Verfahren in Eigenregie

Maschinenbauer aus Baden-Württemberg meldet Insolvenz an – über 500 Mitarbeiter betroffen

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Mit dem Maschinenbauer Illig rutscht ein weiteres Traditionsunternehmen aus Baden-Württemberg in die Zahlungsunfähigkeit. Die Zeichen stehen jedoch gut.

Heilbronn - Die Hiobsbotschaften für die Wirtschaft in Baden-Württemberg reißen nicht ab. Erst vor wenigen Tagen musste ein Technologieunternehmen aus dem Südwesten Insolvenz anmelden, wovon hunderte Mitarbeiter betroffen sind. Der Heilbronner Maschinenbauer Illig hat bereits seit der Corona-Pandemie zu kämpfen und musste aufgrund von steigenden Kosten und sinkender Nachfrage beispielsweise zu Kurzarbeit greifen. Das hat aber offenbar nicht gereicht, weswegen das 1946 gegründete Traditionsunternehmen am Amtsgericht in Heilbronn einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenregie gestellt hat.

Das Unternehmen Illig ist auf die Herstellung von Maschinen und Werkzeugen für das Thermoformen spezialisiert, also das Formen von Kunststoff durch Wärme, und zählt in diesem Bereich zu den Weltmarktführern. Insgesamt beschäftigt der Maschinenbauer rund 780 Mitarbeiter, mehr als 500 davon am Hauptsitz in Heilbronn. Laut einer Mitteilung des Unternehmens hat das Amtsgericht dem Antrag auf ein Insolvenzverfahren am Dienstag, 9. April, zugestimmt.

Insolvenz von Maschinenbauer Illig: Betrieb soll vorerst uneingeschränkt weitergeführt werden

Eine Insolvenz in Eigenregie bedeutet konkret, dass sich das Unternehmen selbst um das Sanierungsprogramm kümmert, statt vom zuständigen Amtsgericht einen Insolvenzverwalter zugeordnet zu bekommen. Im Falle von Illig wird das Verfahren vom Management, unterstützt durch den Sanierungsexperten Jochen Sedlitz von der Stuttgarter Kanzlei Grub Brugger, geleitet. Wie der erste Bevollmächtigte der IG Metall Heilbronn-Neckarsulm, Michael Unser, dem SWR erklärte, sei der nächste Schritt bei Illig, einen Investor zu finden. Zerschlagen werden soll das Unternehmen im Rahmen des Sanierungsprogramms allerdings nicht, da die Nachfrage für die Produkte des Maschinenbauers aus Baden-Württemberg ja vorhanden sei.

Der Maschinenbauer Illig aus Heilbronn zählt zu den Weltmarktführern bei der Herstellung von Maschinen für das Thermoformen.
Name Illig Maschinenbau GmbH & Co. KG
Gründung 1946
Hauptsitz Heilbronn, Baden-Württemberg
Branche Maschinenbau
Mitarbeiter 779
Umsatz 124 Millionen Euro

Die mehr als 500 Mitarbeiter von Illig am Stammsitz im Heilbronner Stadtteil Sontheim wurden am Dienstag über den Insolvenzantrag informiert. Für sie ändert sich zunächst nicht viel, da der Betrieb vorerst ohne Einschränkungen weitergeführt werden soll und die Gehälter und Löhne durch das Insolvenzgeld abdeckt werden. Auch für die Kunden wird sich nach Angaben des Unternehmens zunächst nichts ändern. Wie es anschließend weitergeht, müsse nun erarbeitet werden, so Unser. Die Gewerkschaft werde sich dafür einsetzen, die Arbeitsplätze auch in Zukunft erhalten zu können.

Maschinenbauer aus Heilbronn zeigt sich für Restrukturierungsprozess zuversichtlich

Die Gründe für die Insolvenz von Illig sind laut der Mitteilung diejenigen, die aktuell vielen Unternehmen der deutschen Wirtschaft massiv Probleme bereiten. „Extrem gestiegene Kosten durch Inflation, Zinsen und Energiepreise sowie Nachwirkungen der Corona-Pandemie und Folgen internationaler Konflikte“, führt das Heilbronner Traditionsunternehmen aus. Zudem würden sich veränderte Kundenanforderungen nach nachhaltigen Lösungen auf die Investitionsbereitschaft im Bereich der Thermoform- und Verpackungsmaschinen auswirken. Deshalb müsse Illig in neue Technologien investieren, was aus eigener Kraft nicht möglich sei.

Maschinenbauer Illig hat am Amtsgericht Heilbronn Insolvenz in Eigenregie angemeldet, zeigt sich für den Prozess aber zuversichtlich.

In Bezug auf die Voraussetzungen für den Restrukturierungsprozess zeigt sich das Unternehmen in der Mitteilung aber zuversichtlich. Man habe sich bereits im Oktober 2022 mit einem Strategieprogramm neu aufgestellt und wolle künftig das vorhandene Know-how, die Technologien und Services nutzen, um nachhaltigere Lösungen zu schaffen. „Um dies zu realisieren, braucht es nun Partner aus dem Markt“, schreibt der Maschinenbauer. „Die Ausgangsvoraussetzungen für diesen Investorenprozess sind gut.“ Kürzlich konnte auch ein Investor für einen insolventen Autozulieferer aus dem Südwesten gefunden werden.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Panthermedia

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