VonJulian Baumannschließen
Autozulieferer ZF Friedrichshafen wird seinen Standort in Eitorf (NRW) schließen. Gespräche mit einem potenziellen Investor sind gescheitert.
Friedrichshafen/Eitorf - Die ZF Friedrichshafen hatte bereits im September 2022 angekündigt, das Werk in Eitorf (Nordrhein-Westfalen) schließen zu müssen, wodurch das Schicksal von 690 Mitarbeitern ungewiss war. Der Gesamtbetriebsrat des schwäbischen Weltkonzerns hatte diesen Schritt stark kritisiert. „Diese Entscheidung ist ein Schlag ins Gesicht von 690 Beschäftigten und ihren Familien, die mit der Schließung ihre Existenzgrundlage verlieren sollen“, hatte Gesamtbetriebsratschef Achim Dietrich erklärt. Seither wurde an einer Lösung für den bedrohten Standort gearbeitet, die Gespräche mit einem potenziellen Investor sind aber gescheitert.
Wie ZF-Sprecher Florian Tausch auf BW24-Anfrage klarstellte, bedeute das Scheitern der Investorengespräche nicht, dass das Werk Ende 2025 geschlossen werde. Mehrere regionale Medien hatten zuvor über die Schließung zu diesem Zeitpunkt berichtet, sich dabei aber offenbar auf die Kommunikation vom September 2022 bezogen. „Die Gespräche und Verhandlungen laufen weiter“, so der Sprecher. Dass das Stoßdämpfer-Werk der ZF in Eitorf geschlossen werden soll, bestätigte er gegenüber unserer Redaktion. Bislang sei eine Schließung aber bis spätestens Ende 2027 angesetzt.
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ZF Friedrichshafen sucht nach Lösungen für Standort in Eitorf – Investor erteilt Konzern Absage
Die Ankündigung der Schließung des Werks in Eitorf stellte in der langen Geschichte des zweitgrößten deutschen Autozulieferers eine Zäsur dar, da die ZF zuvor noch kein ganzes Werk schließen musste. Hohe Schulden aus Milliardenübernahmen und die wirtschaftlichen Herausforderungen zwingen den Konzern derzeit aber, ganze Sparten und Standorte auf den Prüfstand zu stellen. Ende vergangenen Jahres wurde bekannt, dass ZF das Werk in Gelsenkirchen Ende 2024 schließen wird und auch das Werk in Eitorf steht über längere Sicht vor dem Aus. „Die Produktion am ZF-Standort Eitorf soll nicht weitergeführt werden“, heißt es in einem aktuellen Statement des Konzerns.
| Name | ZF Friedrichshafen AG |
|---|---|
| Gründungsjahr | 1915 |
| Hauptsitz | Friedrichshafen, Baden-Württemberg |
| Branche | Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme |
| Geschäftsbereiche | Automobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik |
| Mitarbeiterzahl | 164.869 (Stand: 2022) |
| Produktionsstandorte | 168 in 32 Staaten |
| Hauptentwicklungsstandorte\t | 19 in neun Ländern |
| Umsatz | 43,8 Milliarden Euro (2022) |
| Geschäftsführung\t | Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender) |
| Anteilseigner | 93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung |
Die Tage des Werks in Nordrhein-Westfalen als Standort der ZF Friedrichshafen sind demnach gezählt. Konzern und Arbeitnehmervertreter haben in den vergangenen Monaten aber gemeinsam an einer möglichen Zukunft für den Standort außerhalb von ZF gearbeitet. „Hierbei ging es um den potenziellen Aufbau eines neuen Geschäfts ohne ZF-Beteiligung“, heißt es im Statement. Nach Prüfungen habe sich die Wiederaufbereitung von Pkw-Komponenten als möglicherweise erfolgversprechendes Geschäftsmodell herausgestellt, nach der Entwicklung mehrerer Szenarien habe sich aber keine tragfähige Perspektive ergeben. „Dies hat dazu geführt, dass der potenzielle Investor der Aufforderung von ZF, ein Angebot abzugeben, nicht nachgekommen ist und ZF eine Absage erteilt hat.“
ZF will Standort Eitorf schrittweise reduzieren und spätestens Ende 2027 schließen
Durch den Einstieg eines Investors könnte zum einen der Standort in Eitorf und im besten Fall auch die Zukunft der 690 Mitarbeiter gerettet werden. Ein Investor hatte beispielsweise „in letzter Minute“ eine Allgaier-Sparte übernommen und die Mitarbeiter gerettet. Das Scheitern der Verhandlungen mit dem potenziellen Investor bedeutet allerdings nicht, dass es für den jetzigen ZF-Standort in Nordrhein-Westfalen überhaupt keine Zukunftsperspektive mehr gibt. „Die bereits laufenden Verhandlungen zu Interessenausgleich und Sozialplan über eine schrittweise Reduzierung des Standorts und dessen Schließung bis spätestens Ende 2027 werden fortgesetzt“, heißt es vom Unternehmen.
Für die 690 Mitarbeiter, die derzeit in Eitorf noch Stoßdämpfer für die ZF produzieren, gibt es demnach noch immer keine klare Zukunftsperspektive. Bislang hieß es, für die Belegschaft solle ein Sozialplan erstellt werden. Genauere Details seien aber weiterhin „Teil der Verhandlungen“, so Pressesprecher Florian Tausch. Der Stiftungskonzern vom Bodensee ist aktuell nicht der einzige Autozulieferer aus Baden-Württemberg, der ganze Standorte auf den Prüfstand stellen muss. Auch Mitarbeiter von Mahle kämpfen derzeit um ein Werk und ihre Arbeitsplätze, da befürchtet wird, der Stuttgarter Autozulieferer könnte den Standort aus dem Konzern herauslösen und verkaufen.
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