Krise in der Autoindustrie

Technologieunternehmen aus Baden-Württemberg ist insolvent – Hunderte Mitarbeiter betroffen

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Hohe Kosten und sinkende Nachfrage fordern weiterhin ihren Tribut; ein Technologieunternehmen aus Baden-Württemberg hat Insolvenz angemeldet.

Oppenweiler - Die Krise in der Automobilindustrie hat in Baden-Württemberg bereits einigen Tribut gefordert. Mitte März meldete beispielsweise der Autozulieferer Eissmann aus Bad Urach Insolvenz an. Auch beim Automobil- und Maschinenbau-Zulieferer Hanselmann & Cie. Technologies mit Sitz in Oppenweiler (Rems-Murr-Kreis) in der Region Stuttgart haben die anhaltenden Probleme der Branche die ohnehin schwierige Lage durch hohe Kosten und sinkende Nachfrage noch weiter verschärft.

Wie der Insolvenzverwalter Anfang April in einer Pressemitteilung erklärte, hat das Unternehmen bereits am 21. März Insolvenz am Amtsgericht in Ludwigsburg angemeldet. Betroffen sind an den Standorten im schwäbischen Oppenweiler sowie im ungarischen Borsodnádasd insgesamt rund 140 Mitarbeiter. Der Geschäftsbetrieb soll allerdings uneingeschränkt weitergeführt werden. Ein Investor hatte jüngst einen weiteren insolventen Autozulieferer aus dem Südwesten übernommen, weswegen mehr als 200 Mitarbeiter aufatmen konnten.

Hanselmann-Insolvenz: Schon jetzt Interesse an Übernahme durch Investoren

Hanselmann & Cie. Technologies geht auf die im Jahr 1963 in Oppenweiler gegründete Murrplastik GmbH zurück und gilt als Spezialist für Kunststofftechnologien im Spritzgusssegment. Zu den Kunden gehören Unternehmen aus der Automobilindustrie und dem Maschinenbau, zwei der wichtigsten Branchen der Wirtschaft in Baden-Württemberg. Wie der vorläufige Insolvenzverwalter, der Stuttgarter Fachanwalt Sebastian Kraphol von der Anwaltskanzlei GÖRG erklärte, sei die anhaltende Krise der Autoindustrie und die damit einhergehenden sinkenden Umsätze der Hauptgrund für die Insolvenz von Hanselmann & Cie.

Name Hanselmann & Cie Technologies GmbH
Gründung 1963 als Teil der Murrplastik GmbH
SitzOppenweiler, Baden-Württemberg
Unternehmensgruppe Hanselmann & Compagnie, Stuttgart
Branche Automobilindustrie, Maschinenbau, Zuliefererindustrie
Mitarbeiter 140

Trotz Insolvenzantrag und Sanierungskonzept soll der Geschäftsbetrieb an beiden Standorten ohne Einschränkungen weitergeführt werden. Die Löhne der Mitarbeiter sind bis Ende Mai durch das Insolvenzgeld abgedeckt. „Ich verschaffe mir derzeit einen ersten Überblick über die Situation vor Ort, um dann die Sanierung von Hanselmann vorantreiben zu können“, erklärte Kraphol. „Wesentliche Kunden haben mir bereits ihre Unterstützung zugesagt, und schon jetzt liegen die ersten Interessensbekundungen von Investoren für eine Übernahme von Hanselmann vor, was die Fortführung des Unternehmens ermöglichen würde.“

Das Technologieunternehmen Hanselmann & Cie. aus Oppenweiler im Rems-Murr-Kreis ist insolvent. Die Vorzeichen stehen allerdings gut.

Zwischen Fortführung und Betriebsaufgabe: Insolvenzen können unterschiedliche Ausgänge nehmen

In den vergangenen Monaten konnten bereits einige Unternehmen, die aufgrund der aktuellen Lage in die Zahlungsunfähigkeit gerutscht waren, durch Investoren gerettet werden. Ein Investor übernahm beispielsweise eine Allgaier-Sparte, inklusive der Mitarbeiter. In manchen Fällen kann eine Insolvenz aber auch mit einer vollständigen Einstellung des Betriebs enden, wenn kein Investor gefunden wird. Ein Traditionsversandhaus aus Baden-Württemberg musste den Betrieb im vergangenen Jahr einstellen. Im Fall von Hanselmann & Cie. scheint die Möglichkeit einer Fortführung aber durchaus gegeben zu sein.

Rubriklistenbild: © IMAGO/imageBROKER/Martin Moxter

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