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Laut dem Statistischen Landesamt ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Baden-Württemberg im ersten Quartal 2024 erneut deutlich gestiegen.
Stuttgart - Im ersten Halbjahr 2023 hatten mehr als 900 Unternehmen aus Baden-Württemberg Insolvenz angemeldet und auch im neuen Jahr stellte sich keine Besserung ein. Einer aktuellen Mitteilung des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg zufolge ist die Anzahl an Unternehmensinsolvenzen im ersten Quartal 2024 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar drastisch angestiegen. Bei den Privatinsolvenzen ist ebenfalls eine Steigerung bemerkbar. Als Grund dafür können weiterhin die hohen Kosten und die nachlassende Kundennachfrage genannt werden. Erst vor wenigen Tagen hat ein Immobilienunternehmen aus Baden-Württemberg Insolvenz angemeldet.
Eine Insolvenz wird dann bei den zuständigen Amtsgerichten angemeldet, wenn ein Unternehmen nicht mehr selbstständig dazu in der Lage ist, Zahlungsverpflichtungen seiner Gläubiger nachzukommen. Eine solche Anmeldung muss nicht zwingend mit dem Ende des Betriebs einhergehen; im ersten Quartal 2024 konnten einige Unternehmen aus der Insolvenz gerettet werden. Der Felgenhersteller BBS aus dem Schwarzwald wurde durch einen Investoreneinstieg sogar aus seiner vierten Insolvenz gerettet. Die hohe Zahl an Anmeldungen ist dennoch ein Grund zur Sorge.
624 Unternehmen haben im ersten Quartal 2024 in Baden-Württemberg Insolvenz angemeldet
Das Statistische Landesamt in Stuttgart hatte bereits im vergangenen Jahr einen deutlichen Anstieg an Unternehmensinsolvenzen verzeichnet, die auf die Inflation und die hohen Preise zurückzuführen waren. Nach Auswertung der neuesten Ergebnisse der Insolvenzstatistik verkündete das Amt am Montag (3. Juni) in einer Mitteilung aber, dass die Anzahl im ersten Quartal erneut deutlich gestiegen sei. Konkret haben in den Monaten Januar, Februar und März insgesamt 624 Unternehmen an den Amtsgerichten in Baden-Württemberg Insolvenz angemeldet. Das bedeutet eine Steigerung von gut einem Drittel oder 34,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Die #Unternehmensinsolvenzen sind im 1. Quartal 2024 deutlich gestiegen: Bei den Amtsgerichten in Ba-Wü wurden insgesamt 624 Unternehmensinsolvenzen beantragt. Das waren 161 Insolvenzverfahren (+34,8 %) mehr als im 1. Quartal des Vorjahres.
— Statistisches Landesamt Baden-Württemberg (@Statistik_BW) June 3, 2024
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Besonders betroffen war mit 105 Insolvenzanmeldungen erneut das Baugewerbe im Land, das bereits seit einiger Zeit massiv zu kämpfen hat. Bundesweit haben einer Auswertung zufolge sogar über 600 Immobilienunternehmen im ersten Quartal 2024 Insolvenz angemeldet. Dem Statistischen Landesamt zufolge war neben der Baubranche in Baden-Württemberg der Einzelhandel massiv betroffen, wo sich die Anzahl der Verfahren im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar mehr als verdoppelt hat. Als Beispiel kann der Raumausstatter TTL OP aus Heidenheim genannt werden, der Mitte Februar Insolvenz angemeldet hat.
Auch die Zahl der Privatinsolvenzen in Baden-Württemberg ist gestiegen
Neben der gestiegenen Anzahl an Unternehmensinsolvenzen hat das Statistische Landesamt auch deutlich mehr Privatinsolvenzen im Land erfasst. Demnach beantragten im ersten Quartal 2024 2.704 Privatschuldner die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, was eine Steigerung um 270 beziehungsweise um 11,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Ein Großteil fiel dabei auf Arbeitnehmer, Auszubildende, Arbeitslose oder Rentner. Insgesamt wurden in Baden-Württemberg von Januar bis März 2024 3.328 Insolvenzverfahren beantragt; die voraussichtliche Forderung der Gläubiger beläuft sich auf etwa 977 Millionen Euro.
Zudem haben sich überregionale Insolvenzen in 2024 bereits auf die Wirtschaft im Südwesten ausgewirkt. Die Warenhauskette Galeria Kaufhof muss weitere Filialen schließen, darunter Häuser in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.
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