VonAlexandra Korimorthschließen
Die Almbauern demonstrierten bei ihrer Versammlung in Rottach-Egern Geschlossenheit: Beim Kampf gegen den Wolf setzen sie auf eine breite Allianz - und auf die bayerische Politik.
Rottach-Egern – Mit mulmigem Gefühl geht die Bezirksalmbauernschaft Tegernsee in die Almsaison 2023. Die Angst vor Wolf und Bär ist gegenwärtig. „Die Almbauern schwanken zwischen Wut und Hilflosigkeit“, fasste Bezirksalmbauer Anton Maier bei der Almbauernversammlung im Gasthof Angermaier in Rottach-Egern die Stimmung zusammen. Einen Tag nach der Bundestagsabstimmung gegen die Absenkung des Schutzstatus’ des Wolfs ist der Frust groß: „Das ist bitter“, sagte Maier. Insbesondere, weil die Almbauern eigentlich seit der neuen Wolfsverordnung des Freistaats optimistischer gestimmt waren. Demnach ist es jetzt leichter, Wölfe zum Abschuss freizugeben. Nicht zuletzt mit Blick auf die Almbegehung mit Ministerpräsident Markus Söder und Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber im August 2022 stellte Maier fest: „Wir haben die bayerische Politik hinter uns gebracht.“
Bei Almbauernversammlung: Beschreibung grausamer Wolfsrisse
„Söder ist zu seinem Wort gestanden. Wir haben uns Gehör verschafft und die Almbegehung hat sich zum Politikum entwickelt“, bestätigte der Vorsitzende der Bezirksalmbauernschaft, Sepp Glatz. Auch zur nächsten Almbegehung habe Söder wieder zugesagt. Dabei unterstrich Glatz, wie wichtig das Ansehen in der Politik sei, ebenso wie Aufklärung auf allen Ebenen. Dass das EU-Parlament beschlossen habe, den Schutzstatus zu überprüfen, wertete er als Fortschritt und unterließ es nicht, bildhaft die letzten Wolfsrisse zu beschreiben. Beispielsweise wie ein Muttertier getötet wurde und deren beiden ungeborenen Kälber vom Wolf „nur“ angefressen wurden. Dabei rief er nach dem Tierschutz: „Warum schützt man ein Tier, aber die Viecher und Blumen, die es nur bei uns auf der Alm gibt, nicht?“
Tödliche Bären-Attacke auf einen Jogger habe die Politik aufgerüttelt
Wenn die Zahl der Wölfe zu hoch werde, sei die Zeit des Monitorings zu Ende. Jetzt beginne das Wolfs-Management, sagte er und zog Vergleiche zu Schweden mit seiner Schutzjagd, zum Trentino mit aktuell 31 Wolfsrudeln und zu Frankreich, wo Hirten die Wölfe selbst schießen könnten. „Wir müssen weiter kämpfen“, forderte Glatz. Der Leidensdruck sei da. Und so hart die Sache mit dem durch eine Bärin zu Tode gekommenen Jogger in Südtirol auch sei, so ein Todesfall schrecke auf und bringe Bewegung in die Sache – auch bei Politik und zuständigen Behörden.
Jetzt liege es am Landratsamt, wie die neue bayerische Verordnung im Landkreis Miesbach umgesetzt werde. „Wir müssen alle zusammen helfen, um zu verhindern, dass der Wolf hier sesshaft wird“, betonte Glatz.
Auch der neue Kreisobmann Sepp Huber sollte später noch die Gemeinschaft der Landwirte beschwören: Egal ob Biobauer oder Gulap-Bauer: Wir lassen uns nicht auseinander dividieren. Im Landkreis sollte die Vielfalt gelebt und das Zusammengehörigkeitsgefühl gefördert werden.“
Im Landkreis Miesbach gib es jetzt eine Wolfssichtungs-WhatsApp-Gruppe
Rottach-Egerns Dritte Bürgermeisterin Gabriele Schultes-Jaskolla versprach Unterstützung, auch im Bestreben der Bezirksbauernschaft, die Tourismusverbände einzubinden und das Netzwerk der Anti-Wolf-Allianz zu erweitern. In diesem Sinne bat Kreisbäuerin Brigitta Regauer um Unterstützung bei den Jägern und Förstern. Sie mögen doch alle Wolfs- und auch Bärensichtungen – egal ob tatsächliche Risse oder auch nur Spuren – melden, damit es ein Gesamtbild über das Gebiet gibt. Seit Kurzem gebe es auch für den Landkreis Miesbach eine Wolfssichtungs-WhatsApp-Gruppe, in die man Fotos, DNA-Spuren und Ähnliches stellen könne, um zeitliche und räumliche Zusammenhänge zu dokumentieren: ohne Diskussion, nur Fakten. „86 Almbauernbetriebe sind schon dabei“, sagte Regauer.
Sie hatte wie auch Florian Weber, Chef des Amts für Ernährung und Landwirtschaft, und seine Kollegen Susanne Krapfl und Hans Stöckl einige konkrete Tipps in Sachen Almbetrieb- Förderungen dabei. Marion Schäffler vom Veterinäramt ergänzte mit Infos zur Tiergesundheit, und Johanna Ecker-Schotter bekundete „als schwarzes Schaf“ im Tierschutzbund ihre Solidarität mit der Anti-Wolfs-Allianz.
ak
