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Für Batteriekonzern Varta war der Stellenabbau zur Sanierung notwendig. Dadurch hat das Unternehmen aus Baden-Württemberg aber auch wichtiges Fachpersonal verloren.
Ellwangen - Der Batteriekonzern Varta mit Stammsitz in Ellwangen (Baden-Württemberg) befindet sich in einem Sanierungsverfahren und will mit gezielten Investitionen in Zukunftsfelder, aber auch mit einem Stellenabbau wieder in die Spur kommen. Anfang Mai hieß es, das schwäbische Traditionsunternehmen werde 800 Vollzeitstellen abbauen, die Gewerkschaft IG Metall hatte daraufhin kritisiert, dass die Maßnahme lange Zeit nicht konkretisiert wurde und die Mitarbeiter weiter bangen mussten. Wie ein Konzernsprecher auf BW24-Anfrage Anfang September mitteilte, ist der für 2023 geplante Stellenabbau bei Varta inzwischen abgeschlossen, das Unternehmen will aber weitere 150 Stellen ins Ausland verlagern.
Daraus, dass das Sanierungsverfahren beim Batteriekonzern auch mit dem Abbau von Arbeitsplätzen einhergehen wird, machte Varta-CEO Markus Hackstein von Anfang an keinen Hehl. „Uns ist bewusst, dass die Restrukturierung leider mit harten Einschnitten verbunden sein wird“, hatte er in Bezug auf das Restrukturierungsprogramm erklärt. Durch den notwendigen Stellenabbau hat das Unternehmen aber auch junges und qualifiziertes Fachpersonal an die direkte Konkurrenz verloren, wie Hackstein im Interview mit dem Handelsblatt erklärte. Zudem werde das Sanierungsverfahren den Konzern noch viele Jahre begleiten.
Varta: Stellenabbau beim Batteriekonzern auf der Zielgeraden – „Wir sind sehr weit“
Laut dem Varta-Chef ist der im Rahmen des Restrurkturierungsverfahrens notwendige Stellenabbau auch insgesamt bereits weit fortgeschritten. „Wir sind sehr weit. Im nächsten Jahr ist das abgeschlossen“, sagte Markus Hackstein. Am Hauptsitz in Ellwangen hat der Konzern ein Freiwilligenprogramm gestartet, das Anfang September abgeschlossen wurde. „In Ellwangen haben wir rund 90 Stellen abgebaut“, präzisierte Hackstein im Gespräch mit dem Handelsblatt. „In Nördlingen sind alle befristeten Stellen ausgelaufen, und auch in Indonesien haben wir reduziert.“ Ein Abbau von Arbeitsplätzen in einer wichtigen Branche spielt aber durch den aktuellen Fachkräftemangel auch der Konkurrenz in die Karten.
| Name | Varta AG |
|---|---|
| Gründungsjahr | 1887 |
| Hauptsitz | Ellwangen, Baden-Württemberg |
| Branche | Elektrotechnik |
| Produkte | Batterien, Akkus und Energiespeichersysteme |
| Umsatz | 902,9 Millionen Euro (2021) |
| Mitarbeiter | 4.666 |
„Stellenabbau ist immer ein schmerzhafter Schritt, aber für die Restrukturierung ist diese Maßnahme leider notwendig“, erklärte der Varta-CEO. Eine Fluktuation, also das Ausscheiden von Mitarbeitern durch Kündigungen, Wechsel oder auch den Renteneintritt, sie aus finanzieller Sicht hilfreich, man habe dadurch aber „sehr viele gute junge Leute“ verloren. „Das schmerzt.“ Ein Unternehmen, das davon profitieren konnte, ist die Carl Zeiss AG mit Sitz im baden-württembergischen Oberkochen, die neben anderen Branchen auch erfolgreich auf die Halbleitertechnologie setzt. „Der Konkurrenzdruck in der Region ist hoch“, sagte Varta-Chef Hackmann.
Varta in der Zwickmühle: Stellenabbau auf der einen Seite, Fachkräftemangel auf der anderen
Viele Unternehmen befinden sich aktuell in einer Art Zwickmühle. Auf der einen Seite muss aufgrund der Inflation und den hohen Kosten auch im Personalbereich gespart werden, auf der anderen mangelt es nach wie vor an Fachkräften. Das ist auch bei Varta der Fall. „Wir haben ein strukturelles Problem“, sagte Markus Hackstein im Gespräch mit dem Handelsblatt. Man habe zwar viele Produktionsmitarbeiter. „Aber wir brauchen auch Talente für Forschung und Entwicklung für die drei Bereiche: stationäre Stromspeicher, Batterien für den Automotive-Sektor und die kleinen Headset-Akkus.“
Gerade bei der Suche nach Fachpersonal tue sich ein krisengebeuteltes Unternehmen wie der Batteriekonzern aus Baden-Württemberg aber schwer. Und das, obwohl die Branche mit Batterieproduktion und Halbleiterkomponenten aufgrund des Fokus der Autoindustrie auf die E-Mobilität aktuell boomt. „Wir haben über 100 offene Stellen. Das ist ein fürchterlicher Spagat zwischen Abbau und Aufbau“, so Hackstein. „Wir sind in einer Zukunftsbranche, egal ob es Varta gut oder schlecht geht.“
Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

