Nach 133 Jahren

Traditionsunternehmen aus Baden-Württemberg schließt und kündigt Mitarbeiter

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Nach 133 Jahren muss das traditionsreiche Familienunternehmen Eisen Thiermann aus dem Allgäu schließen. Den Mitarbeitern wurde gekündigt.

Wangen im Allgäu - „Schließung und Auflösung des Familienunternehmens für Stahlhandel in Wangen“, heißt es in einer für den Ernst der Lage ungewöhnlich offenen Pressemitteilung des Traditionsunternehmens Eisen Thiermann mit Sitz in Wangen im Allgäu (Baden-Württemberg). Die bereits in der vierten Generation geführte Firma für Baustoffhandel kann auf eine 133-jährige Geschichte zurückblicken und belieferte Kunden in den Regionen Allgäu, Oberschwaben, Bodensee und auch im österreichischen Bundesland Vorarlberg. Aufgrund mehrerer Faktoren erklärte die Familie am 22. Februar in einer Betriebsversammlung aber das endgültige Ende des Betriebs.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Vor wenigen Tagen hatte ein weiteres Traditionsunternehmen aus Baden-Württemberg Insolvenz angemeldet, die Insolvenzverwalter sind allerdings guter Dinge, den Betrieb sanieren und auf einer gesunden Basis weiterführen zu können. Dass es bei Eisen Thiermann, offiziell August Thiermann GmbH & Co. KG, direkt zum auf den ersten Blick drastischen Schritt der Schließung kommt, hat mehrere Gründe, die das Familienunternehmen in der Mitteilung ausführt. Das Stuttgarter Familienunternehmen Lapp hat dagegen auf die Vorzeichen reagiert und Mitarbeiter am Stammsitz in die Kurzarbeit geschickt.

Familienunternehmen aus Wangen konnte „schwere Entscheidung“ nicht länger aufschieben

Wie das Traditionsunternehmen aus dem Kreis Ravensburg in der Mitteilung schreibt, wurde den Mitarbeitern bei der Betriebsversammlung erklärt, warum „diese schwere Entscheidung nicht weiter aufzuschieben“ gewesen sei. Demnach erinnerte der geschäftsführende Gesellschafter Markus Thiermann an die tiefe Wirtschaftskrise in den späten 1990er Jahren, in deren Rahmen die Einzelhandelsgeschäfte in der Innenstadt von Wangen und später auch der Baufachmarkt geschlossen werden mussten. Im Gegensatz zu vielen Industriezweigen, die durch die Corona-Pandemie erhebliche Probleme hatten, erfuhr der Baustoffhandel sogar einen Aufschwung. Der war aber nicht von Dauer.

Da für das laufende und das kommende Jahr weitere Umsatzrückgänge vorhergesagt werden, seien überflüssige Investitionen nicht länger aufschiebbar, heißt es in der Mitteilung. „Jetzt müssten wir eine Stange Geld in die Hand nehmen“, erklärte Markus Thiermann der Belegschaft. „Weiteres Geld braucht es, weil das Geschäft auf Jahre nur Verluste einfahren wird.“ Und dann brauche es in ein paar Jahren einen Nachfolger, der ein bis dahin überschuldetes Unternehmen übernehme. Einen Käufer, der auch die Arbeitsplätze erhalten will, konnte das Familienunternehmen aber auch nach jahrelanger Suche nicht finden.

Mitarbeiter von Eisen Thiermann werden bis Ende der Kündigungsfrist bezahlt freigestellt

Bei der Betriebsversammlung am vergangenen Donnerstag wurden den 32 Mitarbeitern von Eisen Thiermann nicht nur die Gründe für die Schließung des Traditionsbetriebs erklärt, sie erhielten auch ihre Kündigungen. „Wir haben diese Firma zusammen mit Ihnen geführt, Sie haben uns ermöglicht, bis hierhin zu gehen“, sagte Gesellschafterin Patricia Thiermann-Haase. „Deshalb fühlen wir uns verpflichtet, eine Insolvenz oder sozial harte Schließung auf jeden Fall zu verhindern. Und das geht nur, wenn wir rechtzeitig handeln.“ Die gesamte Belegschaft wird zum 1. April bei voller Gehaltszahlung bis zum Ende der Kündigungsfrist freigestellt.

Ein Traditionsunternehmen aus Wangen im Allgäu schließt nach 133 Jahren seine Tore.

Mit dem Beschluss der vier Gesellschafter wurde die August Thiermann GmbH & Co. KG, die aus zwei Gesellschaften besteht, zum 22. Februar aufgelöst und befindet sich im Prozess der Liquidierung. Das Unternehmen schreibt auf seiner Website, dass alle laufenden Aufträge erfüllt, Neuaufträge aber nur insoweit angenommen werden, als noch Ware im Lager vorhanden ist. „Wir danken unseren Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten für die zum Teil jahrzehntelange Treue“, schreiben die Familiengesellschafter aus dem Allgäu.

Der ebenfalls in Wangen im Allgäu ansässige Elektronik-Zulieferer Diehl Controls hatte kurz vor dem Jahreswechsel angekündigt, rund die Hälfte der Belegschaft entlassen zu müssen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Alexander Rochau

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