Vor Ausbildungsbeginn informiert

Unternehmen aus Baden-Württemberg will eingestellte Azubis entlassen – IG Metall läuft Sturm

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Das neue Ausbildungsjahr hat gerade erst begonnen, doch ein Unternehmen aus Baden-Württemberg will seine Azubis der IG Metall zufolge bereits wieder loswerden.

Schwaigern - Am 2. September haben in Baden-Württemberg wieder viele junge Menschen eine Ausbildung begonnen, auch wenn trotz des akuten Fachkräftemangels nicht alle Stellen besetzt werden konnten. Der Stuttgarter Kabelkonzern Lapp hatte mehr Ausbildungsmöglichkeiten ausgeschrieben als jemals zuvor, konnte aber dennoch nicht alle Stellen besetzen. Beim Kunststoffhersteller iwis mechatronics am Standort Schwaigern (Kreis Heilbronn) sollen laut der IG Metall zehn Auszubildende, die ihre Ausbildung im September begonnen haben, zeitnah entlassen werden.

Aufgrund der vielfältigen Herausforderungen setzen aktuell viele Unternehmen auf Maßnahmen zur Kostenreduktion. Eine Bosch-Tochter hat die Arbeitszeit und damit die Gehälter von rund 2.300 Mitarbeitern gekürzt und Maschinenbauer Manz meldete an zwei Standorten in Baden-Württemberg Kurzarbeit an. Bei iwis mechatronics soll nach der Darstellung der Arbeitnehmervertreter dagegen bei der Ausbildung gespart werden. Neben dem Abbruch von zehn Ausbildungen will das Unternehmen offenbar mittelfristig auch keine neuen Azubis mehr einstellen.

iwis mechatronics hat Auszubildende offenbar noch vor Start über baldige Entlassung informiert

Der Pressemitteilung der IG Metall Geschäftsstelle Heilbronn-Neckarsulm zufolge fordert die Gewerkschaft gemeinsam mit dem Betriebsrat und der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) eine Fortsetzung der Ausbildungsverhältnisse bei iwis mechatronics. „Der Umgang mit den betroffenen neuen Auszubildenden ist nicht nachvollziehbar und entbehrt einem respektvollen Umgang“, heißt es in der Mitteilung. Die betroffenen Azubis haben die Nachricht über ihre zeitnahe Entlassung demnach am vergangenen Freitag (30. August) – und damit noch vor dem eigentlichen Ausbildungsstart – erhalten.

Die heutige iwis mechatronics GmbH & Co. KG ist ein traditionsreiches Unternehmen der Kunststoff- und Metallverarbeitung, das über 55 Jahre als Hauptsitz der Soehergroup fungierte, bevor die gesamte Gruppe im Mai 2021 von der Münchener iwis SE & Co. KG übernommen wurde. Eine Ausbildung bei dem Technologieführer aus Baden-Württemberg ist offenbar noch immer begehrt, da viele betroffene Azubis bei Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretern den Wunsch äußerten, ihre gerade erst begonnene Ausbildung im Unternehmen fortsetzen zu können.

Arbeitnehmervertreter fordern Umdenken bei iwis mechatronics in Schwaigern

Laut der IG Metall sei das Unternehmen groß genug, um die Ausbildungen fortsetzen zu können, „wenn auch auf zahlenmäßig niedrigerem Niveau“. Die Gewerkschaft bezweifelt zudem, dass eine Reduzierung der Ausbildungsstellen zu wirklich signifikanten Einsparungseffekten führen werde. „Die Probleme der Firma iwis mechatronics, welche hinter der aktuellen wirtschaftlichen Lage stecken, werden durch die vorgestellten Maßnahmen der Geschäftsleitung, nach Auffassung der Arbeitnehmervertretung und der Gewerkschaft, nicht gelöst.“

Das Unternehmen iwis mechatronics in Schwaigern (Kreis Heilbronn) will offenbar bei den Ausbildungsstellen sparen.

Die Gewerkschaft, der Betriebsrat in Schwaigern und die JAV fordern deshalb ein Umdenken und eine Fortführung der Ausbildungen. Eine BW24-Anfrage nach Stellungnahme durch die iwis mechatronics GmbH & Co. KG blieb bislang unbeantwortet. Im vergangenen Jahr hatte der Elektrogerätehersteller ebm-papst erklärt, künftig verstärkt auf Nachwuchskräfte aus dem Ausland setzen zu wollen.

Rubriklistenbild: © iwis mechatronics GmbH & Co. KG

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