Meckern auf hohem Niveau

Gehalt und Gehaltserhöhungen: Viele SAP-Mitarbeiter sind unzufrieden

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Der Softwarekonzern SAP gilt als beliebter und lukrativer Arbeitgeber. Laut einer internen Umfrage sind viele Mitarbeiter dennoch mit dem Gehalt unzufrieden.

Walldorf - Die SAP mit Stammsitz in Walldorf (Baden-Württemberg) ist der größte Softwarekonzern Europas und erwirtschaftete im vergangenen Jahr, trotz wirtschaftlicher Herausforderungen, knapp 31 Milliarden Euro Umsatz. Auch die Gehälter bei SAP können sich mehr als sehen lassen: Bereits junge Berater verdienen Jahresgehälter zwischen 40.000 und 50.000 Euro, die mit steigender Berufserfahrung auf einen sechsstelligen Betrag ansteigen können. Wie aus einer im April intern durchgeführten Umfrage unter den SAP-Mitarbeitern in Deutschland hervorgeht, ist dennoch mehr als die Hälfte mit dem Gehalt und den Gehaltserhöhungen unzufrieden.

Wie das Handelsblatt berichtet, richtet sich der Unmut bei den SAP-Mitarbeitern in erster Linie gegen den Vorstand um Christian Klein. Der SAP-Chef äußerte sich zur Frage, ob KI Jobs gefährde. Der Umfrage zufolge bezeichnen die Mitarbeiter den schwäbischen Softwarekonzern nach wie vor als Top-Arbeitgeber, das Vertrauen in den Vorstand ist jedoch gesunken. Dieser legt bei der SAP auch das Gehaltsbudget fest, womit die Angestellten trotz Gehaltserhöhung und Bonusleistungen nicht zufrieden sind. Im vergangenen Jahr hieß es, dass es bei der SAP eine Gehaltskluft gebe, da Frauen keine Chance hätten, in Top-Ebenen aufzusteigen.

SAP-Mitarbeiter kritisieren, dass Gehaltserhöhungen zum Teil deutlich unter Inflationsrate lagen

Dass die SAP-Mitarbeiter trotz hoher Gehälter und Bonuszahlungen – wie jüngst einem Inflationsausgleich über 1.500 Euro – mit der Vergütung unzufrieden sind, ist nichts Neues. Bereits Anfang 2022 beklagten SAP-Mitarbeiter eine zu geringe Gehaltserhöhung und eine Befragung ergab, dass sie trotz Gehälter von 80.000 Euro aufwärts unzufrieden sind. Ein ähnliches Bild ergibt auch die interne Umfrage, auf die sich das Handelsblatt bezieht. Demnach kritisieren die deutschen Angestellten, dass die Gehaltserhöhungen in den vergangenen Jahren zum Teil deutlich unter der Inflationsrate lagen. Weltweit ist die Belegschaft dagegen zu 63 Prozent mit den Gehältern zufrieden.

Das Vertrauen der Mitarbeiter in den Vorstand des Softwarekonzerns SAP schwindet. Das liegt auch am Gehalt.
Name SAP (Systems, Applications, and Products in Data Processing)
Gründung 1972
Hauptsitz Walldorf, Baden-Württemberg
Branche Unternehmenssoftware, ERP-Systeme, Cloud Computing
Gründer Dietmar Hopp, Hasso Plattner, Claus Wellenreuther, Hans-Werner Hector, Klaus Tschira
Leitung Christian Klein (CEO)
Mitarbeiter 111.961 (2022)
Umsatz 30,9 Milliarden Euro (2022)

Im laufenden Jahr verdienen die SAP-Mitarbeiter in Deutschland im Durchschnitt allerdings 3,7 Prozent mehr als im Vorjahr, zudem investiert der Softwarekonzern auch anderweitig in die Zufriedenheit der Angestellten. SAP geht beispielsweise gegen sinnlose Meetings vor und hat einen meetingfreien „Focus Friday“ eingeführt. Laut Handelsblatt sind sich aber selbst die Führungsriegen einig, dass sich die Vergütung in den vergangenen Jahren im Vergleich zu anderen Branchen und auch zu einigen Konkurrenten unterdurchschnittlich entwickelt hätte. Zudem gaben lediglich 21 Prozent der Mitarbeiter in Deutschland an, dass die Restrukturierung ihre Arbeitsbedingungen verbessert habe.

Unzufriedenheit bei SAP: Konzern verweist auf Transformation mit „schwierigen Entscheidungen“

Bei der internen Befragung wurde deutlich, dass die SAPler zum einen ihren Arbeitgeber und auch ihre direkten Vorgesetzten schätzen, das Vertrauen in den Vorstand aber immer weiter abnimmt. Konkret haben nur 47 Prozent der Mitarbeiter in Deutschland die Aussage „Ich habe volles Vertrauen in den SAP-Vorstand“ bestätigt, während die Prozentzahl weltweit immerhin bei 65 lag. Neben der Kritik an der Vergütung sorgen sich die Angestellten aber offenbar um die Zukunft, weltweit sogar noch mehr als in Deutschland. Der Konzern verwies gegenüber dem Handelsblatt auf die Unternehmenstransformation, „die zum Teil auch schwierige Entscheidungen mit sich bringt.“

Dass das Vertrauen in den SAP-Vorstand gerade am Hauptstandort in Deutschland schwindet, ist laut Konzern demnach auf die Restrukturierung zurückzuführen, die beim Softwarekonzern allerdings in regelmäßigen Abständen durchgeführt wird. „Die immer wieder verlängerten Sparmaßnahmen und insbesondere Gehaltsrunden wirken sich auf die Zufriedenheit der Beschäftigten aus“, sagte SAP-Betriebsratschef Eberhard Schick dem Handelsblatt. „Da muss der Vorstand aufpassen, die Beschäftigten nicht zu verlieren.“

Rubriklistenbild: © Uwe Anspach/dpa

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