Sie hält die Stellung an der Kasse

Alltagsheldin aus dem Supermarkt: „Hamsterkäufe waren schon verrückt“

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„Viele Kunden sagen Danke“: Marianne Obermüller freut sich über die gewachsene Wertschätzung.

Marianne Obermüller aus Reichersbeuern gehört zu den Alltagshelden in der Corona-Krise: Als Kassiererin bei Edeka hat sie keine Angst vor Ansteckung.

Bad Tölz – Wer dieser Tage Marianne Obermüller bei der Arbeit trifft, sieht von ihr nicht viel mehr als ihre Augen. Mund und Nase sind mit einer Schutzmaske bedeckt. Die 56-jährige arbeitet bei Edeka März in Bad Tölz an der Kasse.

Tagtäglich ziehen hunderte Kunden mit ihren Einkäufen an ihr vorbei, und da ist ein gewisser Schutz unverzichtbar. Mittlerweile ist das auch vorgeschrieben, doch die Mitarbeiter in den Edeka-März-Filialen halten Mund und Nase schon seit einigen Wochen bedeckt.

Ob sie Angst vor einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus hat? Das verneint die Reichersbeuerin sofort: „Eigentlich bin ich diesbezüglich ziemlich entspannt. Anstecken kann ich mich ja überall“, sagt die Kassiererin. Klar, es gebe da sicher ein gewisses Risiko, meint sie, aber wisse sie denn, ob sie das Virus nicht schon längst gehabt habe? „Ich bin ein gläubiger Mensch. Wenn es denn sein sollte, dann ist es halt so“, sagt sie.

„Die Leute haben begriffen, dass wir ein wichtiger Teil der Gesellschaft sind“

Sorgen mache sie sich vor allem über die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise. „Ich habe viele selbstständige Freunde, die haben zu kämpfen, und alles wird natürlich teurer werden.“

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Was sie aber nach ein paar Wochen in dieser so veränderten Situation feststellen könne, sei die Tatsache, dass man ihren Beruf in der Öffentlichkeit nun endlich mit anderen Augen sehe. „Die Leute haben begriffen, dass wir ein wichtiger Teil der Gesellschaft sind.“ Das merke sie am Verhalten der Kunden. „Viele sagen Danke, schenken einem auch mal Blumen und schicken ein ,Bleiben Sie gesund‘ hinterher.“ Das sei am Anfang der Krise allerdings noch anders gewesen. Da seien manche Kunden durchaus aggressiv gewesen. „Das war schon verrückt, vor allem diese Hamsterkäufe in Sachen Klopapier und Nudeln. Ich weiß nicht, was sie damit anfangen wollten.“

„Ich mag Menschen, sonst könnte ich hier nicht sitzen“

Eigentlich war Marianne Obermüllers Berufswunsch ein ganz anderer. Im Tegernseer Tal aufgewachsen, träumte sie davon, Schneiderin zu werden. Da spielten ihre Eltern aber nicht mit, und so lernte sie Hauswirtschafterin. Gearbeitet hat sie in dem Beruf nie. Sie fing als Verkäuferin in einem Trachtengeschäft an und blieb der Arbeit im Verkauf treu. 

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Über verschiedene Stellen landete sie im Juni vergangenen Jahres nun im Edeka. Die Entscheidung habe sie nie bereut, und der Beruf mache ihr bis heute Spaß, wie sie sagt. „Ich bin ein kommunikativer Mensch. Ich mag Menschen, sonst könnte ich hier nicht sitzen.“ Klar, die Krise habe den Beruf schon etwas anstrengender gemacht, erklärt Marianne Obermüller. „Es ist viel mehr Betrieb, und man kommt kaum raus.“ Aber das alles habe auch den Kollegenkreis zusammengeschweißt, sagt sie. Man achte einfach mehr aufeinander. Das seien die Kleinigkeiten, die wirklich wichtig seien.

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Wenn die 56-Jährige dann endlich vom Arbeitsplatz nach Hause kommt, hat sie genug Hobbys, um zu entspannen und wieder Energie zu tanken. Sie geht gerne auf den Berg, radelt und kümmert sich um ihren Garten. Außerdem singt sie und spielt Gitarre. Und natürlich näht sie für ihr Leben gern. Diese Leidenschaft hat sie nie losgelassen.

Arndt Pröhl

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