Bühl und Villingen-Schwenningen

„Werden um jeden Arbeitsplatz kämpfen!“: IG Metall fürchtet um Dormakaba-Standorte in Baden-Württemberg 

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Der Industriekonzern Dormakaba hat angekündigt, einen Standort in Baden-Württemberg schließen zu wollen. Die IG Metall befürchtet, dass das längst nicht alles ist.

Villingen-Schwenningen - Der Schweizer Industriekonzern Dormakaba hat zur Kosteneinsparung und zur Verbesserung der Profitabilität ein Transformationsprogramm ausgerufen, in dessen Rahmen weltweit 800 Vollzeitstellen abgebaut werden sollen. Der börsennotierte Großkonzern, der sich auf Systeme der Schließtechnik spezialisiert hat, betreibt auch mehrere Standorte in Deutschland, darunter zwei in Baden-Württemberg. Der Standort in Bühl, nahe Baden-Baden, soll laut übereinstimmenden Medienberichten bis 2025 geschlossen werden, wodurch 250 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren.

Die Gewerkschaft IG Metall befürchtet allerdings, dass auch der zweite Standort von Dormakaba in Baden-Württemberg – in Villingen-Schwenningen – betroffen sein wird. „Wir sehen keine Zukunftsvision, sondern nur ein reines Kostensparprogramm, um die Rendite zu erhöhen“, sagt Gunar Raßmann, Betriebsratsvorsitzender am Standort Schwenningen und Mitglied des Gesamtbetriebsrats, laut einer Mitteilung. „Mal wieder werden solche Entscheidungen auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen.“ Die Gewerkschaft hat Widerstand angekündigt und will Alternativen erarbeiten, um die Zukunft des Standorts zu sichern.

IG Metall fürchtet um Dormakaba-Standort in Villingen-Schwenningen

Dormakaba hatte kurz nach der Verkündung des drastischen Stellenabbaus gute starke Zahlen präsentiert, was für die 860 Mitarbeiter, die allein in Deutschland ihren Job verlieren sollen, wohl ein schwerer Schlag war. „Für ein Unternehmen, was 13,5 Prozent Rendite macht, ist es unanständig, eine solche Restrukturierungsmaßnahme zu verkünden“, kritisiert auch Uwe Acker, der Gewerkschaftssekretär der IG Metall Villingen-Schwenningen. „Das zeigt mal wieder, dass Profit vor Mensch geht und das verurteilen wir auf das Schärfste.“ Die IG Metall Offenbach hatte bereits Ende August erklärt, dass der Standort Bühl erhalten bleiben müsse.

Name dormakaba Holding AG
Gründung 1862
Hauptsitz Rümlang, Schweiz
Branche Schliesstechnik
Produkte Automatische Türsysteme, Hochsicherheitssysteme und viele mehr
Standorte in Baden-Württemberg Bühl (Kreis Rastatt), Villingen-Schwenningen (Schwarzwald-Baar-Kreis)
Mitarbeiter über 15.000 weltweit
Umsatz 2,94 Milliarden Euro (2022/2023)

Neben dem Standort Bühl will Dormakaba aber auch die Werke in Bad Berka (Thüringen) und Velbert (Nordrhein-Westfalen) schließen. Die IG Metall befürchtet allerdings, dass sich die Sparmaßnahmen ebenfalls auf den Standort Schwenningen auswirken werden. „Werden die geplanten Maßnahmen eins zu eins durchgeführt, bedeutet es für den Standort in Schwenningen nichts Gutes“, erklärt Acker. „Die Salamischeiben werden dicker. Vor drei Jahren wurde bereits die Leiterplattenfertigung nach Ennepetal verlagert. Jetzt soll es Verlagerungen von Entwicklern, Personaler, Finanzen und Marketing in die [...] Shared Service Center geben.“

Stellenabbau, Werkschließung und Auslandsverlagerung: IG Metall fordert, Pläne zu stoppen

Die konkreten Sparmaßnahmen des Schweizer Industriekonzerns umfassen neben einem Stellenabbau und der Schließung mehrerer Standorte nämlich auch die Verlagerung verschiedener Bereiche ins Ausland – nach Sofia, Bulgarien. Bulgarien wird aufgrund der Energiekrise für viele Unternehmen aus Baden-Württemberg immer lukrativer. Die IG Metall hat angekündigt, gemeinsam mit dem Betriebsrat am Standort Schwenningen einen Fragenkatalog entwickeln zu wollen, um die Wirtschaftlichkeit und Machbarkeit der geplanten Maßnahmen zu überprüfen und im zweiten Schritt Alternativen für die Mitarbeiter zu entwickeln.

Die IG Metall fürchtet im Zuge des Sparprogramms bei Dormakaba auch um den Standort Villingen-Schwenningen.

Dass der Standort in Bühl bis 2025 geschlossen werden wird, steht offenbar bereits fest. Die IG Metall Villingen-Schwenningen fordert dennoch, die Maßnahmen zu überdenken. „Wir fordern den Arbeitgeber von Dormakaba auf, die Pläne zu stoppen!“, macht Gewerkschaftssekretär Uwe Acker deutlich. „Wir werden um jeden Arbeitsplatz kämpfen!“ Die Gewerkschaft hat im Südwesten in den vergangenen Monaten einige Errungenschaften erzielt. Den Stellenaubbau bei Autozulieferer BorgWarner konnte die IG Metall zwar nicht ganz verhindern, er fiel jedoch weniger drastisch aus.

Rubriklistenbild: © Funke Foto Services/Zoonar/IMAGO

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