen Aschermittwoch der Aalener CDU hatte Patzelt darüber gesprochen.
Frauen haben weniger Zeit
„Familie, Beruf, Haushalt: Für viele Frauen ist es ein großes Thema, alles unter einen Hut zu bringen“, sagt sie im Gespräch mit der Redaktion. Viele der Frauen, die sie angesprochen habe, seien schon ehrenamtlich engagiert. „Viele waren sehr motiviert“, sagt Patzelt. „Aber der Ruf der Gemeinderatssitzungen eilt uns voraus.“ Sitzungen in Aalen dauern sehr lang. Um mehr Frauen zu gewinnen, hält es Patzelt für wichtig, Sitzungen effektiver und zügiger zu gestalten.
Rita Mager, die Vorsitzende des Kreisfrauenrats, nennt ganz ähnliche Gründe dafür, dass Frauen oft nicht kandidieren wollen. Ihr zufolge leisten Frauen einen Großteil der Care-Arbeit. Wenn Sitzungen sind, müssten die Frauen die Kinderbetreuung organisieren. „Der Partner muss bereit sein, die Kinder zu übernehmen“, sagt Mager. Wenn Männer abends Termine haben, sei es oft selbstverständlich, dass sich die Frau währenddessen um die Kinder kümmert. Andersherum sei es nicht so selbstverständlich.
Kinderbetreuung während den Sitzungen
Positiv hebt Mager das Beispiel Schwäbisch Gmünd hervor. Ihr zufolge bezahlt die Stadt einen Zuschuss zu Kinderbetreuungskosten während der Sitzungen. Organisieren müssten die Gremienmitglieder die Betreuung aber selbst. Mager schlägt vor, Kinderbetreuung in den Rathäusern anzubieten. Zumindest in den Großen Kreisstädten, wo die Sitzungen nachmittags beginnen, könnte das ihrer Meinung nach eine Art sein, Gremienarbeit für Frauen attraktiver zu machen. In kleinen Gemeinden wie Waldstetten, wo sie wohnt, seien die Sitzungen in der Regel abends, wenn kleinere Kinder schon ins Bett müssten. Sowohl Patzelt als auch Mager erwähnen, dass es nicht nur um die Gemeinderatssitzungen selbst geht. Dazu kommen Ausschusssitzungen, Fraktionssitzungen und Zeit für die Vorbereitung.
Große Erwartungen an sich selbst
Aber nicht immer ist er der Faktor Zeit, der die Frauen davon abhält zu kandidieren. Manche, so erzählt Patzelt, hätten ihr gesagt, dass sie es sich nicht zutrauen, dass sie Angst haben, in der Öffentlichkeit etwas falsch zu machen. So sieht das auch Mager. „Es gehört Mut dazu, sich zur Wahl zu stellen“, sagt sie. Der Anspruch an sich selbst, Leistung zu bringen, sei bei Frauen oft höher als bei Männern. „Das Selbstvertrauen ist nicht immer da“, sagt Mager. Patzelt macht Mut: „Ein Amt prägt, man wird selbstbewusster.“
Andere Erfahrungen
Sowohl Patzelt als auch Mager finden es wichtig, dass noch mehr Frauen in Gremien gewählt werden. „Frauen und Männer haben unterschiedliche Ansichten und Erfahrungen“, sagt Patzelt. Zum Beispiel auf die Themen Bildung, Kinderbetreuung oder Gesundheit könne man als Frau anders schauen als ein Mann. Mager sagt: „Es gibt Studien, die belegen, dass Unternehmen erfolgreicher sind, wenn sie Führungspositionen gemischt besetzt haben“, sagt Mager. Daher ist sie überzeugt, dass die weibliche Perspektive auch zum Erfolg von Städten und Gemeinden beiträgt.
Meinungen zur Frauenquote
Patzelt findet eine gute Durchmischung in den Gremien wichtig. Das betrifft für sie nicht nur Männer und Frauen, sondern auch jüngere und ältere Menschen und verschiedene Berufe. „Ich möchte keine Quotenfrauen“, sagt Patzelt. Auf der CDU-Liste für die Gemeinderatswahl in Aalen stünden zwar weniger Frauen als Männer. „Aber die Frauen, die auf der Liste stehen, haben Lust und möchten sich engagieren.“
Mager sieht das anders. „Ich war früher gegen die Quote“, sagt sie. Heute lobt sie alle, denen es gelingt, eine Liste im Reißverschlussverfahren aufstellen, also Frauen und Männer abwechselnd. Die Grünen streicht sie dabei hervor. Mager sagt: „Ohne Quote brauchen wir noch lange, bis wir die Gleichberechtigung erreicht haben.“
Mehr zum Thema: Auf dem Weg zur Gleichberechtigung gibt es immer noch viel zu tun
Interview mit der Aalener Gleichstellungsbeauftragten Anna-Lena Mutscheller
Frauenanteil in den Gremien im Ostalbkreis
Kreistag: 27,4 Prozent Frauenanteil, 73 Mitglieder, davon 20 Frauen
Gemeinderat Aalen: 34 Prozent Frauenanteil, 50 Mitglieder, davon 17 Frauen
Gemeinderat Schwäbisch Gmünd: 38,4 Prozent Frauenanteil, 52 Mitglieder, davon 20 Frauen
Gemeinderat Ellwangen: 25 Prozent Frauenanteil, 36 Mitglieder, davon 9 Frauen
übrige Ostalb-Kommunen im Durchschnitt: 23,91 Prozent Frauenanteil in den Gemeinderäten
Kommunen in Baden-Württemberg im Durchschnitt: 26,8 Prozent Frauenanteil in den Gemeinderäten


