VonAndreas Steppanschließen
Manfred Schwarzwälder ist aus Bad Tölz nicht wegzudenken. In den 42 Jahren, die er seinen Antiquitäten-Laden betreibt, bekam er so manch unerwarteten Besuch.
Bad Tölz – Aus dem einstigen Hobby machte er seinen Beruf. Das war vor über 42 Jahren. Manfred Schwarzwälder gehört zu den Institutionen in der Tölzer Geschäftswelt. Sein Antiquitäten-Laden an der Badstraße ist ein historischer Ort. Nicht nur, weil das Gebäude aus dem Jahr 1870 stammt. Sondern auch, weil der 72-Jährige sehr viele Geschichten erzählen kann.
Alles fing im Alter von 30 Jahren an mit seiner Begeisterung für schöne Uhren. Die habe er sich stets in Penzberg gekauft. „Ich hatte einfach Spaß mit den Sachen.“ Er lernte zunächst aber einen Handwerksberuf und baute Heizungen ein. Als Selbstständiger versuchte er eine Weile, beide Standbeine aufzubauen, Handwerk und Kunsthandel. Irgendwann konzentrierte er sich aber alleine auf Antiquitäten, richtete bei sich zu Hause eine Werkstatt ein, um Kunstwerke auch restaurieren zu können.
Kundin im Antiquitäten-Laden von Manfred Schwarzwälder unterschrieb mit „Pilar von Bayern“
Bilder, Bauernschränke, Schmuck und andere Schätze: Wichtig sei ihm immer die Qualität gewesen. Wenn jemand zu ihm kam, um ihm ein altes Stück anzubieten, überprüfte er es stets auf Herz und Nieren. Um die Echtheit und den Wert festzustellen, gibt es eigene Methoden. Erst kürzlich wollte ihm ein Mann Krüger-Rand-Goldmünzen verkaufen. Weil Schwarzwälder gehört hatte, dass in jüngster Zeit häufig Betrüger versuchen, Fälschungen oder Diebesgut loszuwerden, sagte er dem Kunden, er wolle die Münzen überprüfen. Daraufhin machte der vermeintliche Kunstverkäufer einen Rückzieher und verließ das Geschäft.
Manfred Schwarzwälder verkleinert Antiquitäten-Laden in Bad Tölz
Aber auch Prominenz hat Schwarzwälder in seinem Laden bereits empfangen. Einmal begeisterte sich eine Frau für ein Gemälde, das sie dann auch erstand. Auf dem Scheck unterschrieb sie mit „Pilar von Bayern“. „Ich konnte das erst gar nicht glauben“, sagt Schwarzwälder. Die Frau konnte aber zweifelsfrei nachweisen, tatsächlich die besagte Prinzessin zu sein. Auch Schauspielerin Iris Berben verschlug es in das kleine Antiquitäten-Geschäft, das als Kulisse für einen ihrer Filme diente.
Seine Kunden, die Manfred Schwarzwälder alle fein säuberlich in einer Kartei registriert hat, kommen aus dem weiteren Umkreis. „Von den Tölzern selber könnte ich nicht leben“, sagt er. Viele Sammler kämen aus dem Raum Tegernsee.
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Diese hat er nun auch alle angeschrieben und auf seinen Räumungsverkauf hingewiesen. Nach mehreren gesundheitlichen Rückschlägen möchte Schwarzwälder kürzertreten. Er wird seine Räumlichkeiten verkleinern (wir berichteten). Aber ein paar Jahre will er schon noch weitermachen, auf dann nur noch zehn Quadratmetern ausschließlich die feinsten Stücke anbieten.
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Bis dahin muss er sich aus Platzgründen von einigen großen Objekten trennen. Was er bis zum 31. August nicht verkauft hat, wird Manfred Schwarzwälder mit nach Hause nehmen. Der Beruf ist ja auch sein Hobby.
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Aus einem Stapel kramt er eine Ansichtskarte von Tölz heraus. Aus dem Jahr 1912. Auch solche historische Dokumente hat er in seinem Laden. Manfred Schwarzwälder ist Sammler aus Leidenschaft.
Bevor im September aus einem Teil seines Ladens eine Nähstube wird, steht noch ein wichtiger Punkt an, wie der 72-Jährige schmunzelnd verrät: „Den 100-jährigen Boden schrubben.“
