Eine zermürbende Diskussion lieferte sich der Ickinger Gemeinderat in der Frage, wie das Gelände der abgebrannten ehemaligen Reitschule genutzt werden soll.
Icking – Das Ergebnis: Als Basis für weitere Überlegungen soll der Eigentümer nach den Vorgaben der Gemeinde verschiedene Varianten für eine Wohn- und Gewerbenutzung vorlegen.
Der Gemeinderat hatte im Dezember dem Konzept des Eigentümers, Johann Abfalter, eine Abfuhr erteilt. Nach dessen Vorstellungen sollten unter anderem in dreigeschossiger Bauweise 44 Wohnungen entstehen, eine Abfüllanlage für ein in Icking gewonnenes Heilwasser sowie Bürogebäude und ein Kindergarten. Im Februar hatte daraufhin ein Workshop des Gemeinderates mit Stadtplanerin Vera Winzinger stattgefunden. Von einer Einigkeit hinsichtlich der weiteren Vorgehensweise war in der Sitzung am Montag nichts zu spüren. Es wurde hitzig debattiert. Zur allgemeinen Verwirrung gab es immer wieder neue Anträge. Am Ende drehte man sich nur noch im Kreis.
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„Die Diskussion ist unausgegoren, wir wissen nicht, was wir wollen und sollten uns hüten, weitere Beschlüsse zu fassen“, reichte es Dr. Alfred Vogel von der Ickinger Initiative irgendwann. Er riet dazu, sich nochmals zur Beratung zurückzuziehen. Einer der Knackpunkte war die Frage, ob man auf dem Gelände eine reine Wohnbebauung will und auf eine gewerbliche Nutzung gänzlich verzichtet. Dr. Otto Güllich (Ickinger Initiative) sprach von einer „extremen Lage“ angesichts des Landschaftsschutzgebietes und der engen Zufahrt. Für ihn kommt deshalb nur ein reines Wohngebiet in Betracht. Nach vielen kontroversen Redebeiträgen ergab schließlich eine Abstimmung von 11:4, dass Gewerbe bei den Planungsvarianten nicht ausgeschlossen werden soll.
Strittig debattiert wurde auch die Empfehlung der Baubehörden, einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufzustellen. Vigdis Nipperdey (Ickinger Initiative) sah die Gemeinde in der Defensive, sollte der Eigentümer Varianten anbieten. Sie sprach sich für eine eigene Planung der Gemeinde aus. Bürgermeisterin Margit Menrad sprach dagegen von einem „Planungswettbewerb, der uns nichts kostet“. Matthias Ertl (PWG) sah dies ähnlich. „Wir kommen keinen Zentimeter weiter ohne Planungsvorschläge“, meinte er. Im Workshop habe man dafür Vorgaben erarbeitet. Menrad hatte diese Vorgaben, wie etwa eine aufgelockerte Bebauung und Bodenuntersuchungen sowie die Einschätzung der Baubehörden eingangs dargestellt. „Sinnvoll wäre es, parallel einen Berater zu beauftragen, damit der Planungsgewinn durch die Aufwertung des Grundstücks nicht nur beim Investor verbleibt“, ergänzte Verena Reithmann (UBI).
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Nach weiterem zähen Ringen fasste der Gemeinderat mit 10:5 Stimmen folgenden Beschluss: Die Verwaltung wird beauftragt, den Eigentümer über den Inhalt des Workshops zu informieren – mit dem Ziel, dass dieser unter Berücksichtigung der erarbeiteten Vorgaben Planungsvarianten vorlegt. Parallel dazu soll, so ein weiterer Beschluss (12:3 Stimmen), durch einen Fachmann geprüft werden, „wie die Gemeinde am Mehrwert partizipieren kann“. Die Planungsvarianten sollen mit den Bürgern diskutiert werden. Der Gemeinderat entscheidet dann darüber, welche weiter verfolgt wird (9:6 Stimmen).
Yvonne Zuber
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