Warum Berndt-Ulrich Scholz die Aalener BayWa im Zorn verkauft hat 

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Der Baywa-Baumarkt in der Gartenstraße 103 schließt Ende Juni dieses Jahres, der dm Drogeriemarkt bleibt.
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Warum der Baumarkt im Aal-Carrée Ende Juni dieses Jahres schließt. Das sind die Gründe. Was sich OB Frederick Brütting dort künftig vorstellen kann.

Aalen. Und plötzlich kommt alles ganz anders: Noch vor einem Dreivierteljahr wollte der BayWa-Baumarkt in der Gartenstraße seine Fläche reduzieren. Dafür sollte sich der Fahrradfachhandel B.O.C. (Bike & Outdoor Company) mit etwa 1770 Quadratmetern Verkaufsfläche einmieten. Wie aber ein Firmensprecher von BayWa jetzt in einer Pressemitteilung bekannt gegeben hat, wird der im September 2011 eröffnete BayWa Bau- und Gartenmarkt auf dem Aal-Carrée nun Ende Juni dieses Jahres „aufgrund strategischer Gründe“ komplett schließen.

Berndt-Ulrich Scholz kennt die Gründe

Wie es dazu kommt, weiß Berndt-Ulrich Scholz, Geschäftsführer der Scholz Immobilien GmbH & Co. KG. Sein Unternehmen hat den BayWa-Baumarkt damals im Auftrag der BayWa AG München gebaut und einen Mietvertrag über 15 Jahre, bis zum 30. Juni 2026, abgeschlossen. „Acht Jahre nach der Eröffnung des Aalener Standorts“, berichtet Scholz, „hat die BayWa München ihre gesamten Objekte in Baden-Württemberg, darunter auch jenes in Aalen, an die Hellweg-Gruppe verkauft, ein Schwesterunternehmen der BayWa Bau & Garten in Süddeutschland.“

Scholz: „Standort Aalen hat sehr große Verluste geschrieben"

Ab diesem Zeitpunkt sei das Aalener Objekt nicht mehr gut gelaufen. Doch der Mietvertrag, so Scholz, wurde weiter eingehalten, obwohl die Hellweg Gruppe am Standort Aalen längst sehr große Verluste geschrieben habe. Mit dem Plan, die BayWa-Verkaufsfläche zu reduzieren und den Fahrradhandel B.O.C. als Untermieter mit ins Gebäude zu nehmen, habe die Hellweg-Gruppe gehofft, die Verluste einigermaßen regulieren zu können.

Das Signal des Gemeinderats

Weil der aktuell gültige Bebauungsplan an diesem Standort kein Fahrradsortiment in der genannte Größenordnung von 1770 Quadratmetern zulässt, hätte der Bebauungsplan für das Aal-Carrée entsprechend geändert werden müssen. Nach einer kontroversen Diskussion hatte der Aalener Gemeinderat im Juli vergangenen Jahres tatsächlich mehrheitlich Grünes Licht gegeben für den Einstieg in ein Bebauungsplanverfahren. Dabei wird unter anderem von Fachbehörden geprüft, welche Belange durch den Bebauungsplan betroffen sein können.

Aalener Radhändler liefen Sturm

Unmittelbar nach Beginn dieses Verfahrens liefen die Aalener Fahrradhändler Sturm. Sie befürchteten einen unangemessenen Verdrängungswettbewerb, und demzufolge für ihre eigenen inhabergeführten Geschäfte einen immensen Umsatzverlust. Sie kritisierten, dass die erwarteten Umsatzzahlen für B.O.C. , wie sie im Gutachten genannt wurden, zu niedrig und damit nicht realistisch seien.

Befürchtung, dass B.O.C. zu viel Umsatz abgreift

Laut Claus Albrecht, Stadtrat der Freien Wähler und Vorsitzender des Bund der Selbstständigen, geht es dabei um das so genannte Beeinträchtigungsverbot. Bei nicht zentrenrelevanten Sortimenten wie dem Fahrradhandel greife es, wenn mehr als 20 Prozent der schon vorhandenen Sortimentsumsätze in Aalen verlagert würden, in diesem Fall auf B.O.C.

B.O.C. sollte Fläche verkleinern

Wie OB Frederick Brütting sagt, habe man im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens den Durchschnittsumsatz von B.O.C. pro Quadratmeter Verkaufsfläche in Aalen errechnet. Stadtsprecherin Karin Haisch ergänzt, dass sich dabei gezeigt habe, dass die für B.O.C. geplante Fläche von 1770 Quadratmeter im Verhältnis zu viel Umsatz von den bestehenden Fahrradhändlern abziehen würde. Damit es nicht zu einem Verdrängungswettbewerb mit den regionalen Fahrradhändlern kommt, habe die Stadt angeregt, die B.O.C.-Fläche zu verkleinern und das Konzept anzupassen. Daraufhin hätten sich die Investoren entschieden, das geplante Projekt nicht mehr weiter zu verfolgen.

Wie Berndt-Ulrich Scholz reagiert

Immobilieneigentümer Berndt-Ulrich Scholz fühlt sich nach den monatelangen Verhandlungen vor den Kopf gestoßen. „Es ist ein Unding, wie sich die Stadt Aalen verhalten hat“, ärgert er sich. Dass der Gemeinderatsbeschluss für die Aufstellung eines Bebauungsplans nach so kurzer Zeit widerlegt wird, könne er nicht nachvollziehen.

Scholz: „Habe die Schnauze voll“

Als die Hellweg-Gruppe signalisierte, den bis 30. Juni 2026 gültigen Mietvertrag nicht mehr zu verlängern, hat Scholz das komplette Baywa-Areal samt dm und Parkplätzen zum 1. Januar 2024 an die Herimo Immobilien GmbH in Mauerstetten verkauft. Scholz: „Ich habe gesagt: Ich habe die Schnauze voll. Ich bin jetzt 84 Jahre alt, diese Streiterei habe ich nicht mehr nötig.“

Wie es jetzt weitergeht

Laut Scholz will Herimo das Objekt mit dem Drogeriemarkt dm und einem V-Baumarkt weiterbetreiben. Erneut ein Baumarkt, obwohl dieses Sortiment hier schon große Verluste eingefahren hat? OB Brütting: „Wir sind im Gespräch mit dem neuen Eigentümer. Wir können uns am BayWa-Standort eine städtebauliche Entwicklung vorstellen, auch mit Wohnungen. Es muss ja nicht alles Parkplatz bleiben. Wir müssen miteinander reden.“

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