VonSebastian Grauvoglschließen
Wer viel investiert, gibt auch viel aus: Mit 11,61 Millionen Euro steht Fischbachau Ende 2018 in der Kreide. Kein Grund zur Sorge, macht Bürgermeister Josef Lechner klar.
Fischbachau – Selbst der beste Plan geht nicht immer auf. Unvorhergesehene Ereignisse können vieles durcheinander werfen. Das war auch in Fischbachau in den vergangenen Jahren wiederholt der Fall, berichtete Bürgermeister Josef Lechner nun bei der Bürgerversammlung im Klostersaal. Doch stets sei es dem Gemeinderat gelungen, die Dinge mit Eigeninitiative und Mut wieder ins Positive zu wenden.
Lechner hatte seinen Bürgern viel zu erzählen. Fast zwei Stunden lang referierte er ohne Pause über die Entwicklung der Gemeinde. Grundsätzlich verortete der Rathauschef Fischbachau auf der Sonnenseite, sparte aber auch die schattigen Stellen nicht aus. Ob beim stockenden Breitbandausbau, bei der noch immer ausstehenden Sicherung der unbeschrankten Bahnübergänge oder dem (letztlich erfolgreichen) Kampf um den Erhalt der Postfiliale in Aurach: Die Privatisierung von Telekom, Bahn oder Post habe wenig Gutes gebracht, resümierte Lechner. „Wenn man mit denen verhandelt, kann man genauso gut gegen eine Wand reden.“
Wo immer möglich, habe der Gemeinderat aber das Heft des Handelns in die Hand genommen und so aus einem Tiefschlag neue Werte für die Bürger geschaffen. Als Beispiele nannte Lechner den Kauf der Caritas-Familienferienstätte in Hundham 2016 oder des Wolfseeareals 2017. Ersterer habe auf touristischer Seite zwar einen empfindlichen Verlust von 10 000 Übernachtungen bedeutet, böte aber nun 20 Wohneinheiten zu Mietpreisen von nur 6,50 Euro pro Quadratmeter. Ähnlich die Situation am Wolfsee. Hier habe man einen Campingplatz verloren, dafür aber ein Baugebiet für bis zu 43 Familien ausgewiesen.
Der nächste Fall könnte das Grundstück des ehemaligen Pflege- und Therapiezentrums in Fischbachau werden. Nach dem Bekanntwerden der Zwangsverwertung hätten sich umgehend Immobilienspekulanten gemeldet, berichtete Lechner. Auch hier habe der Gemeinderat reagiert und mit einem Bebauungsplan einen Riegel vorgeschoben. Nun zeichne sich eine Lösung ab, verriet der Bürgermeister. Denkbar sei ein sozialer Wohnungsbau mit drei Häusern für bis zu zwölf Wohnungen. Trotz Förderprogrammen sei der Einstiegspreis aber hoch, so dass die Gemeinde eher nicht als Bauherr auftreten werde. Es gebe aber Interessenten mit einem „guten Konzept“.
Auf ein gutes Konzept in Sachen Hochwasser warten die Anwohner der Siedlung in Hammer. Die Verzögerungen beim Wasserwirtschaftsamt hätten zwei Gründe so Lechner. Zum einen habe sich die Stadt München lange nicht zur Zukunft ihres Kraftwerks an der Leitzach entschieden. „Jetzt steht aber fest, dass es aufgelöst wird“, sagte der Bürgermeister. Zum anderen werde auch das Nadelöhr an der Staatsstraßenbrücke verschwinden. Das Straßenbauamt habe verkündet, dass die Brücke ohnehin neu gebaut werden müsse und dabei auch gleich verbreitert werde. Ein Bypass sei damit nicht mehr notwendig.
Noch im ersten Halbjahr 2019 sollen die Bürger endlich über die Pläne informiert werden, am Realisierungszeitraum 2020 habe sich nichts geändert, so Lechner. Auch in Sachen Energie gibt es Neuigkeiten für Hammer. Ein privater Betreiber habe angeboten, rund 300 Haushalte an ein Nahwärmenetz anzuschließen. Ähnliche Pläne gebe es für Lehenpoint.
Während die Gemeinde hier finanziell außen vor bleibt, ist sie dank der zahlreichen Investitionen – zuletzt eben den Kauf des Wolfseeareals – ordentlich in die Miesen gerutscht. 11,61 Millionen Euro Schulden werden Ende des Jahres zu Buche stehen, berichtete Lechner. „Das ist ein ganz schöner Rucksack, da gibt es nichts schön zu reden.“ Wie in den Vorjahren wies er aber darauf hin, dass sich die Kredite dank „traumhafter Zinsen“ mit nur 160 000 Euro Belastung pro Jahr auswirken würden. Mit dem Verkauf der Wolfsee-Grundstücke könne man den „Rucksack“ – mit Ausnahme der rentierlichen Schulden von 4,7 Millionen Euro – bis 2020 oder 2021 aber wieder loswerden. Wenn der Plan aufgeht.
