Demo gegen Anbindehaltung von Rindern

„Lebensverachtende Haltungsform“: PETA startet Protestwelle in Rottach-Egern

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Die Anbindehaltung von Rindern bezeichnet PETA als „legalisierte Tierquälerei“.
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Die Tierschutzorganisation PETA will am Donnerstag (20. Juli) in Rottach-Egern gegen die Anbindehaltung bei Rindern protestieren. Für sie ist das Tierquälerei. Unterdessen sorgen sich die Bauern im Landkreis um die Zukunft der Kombihaltung.

Rottach-Egern – Für PETA ist die Sache klar. „Die Anbindehaltung – egal ob ganzjährig oder zeitweise – ist eindeutig tierschutzwidrig.“ Zuletzt hatte die Organisation daher gegen eine ganze Reihe an landwirtschaftlichen Betrieben Strafanzeige erstattet, auch sechs Höfe im Kreis Miesbach waren betroffen. Nun greift PETA zum nächsten Mittel: Am Donnerstag, 20. Juli, ab 10 Uhr wollen Aktivisten unter dem Motto „Ketten der Anbindehaltung sprengen“ vor dem Seeforum in Rottach-Egern protestieren. An einen Pfahl angekettet, mache unter anderem ein als Rind bemalter Aktivist auf den „qualvollen Alltag“ der Tiere aufmerksam, kündigt PETA an.

Regierung in Berlin will Tierschutzgesetz novellieren

Hintergrund für die Demo ist laut PETA die geplante Änderung des Tierschutzgesetzes und der Nutztierordnung, die die Ampel-Regierung in Berlin mittlerweile auf den Weg gebracht hat. Auch die in Bayern noch weit verbreitete Anbindehaltung steht dabei zur Debatte – gemäß einem bereits vorliegenden Referentenentwurf müssen die Milchbauern davon ausgehen, dass die ganzjährige Anbindehaltung schon in naher Zukunft verboten wird.

Über die Hälfte der Betriebe im Landkreis betreibt Kombihaltung

Doch was wird aus der Kombihaltung, bei der die Kühe den Sommer über auf der Weide oder der Alm stehen und im Winter im Stall angebunden sind? Genau das treibt die Landwirte im Kreis Miesbach um. Denn über die Hälfte der hiesigen Milchviehbetriebe, so bestätigt Kreisbäuerin Brigitta Regauer auf Nachfrage unserer Zeitung, betreibt Kombihaltung. Eine ganze Delegation aus den Kreisen Miesbach und Garmisch-Partenkirchen – mit dabei Vertreter der Bauernschaft, Kommunalpolitiker und auch die Vorsitzende des Tierschutzvereins Tegernseer Tal, Johanna Ecker-Schotte, – war deshalb im Mai nach Berlin gereist, um sich unter anderem für den Erhalt der Kombihaltung stark zu machen.

Kreisbäuerin: Tierwohl gibt‘s auch bei der Anbindehaltung

Obwohl Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) mittlerweile Sympathien für die Kombihaltung bekundet hat, traut Regauer dem Frieden noch nicht. „Es kommt ja auch darauf an, welche Anforderungen künftig an die Kombihaltung gestellt werden“, sagt die Vertreterin des Bayerischen Bauernverbands (BBV) im Kreis Miesbach. Zumal es vor allem die kleineren Betriebe mit im Schnitt um die 24 Rindern seien, die auf Kombihaltung setzen. Für diese Betriebe, die schon jetzt meist mehrere Standbeine bräuchten, um ihren Hof wirtschaftlich betreiben zu können, müsse die Tierhaltung auch unter den neuen Bedingungen noch machbar sein. Regauer zeigt sich überzeugt, dass auch in der Kombihaltung dem Tierwohl Genüge getan werden kann: „In einem gut geführten Betrieb mit Kombihaltung geht’s den Tieren zum Teil besser als in einem nicht optimal geführten Laufstall“, sagt sie. Bei richtiger Haltung könnten die Kühe auch im Anbindestall ihr Sozialverhalten ausleben und gegenseitige Fellpflege betreiben.

PETA spricht von „körperlicher und seelischer Folter“ für die Tiere

Wie eine PETA-Sprecherin auf Nachfrage mitteilt, sei die Aktion in Rottach der Auftakt für eine ganze Reihe an Demos in Bayern. Um Druck auf die Bundespolitik auszuüben, werde PETA bis in den Herbst hinein öffentlichkeitswirksam gegen die Anbindehaltung protestieren – zum Schluss sei eine große Aktion am Bundestag geplant. Das Anbinden der Rinder bezeichnet PETA als „lebensverachtende Haltungsform“. Sie komme „körperlicher und seelischer Folter“ gleich.

Tierschützerin Ecker-Schott lehnt ganzjährige Anbindehaltung ab

Eine klare Meinung zur ganzjährigen Anbindehaltung hat auch Johanna Ecker-Schotte vom örtlichen Tierschutzverein: „Die muss beendet werden“, sagt sie klipp und klar. Wenn allerdings die Kombination aus Weide/Alm- und Anbindehaltung im Stall wegfalle, „ist das bei uns das Ende der wertvollen Biodiversität, die auf unseren Flächen Bestand hat“. Kritik übt sie an der Politik. Die habe es jahrelang versäumt, die richtigen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass kleinere Höfe wirtschaftlich arbeiten und zugleich dem Tierwohl gerecht werden können.

gab

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