VonJulian Baumannschließen
Ein Unternehmen aus Baden-Württemberg plant, mehr als die Hälfte aller Arbeitsplätze abzubauen. Bis zu 320 Mitarbeiter könnten davon betroffen sein.
Wangen im Allgäu - Für viele Mitarbeiter der Wirtschaft in Baden-Württemberg war das bisherige Jahr nicht gerade einfach. Durch den hohen Kostendruck waren Unternehmen zum Sparen verdammt, bauten massiv Stellen ab oder verlagerten sie ins Ausland. Aufgrund der niedrigen Steuern ist beispielsweise Bulgarien für Firmen aus dem Südwesten besonders lukrativ. Zum Jahresende und pünktlich zum Beginn der Adventszeit gibt es auch für Mitarbeiter des Elektronikzulieferers Diehl Controls mit Sitz in Wangen im Allgäu (Kreis Ravensburg) anstelle eines besinnlichen Jahresausklangs eine Schocknachricht.
Wie die Schwäbische Zeitung in Bezug auf ein internes Rundschreiben berichtet, will das Unternehmen aus dem Allgäu bis 2026 mehr als die Hälfte der derzeitigen Arbeitsplätze abbauen. In nackten Zahlen bedeutet das, dass bis zu 320 Mitarbeiter ihren Job verlieren könnten. Diehl Controls gehört zur Diehl-Gruppe und ist als Compliance-Lieferant unter anderem für Haushaltsgeräte wie Kühlschränke und Waschmaschinen tätig. Durch die anhaltende Krise in der Baubranche in Verbindung mit den hohen Kosten für Energie, Rohstoffe und Personal ist auch Diehl Controls zum Sparen verdammt.
Diehl Controls muss offenbar 60 Prozent der Arbeitsplätze abbauen
Der Elektronikzulieferer Diehl Controls geht auf das im Jahr 1945 in Eisenharz im Kreis Ravensburg gegründete Unternehmen Apparatebau Paul Kolb (AKO) zurück und gehört seit dem Jahreswechsel 1994/1995 zur Nürnberger Diehl-Gruppe. Am Hauptsitz in Wangen beschäftigt das Unternehmen derzeit 542 Menschen, ein Abbau von 320 Arbeitsplätzen würde demnach mehr als 60 Prozent der Belegschaft im Allgäu betreffen. Der Schwäbischen Zeitung zufolge haben weder das Unternehmen noch der Betriebsrat eine konkrete Zahl genannt, der Stellenabbau soll jedoch sozialverträglich erfolgen. Auf betriebsbedingte Kündigungen will Diehl Controls „möglichst verzichten“.
| Name | Diehl Controls Stiftung & Co. KG |
|---|---|
| Gründung | 1945 als Apparatebau Paul Kolb (AKO) |
| Hauptsitz | Wangen im Allgäu, Baden-Württemberg |
| Branche | Elektro-/Elektronik-Herstellung |
| Mutterkonzern | Diehl-Gruppe |
| Mitarbeiter | 3.648 weltweit |
| Umsatz | 560 Millionen Euro (2022) |
Als Gründe für die harten Sparmaßnahmen gibt Diehl Controls zum einen die teure Produktion in Deutschland an, und zum anderen, dass die Hersteller von Kühlschränken, Waschmaschinen und Co. Steuerungseinheiten immer mehr selbst produzieren. Dadurch, dass durch die hohen Kosten auch die Baubranche seit Monaten in einer erheblichen Krise steckt – Gerüstbauer Peri musste deshalb 200 Stellen streichen – ist die Nachfrage nach Haushaltsgeräten gesunken. Das bekommt Diehl Controls ebenfalls zu spüren. Hinzukommt beim Elektronikzulieferer, dass die Produktion von Steuerungselementen für Wärmepumpen durch die Diskussionen beim Heizungsgesetz nicht so lukrativ sind, wie erhofft.
Diehl will an Sitz im Allgäu festhalten, aber wohl nicht als Produktionsstandort
Obwohl Diehl Controls nach eigenen Angaben keine Mitarbeiter direkt kündigen will, ist der angekündigte Stellenabbau ein herber Schlag für die Mitarbeiter und die Stadt Wangen im Allgäu. In der nach Ravensburg selbst zweitgrößten Gemeinde des Landkreises ist der Elektronikzulieferer nämlich einer der wichtigsten Arbeitgeber. Die Arbeitnehmervertretung am Standort hat allerdings nicht vor, die Sparmaßnahmen ohne weiteres hinzunehmen und will dem Unternehmen einen Fragenkatalog vorlegen und die Pläne von der Gewerkschaft und dem Rechtsbeistand überprüfen lassen.
Laut der Schwäbischen Zeitung will die Diehl-Gruppe trotz der befürchteten Ausdünnung am Standort Wangen festhalten. Künftig dürfte der Stammsitz des Teilkonzerns Controls aber nicht mehr als Produktions-, sondern als Entwicklungsstandort fungieren. Wie eingangs erwähnt haben aufgrund der hohen Kosten viele Unternehmen aus dem Südwesten ganze Produktionsschritte ins Ausland verlagert. Diehl Controls hatte im Dezember 2022 beispielsweise eine neue Fabrik in Bulgarien eröffnet und im September dieses Jahres eine weitere in China.
Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg




Rubriklistenbild: © imago stock&people

