Zukunftsfrage aufgeschoben

Finanzierung des insolventen Autozulieferers zunächst sicher – Sorge bei Allgaier-Mitarbeitern bleibt

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Beim insolventen Autozulieferer Allgaier gibt es eine Finanzierungssicherheit für 2024. Die Sorge bei den Mitarbeitern besteht allerdings weiterhin.

Stuttgart/Uhingen - Ende Juni hatte der schwäbische Autozulieferer Allgaier einen Insolvenzantrag gestellt und sich damit rund ein Jahr nach der Übernahme durch einen chinesischen Investor zahlungsunfähig gemeldet. Für die Mitarbeiter des Unternehmens mit Stammsitz in Uhingen (Kreis Göppingen) war die Nachricht zunächst mit Sicherheit ein Schock, ein Gewerkschafter der IG Metall bezeichnete die Allgaier-Insolvenz aber als „Chance“ für das Unternehmen. Der Stuttgarter Rechtsanwalt Fritz Zanker, der zum vorläufigen Insolvenzverwalter erklärt wurde, teilte Ende Juni in einer Mitteilung der Pluta Rechtsanwaltskanzlei mit, dass die Gehälter der Allgaier-Mitarbeiter für drei Monate gedeckt seien und der Betrieb weitergeführt werde.

Der Autozulieferer Allgaier beschäftigt weltweit rund 2.000 Mitarbeiter, davon 1.600 an Standorten in Deutschland. Der Insolvenzantrag wurde zunächst für das Stammwerk Allgaier-Werke in Uhingen gestellt, nachfolgend aber auch für die anderen deutschen Gesellschaften der Gruppe. Rund fünf Wochen nach dem Insolvenzantrag haben die Insolvenzverwalter von Pluta nach Angaben der Stuttgarter Nachrichten die Finanzierung für das nächste halbe Jahr gedeckt und auch bereits Pläne für 2024. Bei der Belegschaft bleibt jedoch die Sorge, zumal es offenbar aufgrund des Tarifvertrags einige Probleme mit der Auszahlung des Insolvenzgeldes gibt.

Autozulieferer Allgaier: Finanzierung zunächst gesichert – Verunsicherung bei Mitarbeitern bleibt

Dass die Finanzierung bei Allgaier für das nächste halbe Jahr gesichert ist und es auch zuversichtliche Pläne für das kommende Jahr gibt, wurde den Mitarbeitern des Autozulieferers vergangene Woche über das Mitarbeiter-Informationsnetz bekannt gegeben. Insolvenzverwalter Michael Pluta erklärte den Stuttgarter Nachrichten zufolge, dass man die Lieferketten wieder in Gang gesetzt habe. „Das heißt, wir haben die Spediteure bezahlt, sodass die Autohersteller beliefert werden können und die Bänder nicht stillstehen.“ Bei den Mitarbeitern besteht dennoch Verunsicherung, wie es mit dem seit einigen Jahren stark angeschlagenen Unternehmen weitergehen wird. „Es gibt immer wieder mal Verunsicherung“, hatte Dejan Wick, Gewerkschaftssekretär bei der IG Metall Göppingen-Geislingen bestätigt.

Name Allgaier Werke
Gründung 1906
Hauptsitz Uhingen, Baden-Württemberg
Branche Maschinenbau, Automobilindustrie
Produkte Landmaschinen, Traktoren, Automobilteile, Maschinen und Anlagen für die Industrie
Leitung Achim Agostini, Vorsitzender der Geschäftsführung
Mitarbeiter 1.600 (Deutschland), 2.000 (weltweit)

Die IG Metall Baden-Württemberg hat in der Autozulieferindustrie in den vergangenen Wochen einige Erfolge erzielt. Mit Bosch verständigte sich die Gewerkschaft auf einen Kündigungsschutz bis 2027 für alle deutschen Mobility-Standorte und bei der ZF gibt es am Hauptsitz in Friedrichshafen ebenfalls klare Zukunftsperspektiven. Die beiden größten deutschen Autozulieferer kämpfen derzeit, wie auch zahlreiche Mittelständler, mit der großangelegten Transformation zur E-Mobilität. Die Insolvenz bei Allgaier ist allerdings auf Liquiditätsschwierigkeiten zurückzuführen, die von einer Restrukturierung in den Jahren 2020 bis 2022 stammt und durch die Corona-Pandemie und die unterbrochenen Lieferketten erschwert wurde.

Allgaier: Investorensuche soll im August beginnen – Insolvenzverwalter zeigt sich zuversichtlich

Obwohl die Insolvenz von Allgaier für viele ein Schock war, sieht die Arbeitnehmergewerkschaft IG Metall die Maßnahme als wichtigen Schritt zur Zukunftssicherung des schwäbischen Traditionsunternehmens. Ein Stellenabbau steht, laut dem Geschäftsführer der IG Metall Göppingen-Geislingen, nicht im Raum. „Wir sehen diese Stellen im Moment nicht als bedroht an“, hatte Martin Purschke Ende Juni der Wirtschaftswoche gesagt. „Im Gegenteil: Wäre jetzt nicht die Insolvenz eingetreten, dann wäre das ganze Unternehmen massiv gefährdet worden.“ Dennoch gibt es aktuell offenbar einige Unsicherheiten in Bezug auf die Auszahlung des Insolvenzgeldes, wodurch auch die Mitarbeiterlöhne gedeckt sind.

Beim insolventen Autozulieferer kehrt durch eine Finanzierungssicherheit vorerst Ruhe ein. Die Investorensuche soll im August beginnen.

Laut Gewerkschaftssekretär Dejan Wick sei der Grund dafür die komplexen Tarifverträge beim Autozulieferer, die Mitarbeiter seien dennoch „motiviert und bei der Sache“. Mit der Finanzierungssicherheit können die Bänder beim Traditionsunternehmen, das vorrangig Press- und Blechteile sowie sie Sieb-, Trocknungs- und Granulierungsanlagen produziert, weiter laufen und die Kunden weiter beliefert werden. Wie Insolvenzverwalter Michael Pluta vor einigen Tagen gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erklärte, soll die Suche nach einem Investor im August beginnen. Der Rechtsanwalt erklärte zudem, dass er positiv in die Zukunft des Unternehmens schaue, da die produzierten Komponenten nicht von einem bestimmten Antrieb abhängen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Arnulf Hettrich

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