VonJulian Baumannschließen
Ein im Jahr 1956 eingeweihtes Bauwerk in Baden-Württemberg war die Blaupause für viele ähnliche Konstruktionen, von Berlin bis ins Ausland.
Stuttgart - Was der Eiffelturm für Paris ist, ist der Fernsehturm für Stuttgart: das Wahrzeichen, das auf dem Hohen Bopser über dem Kessel der Landeshauptstadt thront und von nahezu überall in der Innenstadt sichtbar ist. Der Fernsehturm ist eines der höchsten Gebäude in Baden-Württemberg, und am Fuße des Turms liegt mit dem Gazi-Stadion das älteste Fußballstadion Deutschlands. Wie auch beim Eiffelturm war die Konstruktion in ihrer Entstehung umstritten, der Stuttgarter Fernsehturm wird aber nicht umsonst als UNESCO-Weltkulturerbe gehandelt, denn er war der weltweit erste seiner Art.
Die Stadt Stuttgart gilt durch Weltfirmen wie Mercedes-Benz, Porsche, Bosch und Mahle, die alle ihren Sitz in der Stadt haben, als Autostadt, war aber auch seit jeher eine Medienstadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg, der durch die vielen Bombardierungen der Stadt stark zugesetzt hatte, sollte in den 1950er Jahren der Fernsehbetrieb wieder aufgenommen werden, doch es fehlte ein Sender. Nachdem eine erste Planung verworfen wurde, wurde deshalb in Rekordzeit der Fernsehturm errichtet, der als Blaupause für viele ähnliche Gebäude weltweit eine neue Ära des Turmbaus einleitete.
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Stuttgarter Fernsehturm wurde in nur 20 Monaten errichtet und gilt als Blaupause des Turmbaus
In den frühen 1950er Jahren war der Fernsehempfang im Stuttgarter Stadtgebiet noch sehr begrenzt, was durch die Kessellage der Stadt noch zusätzlich erschwert wurde. Das machte sich am 2. Juni 1953 besonders negativ bemerkbar, da die Krönung von Queen Elizabeth – der ersten Direktübertragung der Fernsehgeschichte – nur durch spezielle Antennen von außerhalb des Kessels empfangbar war. Das war auch dem Süddeutschen Rundfunk (SDR) bewusst, der daraufhin plante, einen 200 Meter hohen Stahlgittermast zu errichten, wie die Stadt Stuttgart auf ihrer Seite schildert.
| Name | Stuttgarter Fernsehturm |
|---|---|
| Standort | Stuttgart-Degerloch, Baden-Württemberg |
| Bauzeit | 1954 bis 1956 |
| Höhe | 217 Meter |
| Architekten | Fritz Leonhard und Erwin Heinle |
| Verwendung | Fernsehturm, Fernmeldeturm, Rundfunksender, Restaurant, Aussichtsturm |
| Besitzer | Südwestrundfunk (SWR) |
Der bekannte Stuttgarter Bauingenieur Fritz Leonhard, der später auch beim Bau der höchsten Brücke Deutschlands beratend zur Seite stand, hörte von dem Vorhaben des SDR und argumentierte, dass ein solcher Mast die Höhenlage der Stadt verschandeln würde. Anstatt eines Sendemasts sollte ein Aussichtsturm gebaut werden, was Leonhard als Bauingenieur und Architekt zusammen mit dem Architekten und Hochschullehrer Erwin Heinle auch umsetzte. Nach nur 20 Monaten Bauzeit wurde der 217 Meter hohe Stahlbetonturm am 5. Februar 1956 eingeweiht.
Fernsehturm Stuttgart löste 1956 eine globale Turmbauwelle aus
Mit der Einweihung im Jahr 1956 war der Stuttgarter Fernsehturm der Erste der Welt und löste als Blaupause für viele ähnliche Konstruktionen eine weltweite Turmbauwelle aus. Mit Sicherheit wurde auch der rund zehn Jahre später erbaute Berliner Fernsehturm, der mit 368 Metern der höchste in Deutschland ist, vom Stuttgarter beeinflusst. Bewiesen ist, dass sich die Planer ähnlicher Bauten in Frankfurt, Dortmund und auch im Ausland von dem Stahlbetonturm auf dem Hohen Bopser haben inspirieren lassen.
Der Stuttgarter Fernsehturm als erster seiner Art ist jedoch nicht nur ein architektonisches Meisterstück und Vorbild für Architekten und Planer weltweit, sondern bis heute das Wahrzeichen der Landeshauptstadt und eines der beliebtesten Ausflugsziele Stuttgarts. Der Turm erhielt bereits 1959 einen Architekturpreis, wurde 1986 in die Liste der Kulturdenkmäler aufgenommen und 2009 mit dem Titel Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland von der Bundesingenieurskammer ausgezeichnet. Geöffnet ist der Fernsehturm für die Öffentlichkeit jeden Tag von 10 bis 22 Uhr.
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