Ärger im Allgäu

Unternehmen aus Baden-Württemberg will mehr als 300 Stellen abbauen

  • schließen

Ein Unternehmen aus Baden-Württemberg plant, mehr als die Hälfte aller Arbeitsplätze abzubauen. Bis zu 320 Mitarbeiter könnten davon betroffen sein.

Wangen im Allgäu - Für viele Mitarbeiter der Wirtschaft in Baden-Württemberg war das bisherige Jahr nicht gerade einfach. Durch den hohen Kostendruck waren Unternehmen zum Sparen verdammt, bauten massiv Stellen ab oder verlagerten sie ins Ausland. Aufgrund der niedrigen Steuern ist beispielsweise Bulgarien für Firmen aus dem Südwesten besonders lukrativ. Zum Jahresende und pünktlich zum Beginn der Adventszeit gibt es auch für Mitarbeiter des Elektronikzulieferers Diehl Controls mit Sitz in Wangen im Allgäu (Kreis Ravensburg) anstelle eines besinnlichen Jahresausklangs eine Schocknachricht.

Wie die Schwäbische Zeitung in Bezug auf ein internes Rundschreiben berichtet, will das Unternehmen aus dem Allgäu bis 2026 mehr als die Hälfte der derzeitigen Arbeitsplätze abbauen. In nackten Zahlen bedeutet das, dass bis zu 320 Mitarbeiter ihren Job verlieren könnten. Diehl Controls gehört zur Diehl-Gruppe und ist als Compliance-Lieferant unter anderem für Haushaltsgeräte wie Kühlschränke und Waschmaschinen tätig. Durch die anhaltende Krise in der Baubranche in Verbindung mit den hohen Kosten für Energie, Rohstoffe und Personal ist auch Diehl Controls zum Sparen verdammt.

Diehl Controls will aufgrund des Kostendrucks offenbar mehr als 60 Prozent der Belegschaft am Stammsitz in Wangen abbauen.

Diehl Controls muss offenbar 60 Prozent der Arbeitsplätze abbauen

Der Elektronikzulieferer Diehl Controls geht auf das im Jahr 1945 in Eisenharz im Kreis Ravensburg gegründete Unternehmen Apparatebau Paul Kolb (AKO) zurück und gehört seit dem Jahreswechsel 1994/1995 zur Nürnberger Diehl-Gruppe. Am Hauptsitz in Wangen beschäftigt das Unternehmen derzeit 542 Menschen, ein Abbau von 320 Arbeitsplätzen würde demnach mehr als 60 Prozent der Belegschaft im Allgäu betreffen. Der Schwäbischen Zeitung zufolge haben weder das Unternehmen noch der Betriebsrat eine konkrete Zahl genannt, der Stellenabbau soll jedoch sozialverträglich erfolgen. Auf betriebsbedingte Kündigungen will Diehl Controls „möglichst verzichten“.

Name Diehl Controls Stiftung & Co. KG
Gründung 1945 als Apparatebau Paul Kolb (AKO)
Hauptsitz Wangen im Allgäu, Baden-Württemberg
Branche Elektro-/Elektronik-Herstellung
Mutterkonzern Diehl-Gruppe
Mitarbeiter 3.648 weltweit
Umsatz 560 Millionen Euro (2022)

Als Gründe für die harten Sparmaßnahmen gibt Diehl Controls zum einen die teure Produktion in Deutschland an, und zum anderen, dass die Hersteller von Kühlschränken, Waschmaschinen und Co. Steuerungseinheiten immer mehr selbst produzieren. Dadurch, dass durch die hohen Kosten auch die Baubranche seit Monaten in einer erheblichen Krise steckt – Gerüstbauer Peri musste deshalb 200 Stellen streichen – ist die Nachfrage nach Haushaltsgeräten gesunken. Das bekommt Diehl Controls ebenfalls zu spüren. Hinzukommt beim Elektronikzulieferer, dass die Produktion von Steuerungselementen für Wärmepumpen durch die Diskussionen beim Heizungsgesetz nicht so lukrativ sind, wie erhofft.

Diehl will an Sitz im Allgäu festhalten, aber wohl nicht als Produktionsstandort

Obwohl Diehl Controls nach eigenen Angaben keine Mitarbeiter direkt kündigen will, ist der angekündigte Stellenabbau ein herber Schlag für die Mitarbeiter und die Stadt Wangen im Allgäu. In der nach Ravensburg selbst zweitgrößten Gemeinde des Landkreises ist der Elektronikzulieferer nämlich einer der wichtigsten Arbeitgeber. Die Arbeitnehmervertretung am Standort hat allerdings nicht vor, die Sparmaßnahmen ohne weiteres hinzunehmen und will dem Unternehmen einen Fragenkatalog vorlegen und die Pläne von der Gewerkschaft und dem Rechtsbeistand überprüfen lassen.

Laut der Schwäbischen Zeitung will die Diehl-Gruppe trotz der befürchteten Ausdünnung am Standort Wangen festhalten. Künftig dürfte der Stammsitz des Teilkonzerns Controls aber nicht mehr als Produktions-, sondern als Entwicklungsstandort fungieren. Wie eingangs erwähnt haben aufgrund der hohen Kosten viele Unternehmen aus dem Südwesten ganze Produktionsschritte ins Ausland verlagert. Diehl Controls hatte im Dezember 2022 beispielsweise eine neue Fabrik in Bulgarien eröffnet und im September dieses Jahres eine weitere in China.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Auch Autozulieferer Michelin hat jüngst einen drastischen Stellenabbau angekündigt, der in Baden-Württemberg rund 600 Mitarbeiter betreffen soll.

Rubriklistenbild: © imago stock&people

Kommentare