Auf fast zwei Hektar Grund am Sitecpark will die Holzkirchner Beteiligungsgesellschaft Southern Blue ein großes Technologiezentrum mit Campusgelände errichten.
Bad Tölz – Zielgruppe sind Unternehmen aus den Bereichen Neue Materialien, Medizin- und Energietechnik. Im Bauausschuss wurde am Dienstag der Bauantrag für Produktionsgebäude, Büros und Lager befürwortet.
Es klingt nach einem sehr ehrgeizigen und interessanten Gewerbeprojekt, das auf dem abschüssigen, rund 18 000 Quadratmeter großen Hanggrundstück westlich der Bundesstraße 13 entstehen soll.
Auch mit Biolink werden weiter Gespräche geführt
Im Ausschuss wurde das Vorhaben am Dienstag eher wie ein Allerweltsantrag behandelt und in fünf Minuten diskussionslos durchgewunken. Das verfolgte im Publikum auch der Geschäftsführer von Southern Blue, Hannspeter Schubert, bis Ende 2019 auch Vorstand der börsennotierten Industrieholding Blue Cap mit Sitz in München, die speziell in mittelständische Unternehmen investiert. Am Mittwoch folgte eine knappe Pressemitteilung von Southern Blue zu dem Tölzer Projekt. Zu Nachfragen wollte sich das Unternehmen aber nicht äußern. Man werde sich zu gegebener Zeit rühren, wenn sich das Vorhaben konkretisiere. Die Internetpräsenz ist derzeit im Aufbau. Laut Pressemitteilung ist Southern Blue seit 25 Jahren als Beteiligungsgesellschaft tätig und orientiert sich „an Unternehmen, die sowohl innovationsgetrieben als auch der Natur und ethischen Unternehmenskultur verbunden sind“.
Die Wiese am Sitecpark hatte vor einigen Jahren der Klebebandhersteller Biolink erworben, um seinen Standort von Waakirchen nach Bad Tölz zu verlagern. Nach der Übernahme des Unternehmens hatten sich die Pläne allerdings zunächst zerschlagen (wir berichteten).
Der Pressemitteilung von Southern Blue ist zu entnehmen, dass man das Areal 2017 von der Stadt erworben habe und dass Biolink eventuell eines der Unternehmen sei, das sich in dem Technologiepark ansiedeln werde. Man sei jedenfalls im Gespräch, heißt es.
Veranstaltungs- und Ausbildungseinrichtungen geplant
Hintergrund: Biolink gehörte einst zur Planatol-Unternehmensgruppe, die wiederum Teil der Blue Cap Holding mit Vorstand Schubert war. So würde sich der Kreis wieder schließen. Ansonsten sei die Zusammenstellung der Unternehmen noch nicht konkret. Neue Materialien, Medizin- und Energietechnik sind die Themenbereiche. Dabei würden, so die Pressemitteilung, „nicht nur etablierte Unternehmen, sondern auch Start-ups angesprochen“. Ansiedeln sollen sich – ganz im Sinne der Stadt – nicht nur umweltneutrale Unternehmen, sondern es sollen auch qualifizierte Arbeitsplätze entstehen.
Und warum ist von einem Campusgelände als Heimat für Technologieunternehmen die Rede? Es sind im Hauptgebäude auch Veranstaltungs- und Ausbildungseinrichtungen geplant, ist zu lesen. Hannspeter Schubert: „Wir hoffen, mit diesem Projekt, in dem wir auch die Zusammenarbeit mit bayerischen Hochschulen suchen, den Grundstein für eine lebendige und innovative Unternehmenskultur legen zu können.“
Mit einem Baubeginn ist nicht in diesem Jahr zu rechnen
Im Bauantrag der Projektgesellschaft Technologiepark Tölz (dahinter steht Southern Blue) ging es um mehrere quaderförmige Gebäude, die sich in eine parkähnliche Landschaft als geschlossene Einheit einfügen sollen. Erschlossen wird das Areal durch eine Zufahrt von der Straße Sitecpark. Für Radler und Fußgänger soll allerdings vom Fuß- und Radweg entlang der B 13 eine Zugangsmöglichkeit geschaffen werden. Der Ausschuss befürwortete dafür ein Befreiung vom Bebauungsplan.
Bürgermeister Ingo Mehner findet das Konzept für den Technologiepark „sehr interessant“, erklärte er einen Tag nach der Sitzung. „Sowohl die Vorstellung der mit begrünten Flachdächern geplanten Gebäude im Campusstil als auch das Konzept, umweltfreundliche Unternehmen ansiedeln zu wollen, sind vielversprechend. Dies entspricht absolut der Stoßrichtung der Stadt.“
Und wann geht es los? Southern-Blue-Sprecherin Brigitte Altstetter teilt mit, das wegen der Corona-Krise heuer nicht mit einem Baubeginn zu rechnen sei. Christoph Schnitzer
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