VonJulian Baumannschließen
Die Arbeitnehmervertreter wollen gegen den angekündigten Stellenabbau bei der ZF Friedrichshafen vorgehen. Unter anderem ist ein Aktionstag angesetzt.
Friedrichshafen - Nachdem bereits seit einiger Zeit vonseiten der Arbeitnehmervertreter ein drastischer Stellenabbau beim Technologiekonzern ZF Friedrichshafen befürchtet wurde, ist die Gewissheit seit einigen Wochen da. Der Autozulieferer vom Bodensee hat angekündigt, im Rahmen einer Neuaufstellung allein in Deutschland bis zu 14.000 Arbeitsplätze abbauen zu wollen. Bei einer Pressekonferenz zur Halbjahresbilanz hatte ZF-Chef Holger Klein die Zahl bestätigt und angekündigt, den Abbau möglichst sozialverträglich gestalten zu wollen. Dennoch gehen die Arbeitnehmervertreter seit der Ankündigung auf die Barrikaden und setzen einen erneuten Aktionstag an einem ZF-Standort an.
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Nach Angaben der ZF Friedrichshafen ist es aktuell noch zu früh, um zu sagen, in welchem Umfang der Stellenabbau welche deutschen Standorte betreffen wird. Dennoch befürchten die einzelnen Betriebsräte natürlich, dass auch ihre Werke den Sparmaßnahmen beim Stiftungskonzern zum Opfer fallen könnten. Die IG Metall Schweinfurt ruft gemeinsam mit dem Betriebsrat und den Beschäftigten zu einem Aktionstag am 10. September auf und an anderen ZF-Standorten regt sich ebenfalls Widerstand. Beim Autozulieferer Bosch hatten die Proteste bereits Wirkung, da der angekündigte Stellenabbau abgemildert werden konnte.
Stellenabbau bei ZF Friedrichshafen: Betriebsrat und Gewerkschaft stellen Forderungen für Standort
Konkret hatte die ZF Ende Juli in einer Pressemitteilung angekündigt, die Konzernstrukturen zu verschlanken und gewisse Bereiche zusammenlegen zu wollen. Dabei machte der schwäbische Weltkonzern kein Geheimnis daraus, dass man bis 2028 zwischen 11.000 und 14.000 Mitarbeiter weniger beschäftigen werde. Am Standort Schweinfurt, der zur Division E (Elektrifizierte Antriebstechnologien) gehört, sind rund 6.000 Menschen beschäftigt. „Es wird derzeit so viel infrage gestellt“, betonte Thomas Höhn, der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Schweinfurt, laut einer Mitteilung. „Wir müssen um den Industriestandort Schweinfurt kämpfen.“
Der Betriebsrat und die Gewerkschaft stellen deshalb Forderungen für den ZF-Standort Schweinfurt:
- Schweinfurt soll ein drei Betriebe-Standort – Multidivision, Aftermarket und Race (Motorsportanwendungen) – bleiben.
- Forderung nach einer gut ausgestatteten Entwicklung, einer hochproduktiven Fertigung und Logistik sowie integriertem Service und Administration am Standort.
- Prozesse sollen wieder in den Mittelpunkt gestellt und weiterentwickelt werden.
- Aus- und Weiterbildungen sollen modernisiert und für die Zukunft aufgestellt werden.
- Forderung nach Neuansiedlung von wettbewerbsfähigen Produkten und Dienstleistungen, um die Beschäftigung am Standort zu sichern.
(Quelle: IG Metall Schweinfurt, Pressemitteilung vom 23. August 2024)
Um den Forderungen Nachdruck zu verleihen, ruft die Gewerkschaft am 10. September um 12 Uhr zu zwei parallelen Veranstaltungen am Standort Schweinfurt auf. Anhand von Erfahrungen der vergangenen Monate – beispielsweise bei einer großen Kundgebung am Stammsitz in Friedrichshafen oder der Solidarität für das Werk in Gelsenkirchen – lässt sich ableiten, dass diesem Aufruf mutmaßlich auch ZF-Mitarbeiter anderer deutscher Standorte folgen werden.
ZF-Gesamtbetriebsrat in Friedrichshafen hat bereits Widerstand angekündigt
Das ZF-Werk Schweinfurt ist nicht der einzige Standort, an dem sich Widerstand gegen den geplanten Stellenabbau regt. Bereits Ende Juli hatte die IG Metall Friedrichshafen-Oberschwaben die Maßnahme der Konzernführung als „Entscheidung gegen Deutschland“ bezeichnet und Widerstand angekündigt. „Diese Ankündigung schürt Ängste, wo wir eigentlich den vollen Einsatz für die Belieferung der Kunden, die Bewältigung der Rezession und die Transformation brauchen“, hatte ZF-Gesamtbetriebsratschef Achim Dietrich betont. „Die Beschäftigten und deren Interessenvertretung werden sich entschieden gegen Pläne wehren, die einseitig nur darauf setzen, die Lohnkosten zu drücken.“
BW24 hatte auch über die Schließung des ZF-Standorts Gelsenkirchen zum Jahresende berichtet, die trotz massiver Proteste und großer Solidarität von Mitarbeitern mehrerer deutscher Werke nicht verhindert werden konnte.
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