Gespräche über Almwirtschaft und Kombihaltung

Delegation aus dem Oberland hinterlässt Eindruck in Berlin

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Station im Umweltministerium: In Begleitung des Grünen-Bundestagsabgeordneten Karl Bär (l.) tauschte sich die Delegation aus dem Voralpenland mit Staatssekretärin Bettina Hoffmann (M.) aus.
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Ein breites Bündnis aus dem Oberland hat in Berlin seine Interessen in Sachen Almwirtschaft und Kombihaltung vertreten. Der Besuch kam in den Ministerien offenbar gut an.

Landkreis/Berlin – Rechtzeitig, bevor ein erster Entwurf für die von den Grünen angestrebte Tierschutzgesetz- und Nutztierordnung-Novellierung in die Ressortabstimmung geht, reiste dieser Tage eine Delegation aus den Landkreisen Miesbach und Garmisch-Partenkirchen nach Berlin. Ziel war es, in den aktuellen Debatten und politischen Prozessen rund um den Wolf, die Almwirtschaft und die Anbindehaltung die oberbayerische Perspektive deutlich zu machen.

Delegation spricht mit einer Stimme

Die Gruppe hat dabei großen Eindruck hinterlassen, weil die Vertreter der Almbauernschaft, des Tierschutzes, des Naturschutzes und der Kommunalpolitik mit einer Stimme gesprochen und nicht nur die jeweils eigene Sache, sondern auch die der anderen vertreten hat.

Neben Sepp Glatz, Susanne Krapfl, Hans Stöckl und Georg Mair vom Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern (AVO), die den Hauptstadttermin initiiert hatten, waren aus dem Landkreis Miesbach Kreuths Bürgermeister Josef Bierschneider in seiner Eigenschaft als Vertreter des Landrats, Kreisbäuerin Brigitta Regauer, Sepp Faas von der Unteren Naturschutzbehörde und Johanna Ecker-Schotte vom Tierschutzverein Tegernseer Tal dabei. Aus den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Garmisch-Partenkirchen fuhren der Garmischer Landrat Anton Speer, Peter Strohwasser von der Naturschutzbehörde in Garmisch und Joseph Grasegger, Vorsitzender im Verband Bayerischer Schafhalter, mit.

Gerüstet mit abgestimmten Argumenten

Gerüstet waren sie mit abgestimmten Argumenten, einem 32-seitigen „Plädoyer für den Erhalt der Kombi-/Sommerweidehaltung“ aus der Feder der Grünen-Politikerin und Tierschützerin Tessy Lödermann und dem 260-seitigen Kompendium „Bauernlandschaft“ von Cordula Flegel über die Zusammenhänge und Kreisläufe der Landwirtschaft und Landschaft in den Bayerischen Alpen.

Gespräche in zwei Ministerien

Dass die Almwirtschaft und die kleinbäuerliche Landwirtschaft im Oberland in ihrer kulturellen und wirtschaftlichen Bedeutung einmalig und nicht mit anderen Regionen zu vergleichen seien, galt es im Bundesumweltministerium sowie im Bundeslandwirtschaftsministerium, die beide von Grünen-Politikern geführt werden, darzulegen. Die Delegation machte deutlich, wie wichtig die Beweidung für Kulturlandschaft und das Ökosystem, für das Wirtschaften und auch den Tourismus im Alpenraum sei.

Abgeordneter hilft bei Terminkoordination

Grünen-Bundestagsabgeordneter Karl Bär aus Holzkirchen, der sich bereits vor Ort für die Kombihaltung stark gemacht hat, habe bei der Terminkoordination geholfen, erklärte Stöckl dankbar. „Uns ging es um ein politisches Fachgespräch mit beiden grünen Ministerien“, berichtete der Geschäftsführer des Almwirtschaftlichen Vereins. „Und wir sind einhellig der Meinung, dass wir als breite Allianz für den Erhalt der Kombihaltung mit Weidegang Eindruck gemacht haben.“

Situation der kleinstrukturierten Landwirtschaft im Alpenraum dargestellt

Die Landwirte, der Naturschutz, der Tierschutz und die Kommunalpolitik seien sich einig, dass diese Form der Landwirtschaft erhalten werden müsse, weil damit die kleinstrukturierten Betriebe und die Landschaft erhalten würden. „Wir werden was erreichen“, sagte Stöckl hoffnungsfroh. Man sei geeint angetreten, und die Gespräche in den Ministerien seien gut gelaufen, berichtete nach der Rückkehr auch Bierschneider. Die Diskussion sei sehr sachlich gewesen, und die Gesprächspartner seien sehr angetan gewesen von der Zusammensetzung der Delegation. „Alle zusammen haben wir die Situation der kleinstrukturierten Landwirtschaft im Alpenraum aus unterschiedlichen Sichtweisen dargestellt und haben als beeindruckende Allianz aus unterschiedlichen Interessensvertretern unser gemeinsames Anliegen vertreten“, sagte er. Jetzt sei es an der Politik, die Problemstellungen in die anstehenden Gesetzesvorlagen einzubringen.

Klare Worte zum Thema Wolf

Thema war in diesem Zusammenhang natürlich auch der Wolf. Dieser könne, so die einhellige Meinung, in den Alpen nicht koexistent zur Landwirtschaft leben und in den Bergen nicht in Schach gehalten werden. „Ohne Weidehaltung würden Almen verbuschen und die Flora und Fauna der Alpen ein wichtiges Ökosystem verlieren“, machte auch der CSU-Bundestagsabgeordnete Alexander Radwan in einer Pressemitteilung zum Delegationsbesuch in Berlin klar. „Eine breite Wiederansiedlung des Wolfes wäre daher ein Angriff auf den Arten- und Naturschutz.“ Es gehe nicht darum, den Wolf auszurotten, sondern darum, dass die kleinstrukturierte, bäuerliche Landwirtschaft, die nicht selten im Nebenerwerb und meistens im Tal sowie am Berg betrieben wird, weiter existiere.

Radwan hatte sich zusammen mit seinen CSU-Kollegen Alexander Dobrindt und Artur Auernhammer mit der Abordnung getroffen und die „volle politische Unterstützung der CSU“ zugesagt. Ob diese wirklich breite Allianz, die sich am Alpenrand formiert hat, nicht nur großen Eindruck hinterlassen hat, sondern auch etwas für die Almwirtschaft und Kombihaltung bewirken kann, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

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